Schwein im „Kistchen“

tablilla_precios

Der Markt ist fast leer. Es ist noch sehr früh, und jemand schreibt die neuen Preise für ein Pfund Schweinefleisch auf eine Tafel. Eine scheinbar einfache Geste dieser Hand, die kaum eine Ziffer im Preis der Rippchen, der Beine oder des Schmalzes verändert hat. Was in Wirklichkeit jedoch auf dieser Schiefertafel – auf der Zahlen mit Kreide geschrieben stehen – zum Ausdruck gebracht wird, ist wirklich eine kaufmännische Katastrophe. Die kubanische Binnenwirtschaft leidet unter einer Schwäche, bei der schon eine leichte Preisanhebung eines Kilogramms Steak oder Schweinemalzes ausreicht, um unser schwaches Handelsnetz durcheinander zu bringen. Mit ein paar „Centavos“, die auf ein Lebensmittel aufgeschlagen werden, nimmt das Ausmaß der alltäglichen Angst zu und der Grad der Besorgnis steigt.
 
In der Tat macht sich in diesen Tagen ein gewisser Alarmzustand im Land bemerkbar. Schwein ist knapp aufgrund von Einschränkungen der Futtermittel, deren Importe gesunken sind und deren lokale Produktion nicht in die Gänge kommt. Der Sektor der privaten Produktion leidet unter der Knappheit des Produkts, welches die Basis der so genannten „Kistchen“ ist, dessen Inhalt fast immer aus Reis, einem Knollengemüse und etwas Fleisch besteht. Dieses Mittagessen „auf die Hand“ ist der Stützpfeiler vieler Kubaner, die außer Haus arbeiten und bildet auch eine grundlegende Einheit der privaten Gastronomie. Wenn der Preis des „Kistchens“ steigt, wirkt sich dies auf alles andere aus: Der Schuhverkäufer erlangt das durch den Mittagsimbiss Verlorene wieder, indem er es auf seine Ware aufschlägt, die Ladenbesitzerin, die für die Sandalen mehr bezahlt hat, wird versuchen, die Differenz durch unachtsame Kunden, die ihr Wechselgeld nicht überprüfen, wieder hereinzuholen; und die pensionierte Hausfrau wird ihrem Sohn in Frankfurt oder Miami schreiben, damit er die Überweisungen etwas anhebt, denn heutzutage ist das Leben sehr teuer. Und diese ganze Kette an Problemen und Unbehagen beginnt in einem Schweinestall, dort, wo Futtermittel und Tierpflege sich kilogrammweise in Fleisch verwandeln müssten, was aber nicht gelingt.

Übersetzung: Nina Beyerlein

4 Gedanken zu „Schwein im „Kistchen“

  1. @Arnie
    Faul (und wie!) sind diejeniegen, die, “dem Sohn in Frankfurt oder Miami schreiben, damit er die Überweisungen etwas anhebt” (Yoani)

    Es gibt aber auch welche, die anstatt den Touristen hinterher laufen oder die US-freundliche Blogs schreiben, einfach die Schweine züchten.

  2. @ Ricarco .
    ‚weil man (Skandal!) arbeiten muss‘ was wollen Sie damit sagen?
    Kubaner halten es für ein Skandal wenn Sie arbeiten müssenn? d.h. Sie sind faul?
    Nicht Ihr ernst oder?

  3. Dabei liegt die Lösung in der Hand der Kubaner: ein Stück Agrarland pachten, Futter selbst herstellen und die Schweine züchten.
    Das machen schon einige, leider sind sie in der Minderheit, weil man (Skandal!) arbeiten muss.
    Die Mehrheit folgt dem o.g. Muster: „dem Sohn in Frankfurt oder Miami schreiben, damit er die Überweisungen etwas anhebt“

Hinterlassen Sie uns ein Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s