Felipes Schweigen

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Vor nicht einmal vier Jahren spielte der ehemalige Außenminister Felipe Pérez Roque die Hauptrolle auf der Konferenz gegen das nordamerikanische Embargo gegen Kuba. Es war seine Stimme, die von den daraus resultierenden wirtschaftlichen und finanziellen Einschränkungen erzählte. Der hitzköpfige Funktionär legte dar, was viele von uns in- und auswendig kennen: die vielfältigen negativen Auswirkungen, die diese seit 1962 bestehenden Beschränkungen auf die Industrie, die Technologieentwicklung und sogar das Gesundheitswesen haben. Worüber der damalige Außenminister allerdings nichts sagte, war der interne Zaun, der uns einschließt – diese andere Mauer von Zensur und Strafen, die sich kurze Zeit später über ihn selbst stürzen sollte.

Die bloße Entscheidung, ob man das Wort „Embargo“ wählt oder den reißerischeren Begriff „Blockade“ sagt, stellt schon eine beinahe ideologische Stellungnahme dar. Das Thema wurde von der nationalen Presse dermaßen manipuliert, dass die Regierung nicht einmal eingesteht, dass sich Viele, die gegen das System sind, auch entschieden gegen die Handelsbeschränkungen aussprechen, die unserer Insel von den USA auferlegt wurden. Die staatliche Tageszeitung Grandma stellt es als Tatsache dar, dass alle von uns, die eine politische Öffnung verlangen, ipso facto auch die Existenz des Embargos gutheißen. Daher sah man dann auch viele verdutzte Gesichter, als wir unsere eigenen Argumente dafür hörten, dass dieses so bald wie möglich aufgehoben werden soll; jene Rechtfertigungen, die Felipe Pérez Roque niemals vor der UNO äußerte und die er erst entdeckte, als er bereits ein entlassener Minister war.

Die Verlängerung der „Blockade“ um weitere 50 Jahre erlaubte es, dass jeder Schaden, den wir erlitten haben, darauf geschoben, mit ihren Auswirkungen gerechtfertigt wurde. Und dennoch verhindert ihre Existenz nicht, dass es in den luxuriösen Villen der Nomenklatura nie an Whiskey mangelt, die Kühlschränke gerammelt voll sind und die modernsten Autos in den Garagen parken. Und zu allem Überdruss hat die wirtschaftliche Mauer die Vorstellung der „belagerten Insel“ gestärkt, auf der Andersdenken mit Landesverrat gleichgesetzt wird. Somit hat die externe Blockade die interne Blockade an Kraft gewinnen lassen.

Ich wünsche mir, dass die heutige Entscheidung der Vereinten Nationen zugunsten derer ausfällt, die wir auf ein Ende einer solchen Absurdität hoffen, und vor allem zugunsten derer, die wir das Ende des Embargos als Todesstoß für den Autoritarismus ansehen, unter dem wir leben. Die offizielle Delegation würde es wiederum anders interpretieren: Sie würde zufrieden applaudieren und verkünden, dass dies „einen weiteren Sieg der Revolution“ darstelle. In Havanna werden währenddessen, weit weg von neugierigen Blicken, gewisse Führungspersonen mit Johnny Walker anstoßen und irgendwelche leckeren Häppchen „Made in USA“ verschlingen.

Übersetzung: Florian Becker

4 Gedanken zu „Felipes Schweigen

  1. @Ernesto
    Den Twitt habe ich nicht gelesen und habe nur diesen Bloggbeitrag kommentiert.
    Nach Deiner Aufklärung gebe ich zu: Yoani ist persönlich gegen die Blokade der USA.

  2. @Ricardo
    Warum willst du den deutschen Lesern vorenthalten, dass Yoani Sánchez sich bei Twitter explizit gegen das Embargo positioniert hat? Am 24. Oktober schrieb sie: „Manana es votacion en ONU sobre embargo de EUA a Cuba. Reitero mi posición: estoy en contra de ese bloqueo y también del otro, del interno“ (Morgen ist die UNO-Abstimmung über das US-Embargo gegen Kuba. Ich bekräftige meine Position: ich bin gegen diese, aber auch gegen die selbstgemachte Blockade)

    Du trimmst Yoani Sánchez nur in eine Richtung und stigmatisierst sie einseitig als US-Agentin mit kubanischem Pass. Ich finde diese Art, über andere zu urteilen, echt billig und dazu ziemlich fies. Was Anderes macht Gramma und el Noticiero auch nicht.

    Wenn du dich manchmal hier nicht so abwerten über Kuba und die Kubaner geäußert hättest, würde ich dir die berechtigte Frage stellen: In welcher Schublade versteckst du deinen Kubanischen Pass, lieber Ricardo? Denn ich habe langsam meine Zweifel an deiner wahren Identität. Entschuldige.

  3. Billig: die Argumente von „Whiskey“, „Kühlschränke gerammelt voll“, „die modernsten Autos“.

    Lustig: „Ich wünsche mir, dass die heutige Entscheidung der Vereinten Nationen zugunsten derer ausfällt, die wir auf ein Ende einer solchen Absurdität [des Embargo] hoffen“. Diese meisterhafte Formulieung wird die USA nicht zu sehr brüskieren, und es kann eigentlich nicht behauptet werden, dass Yoani sich das Ende des Embargos wünscht. Sie wünscht sich lediglich, dass die UNO es verurteit (im Unterschied zu dieser Inhaberin kubanisches Passes)

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