Der FMC und seine Unfähigkeit, sich zu reformieren

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Mit 6 Jahren hat dich schon das Halstuch erwartet, das Wahrzeichen für „Pioniere für den Kommunismus, wir werden wie Che“. Danach bist du an die weiterführende Schule gekommen und automatisch, ohne dass du gefragt wurdest, warst du Mitglied im „Schülerverband des mittleren Bildungsweges“ (FEEM). Du wuchst weiter heran, das Trägerkleid fing an dich zu zwicken und unter der Uniformbluse fingen ein Paar Knospen sichtbar an zu sprießen. In der Pubertät angekommen warst du schon Mitglied im „Komitee zur Bewachung der Revolution“ und ebenso bist du in den „Verband kubanischer Frauen“ (FMC) gestolpert. Langweilige Versammlungen, Frauen die aufpassten ob du spät nachhause kamst, Zungen die bereit waren, jegliches unehrerbietige Wort, das dir herausrutschte, zu verraten.

Sie erteilten dir zig Kurse über die Rolle der Frauen in der Revolution, aber es kam niemand, um die Hand deines Mannes abzuwehren, der dich zuhause geschlagen hat. Du warst nur eine Nummer in der Liste der Vereinigten und – mehr als nur ein Mal – hast du Geld von der Sammlung für den FMC abgezweigt, um bis zum Monatsende durchzukommen. Es ist dir nicht schwer gefallen zu lernen, das Vokabular, das du für die mit Enthusiasmus vorgetragenen Bekanntmachungen verwendet hast, von den Sätzen zu trennen, mit denen du zuhause wirklich deinen Unmut gezeigt hast. Du hast verschiedene Techniken entwickelt, um das Gähnen während der Versammlungen zu kontrollieren, in denen sie „mehr Opfer, mehr Hingabe“ gefordert haben. Und irgendwann erschien dir das alles plötzlich so was von nutzlos, so abgelöst von der Realität, so weit entfernt von den lächerlichen Zahlungen, die du vom Vater deiner Kinder bekamst und von dem Chef, der „Gefallen“ von dir einforderte, um dir deinen Arbeitsplatz zu sichern. Du hast gemerkt, dass das wahre Thema deiner Tage aus dem halbleeren Topf aufstieg, der wie ein offener Mund inmitten deiner Küche stand.

Seit fünf Jahren bist du kein Mitglied mehr. „Was ist der Nutzen einer solchen Organisation?“ sagst du jetzt, nachdem du verstanden hast, dass die Forderung nach den Rechten der Frauen nicht durch eine durch und durch männliche Bürokratie erfüllt werden kann. Gestern Abend im Fernsehen hast du gehört, dass der FMC seiner Rolle in der Gesellschaft „eine Wende geben“ will und danach hast du dir den Bauch abgetastet, dir an die Arme gefasst, hast dir die Wände deiner ungestrichenen Wohnung und deines Lebens in nationaler Währung angeschaut. Und trotz des Unterschieds zwischen deinem ausgetrockneten Gesicht und dem perfekten Make-up der Befragten in den staatlichen Fernsehnachrichten, hast du dich frei gefühlt. Denn dieser Reportage haftete ein Mief von Mottenkugeln an und dir nicht. Du bist lebendig und zum allerersten Mal in deinen 40 Jahren „gehörst“ du nirgends dazu.

Übersetzung: Birgit Grassnick

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