Die Rückkehr von Eliécer

Das Misstrauen ist ein fundamentaler Teil des negativen Vermächtnisses, das uns dieses System hinterlässt. Der Zweifel kommt vor einer Umarmung, der Argwohn vor der Treuherzigkeit, und Sätze wie „Der ist bestimmt vom staatlichen Sicherheitsdienst“ anstatt „Wie gut, dass er sich das traut!“. Es gibt nichts Frustrierenderes für denjenigen, der die Linie zwischen Schweigen und Stellungnahme überschreitet, als auf der anderen Seite mit Argwohn empfangen zu werden. Dieses endlose Verdächtigen, das sie uns von klein auf eingeflößt haben, erweißt sich als das beste Erzeugnis, das der Castrismus hervorgebracht hat. Ich bin es leid, den anderen zu fürchten, mich zu fragen, was seine wirklichen Absichten sind, zu glauben, dass er kommt, um zu informieren, zu lügen, herumzuschnüffeln. Ich verschmähe die Vorsicht; es ist mehr noch, sie lähmt mich, sie macht mich traurig.

Die Rückkehr von Eliécer Ávila, mit seinem exzellenten Interview für das Programm „Estado de SATS“, hat dazu geführt, dass sich mein Handy mit Nachrichten füllt wie „Vorsicht, das kann ein Köder der politischen Polizei sein“, „Achtung, wahrscheinlich kommt er als verdeckter Ermittler zurück“. Ich habe sie alle in Ruhe gelesen, dankbar für die ehrliche Besorgnis, welche viele übermitteln, aber ich bin nicht bereit, mit diesem Kreislauf der Befürchtungen weiterzumachen. Jedes Wort von Eliécer erscheint mir geboren aus der Aufrichtigkeit. Wenn mir das Leben eines schönen Tages beweist, dass es eine falsche Würdigung war, werde ich weiterhin denken, dass seine Worte jetzt – in dieser Minute –nachteiliger für die Machthaber waren als sie ihr dann, nach dieser hypothetischen Enthüllung, nützlich sein könnte.

Wenn wir jemanden zurückweisen oder ihm nicht die Hand reichen, aus Angst, dass er ein Maulwurf des Auslandsgeheimdienstes sein könnte, dann erlangt irgendein finsterer Offizier in unserem kreolischen Lubjanka* eine Medaille. Sie ernähren sich von unserer Furcht, sie werden immer stärker auf dem Feld der Intrigen. Ich weigere mich also, ihnen ihre Arbeit weiterhin so einfach zu machen. Denn letztlich ist es ganz schön armselig, wenn sich eine Regierung damit brüsten muss, dass sie in Gruppen, die transparent und friedlich sind, einen Geheimagenten infiltriert haben. Lachhaft, so eine Verwaltung, die zugibt, im Schatten zu kontrollieren, da sie es in der Legalität und mit Argumenten nicht schafft.

* Anm. d. Ü.
Die Lubjanka ist der inoffizielle Name eines am gleichnamigen Platz in Moskau gelegenen Gebäudes. Von 1920 bis 1991 war es das Hauptquartier, das zentrale Gefängnis und das Archiv des sowjetischen Geheimdienstes in Moskau.
(aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Lubjanka)

Übersetzung: Birgit Grassnick

Ein Gedanke zu „Die Rückkehr von Eliécer

  1. „Die Lubjanka“ ist von Kuba weit entfernt.
    Sollte eine Kubanerin, auf der Suche nach einem Symbol des Unrechts, nicht lieber „Guantanamo“ sagen?

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