Nur einen KLICK entfernt

604195864Foto: Die Becher des „Festival CLIC“ spiegeln unser Lächeln wider

Während ich diesen kurzen Text verfasse, scheint die Wäscheleine unter dem Gewicht der Kleidungsstücke zu ächzen, kratzt unser Hund an der Tür und verlangt nach seinem Futter, und fragt mich mein Sohn, ob es heute etwas zum Mittagessen gibt. Nachdem ich mein Zuhause mehrere Tage lang vernachlässigt habe, überfällt mich nun wieder die häusliche Routine. Sie reißt mich aus meinem Traum von Kilobytes und übergibt mich wieder dem grauen Alltag. Aber das war es wert. Seit vergangenem Donnerstag habe ich einen Schritt in die Zukunft erlebt, ein Stück „morgen“ mitten in diesem Havanna, das in der Vergangenheit feststeckt. Das „Festival CLIC“ hat genau die Themen vorweggenommen, über die die Kubaner im Jahr 2020 und meine beunruhigten Enkel um 2050 herum diskutieren werden. Es waren drei Tage, um „über Technologie nachzudenken, ihre Zukunft zu entwerfen und sie uns zu eigen zu machen…“, die in einer von Vielfalt geprägten Umgebung stattfanden, in der jeder willkommen war. Die Themen, mit denen man sich beschäftigt hat, reichten von Diskussionen über künstlerisches Schaffen im digitalen Zeitalter bis hin zum Entwurf einer möglichen Charta über die Rechte von Internetnutzern.

Es hat sich als sehr schwierig herausgestellt, diese Veranstaltung über alternative Wege zu organisieren, in einer Gesellschaft, in der jede Veranstaltung von Hindernissen und Schwierigkeiten umgeben wird, vor allem, wenn sie unabhängig ist. So konnte – wiederholt – ein Gast, der zu einer Diskussionsrunde eingeladen war, wegen Schwierigkeiten bei der Anreise nicht rechtzeitig kommen, die einfache Audioanlage hörte nicht auf, ein lärmendes Feedback von sich zu geben, und unsere bescheidene Brotzeit ließ länger auf sich warten, als unsere Mägen ertragen konnten. Aber das war auch nur die Bühne, der improvisierte physische Rahmen, in dem das geschah, was von wahrer Bedeutung war. Inmitten materieller Schlichtheit hat es das „Festival CLIC“ geschafft, unsere Erwartungen zu übertreffen. Eine aufrichtige und offene Debatte – ohne Zensur –, eine rege Beteiligung des Publikums und das erreichte Ziel, diese Veranstaltung zu einem technologischen und futuristischen Treffen zu machen, waren seine größten Erfolge. Über 200 Personen besuchten im Laufe dieser drei Tage den Veranstaltungsort und am Donnerstag, den 21. Juni, versammelten wir am Nachmittag bis zu 102 Interessierte in sozialen Netzwerken und im Web 2.0. Alle geplanten Workshops konnten stattfinden und die starken Regenfälle, die über der Stadt niedergingen, schafften es nicht, die Begeisterung zu schmälern, auch wenn sich einige von uns wegen durchnässter Schuhe und der Feuchtigkeit eine Erkältung einfingen.

Wir haben es jedoch nicht erreicht, eine so große Vielfalt von Internetnutzern zu versammeln, wie wir uns gewünscht hätten. Und das lag nicht daran, dass Menschen bestimmter Ideologien oder Gruppen nicht willkommen gewesen wären, sondern dass viele es vorzogen, trotz Einladung nicht zu kommen. Die Furcht vor einem Meinungsaustausch, die Angst vor einer Umarmung, scheint auch in der virtuellen Szene unserer Insel weiterhin vorzuherrschen. Der Leitartikel von Cubadebate – drohend und extremistisch – muss einige eingeschüchtert haben, die uns begleiten wollten. Was wir geschafft haben, ist, dass die kubanische Regierung in diesen Tagen – im Eiltempo – ein „Festival del Conocimiento“ (Festival des Wissens) organisierte, um den Menschen zu zeigen, wie man Blogs und Konten bei Twitter erstellt. Das ist meiner Meinung nach der größte Erfolg unserer winzigen Veranstaltung. Wenn wir sie, indem wir gegen die Mauer drücken, dazu zwingen, sie um ein paar Zentimeter zu verrücken … dann, dann haben wir schon einen Teil dessen, was wir wollten, erreicht.

Für das nächste Jahr muss das „Festival CLIC“ das Niveau seiner Diskussionsrunden verbessern, ein Wi-Fi-Netzwerk einrichten, damit die Teilnehmer das Veranstaltungsmaterial herunterladen können, auf eine gewisse Ernsthaftigkeit verzichten, um noch interaktiver zu werden, und es schaffen, jene Journalisten, Blogger und Twitterer zu versammeln, die es diesmal vorzogen, nicht teilzunehmen. Wir müssen jüngere Menschen erreichen, für die ihr Handy, ihre Tastatur und ihre Maus wie Gliedmaßen ihres eigenen Körpers sind, auch wenn – und ich freue mich, das sagen zu können – sich einige von ihnen schon dieses Jahr hereingeschlichen haben, indem sie über einen kurzen Tweet über das Konto @Festival CLIC sagten: „Wir werden nicht nur eine Veranstaltung sein. Heute wird eine Gemeinschaft geboren.“ So werden wir uns wiedersehen, mit der Unterstützung von „Evento Blogs España“ (EBE), mit der Ungeschicktheit der offiziellen Leitartikel und dem verspielten und rebellischen Geist unserer Internetnutzer.

Übersetzung: Falko Blümlein

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Foto: Mädchen, die auf dem „Festival CLIC“ zum ersten Mal mit einem iPad spielen

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