Nassau, diese magische Stadt

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Bild: http://www.iabcrew.com

Sie steigt die Treppe zum Flugzeug hinauf. In ihrer Handtasche befinden sich ihre Brille, ein Reststück des Sandwichs, das sie nicht aufessen konnte und der Reisepass, der sie als spanische Staatsbürgerin ausweist. Aber noch ist nicht die Zeit gekommen, ihn zu zeigen. Solange sie sich auf kubanischem Boden befindet, kann sie nur den anderen, blauen, mit dem Wappen der einsamen Palme vorzeigen, in dem steht, dass sie in Havanna geboren wurde. Sie ist schon durch den Zoll gekommen, stand anmutig vor dem Zollbeamten, der ihre Ausreiseerlaubnis überprüfte, und zahlte -zähneknirschend- die übermäßig hohe Flughafensteuer. Die Lautsprecher verkünden den Abflug ihres Fluges auf die Bahamas und sie weiß, dass sie nun eine Verwandlung erleben wird. Sie hört nicht, wie die Stewardess sie an Bord willkommen heißt und sieht nicht das Blinken, das sie darauf hinweist, sich anzuschnallen. Sie denkt nur daran, dass sie eine Staatsangehörigkeit nun ablegen und eine andere annehmen wird, dass sie die Umzäunung dieser Insel abschütteln und sich wie ein Teil der Welt fühlen wird.

So wie sie nehmen viele Landsleute einen Flug nach Nassau, um dort von ihrer spanischen Staatsangehörigkeit Gebrauch zu machen. Sie verlassen Kuba mit dem nationalen Ausweis und landen auf der Insel New Providence mit ihrer anderen Identität als EU-Mitglied. Die Verwandlung vollzieht sich in der Luft, auf den Kilometern, die die Antillen von den Bahamas trennen, auf diesem blauen Streifen, der zwei Inselgruppen voneinander trennt. Auf diese Weise können sie US-amerikanisches Staatsgebiet ohne ein Visum betreten und sich die argwöhnischen Blicke an den Kontrollpunkten bei der Ankunft ersparen. Der internationale Flughafen Lynden Pindling ist der Ort der Metamorphose, der Ort, an dem eine doppelte Staatsbürgerschaft ihre Gültigkeit erhält, die in ihrem eigenen Land nicht anerkannt wird.

Und dann kommt der Augenblick der Rückkehr. Der Augenblick einer erneuten Verwandlung, aber nun umgekehrt. Das Flugzeug landet im Terminal 5 unserer Hauptstadt, die Verwandten blicken sich suchend nach der Ankommenden um. Ein Zollbeamter überhäuft sie mit Fragen und sie wird in einen Raum geleitet, wo ihr Gepäck sehr penibel überprüft wird. Unten in ihrer Handtasche ruht ihr spanischer Reisepass, dieses Büchlein mit rötlichem Einband, das darauf wartet, eines Tages nach Nassau zurück zu kehren. Auf diese magische Insel, wo sich die Welt nicht, wie bei Alices Spiegel, auf den Kopf stellt, sondern richtig herum.

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