Paramilitär

elsexto

Dem Graffitikünstler Sexto aus Havanna gewidmet, der willkürlich festgenommen wurde.

Reifen quietschen, Autotüren werden aufgerissen und drei Männer steigen aus, die offensichtlich aus demselben Holz geschnitzt sind: stark, mit militärischer Kurzhaarfrisur und Mobiltelefonen am Gürtel. Es gibt kein Entkommen. Kein Nachbar wird dir zu Hilfe eilen, die Neugierigen werden verängstigt davonlaufen und mögliche Augenzeugen werden später nicht darüber reden wollen. Mit Gewalt zerren sie dich in einen Wagen, ohne einen Haftbefehl vorzuzeigen, nicht einmal einen polizeilichen Dienstausweis. Das Autokennzeichen ist unkenntlich, um keine institutionellen Spuren zu hinterlassen. Die Schläge werden weder von einem Stempel, einer Unterschrift, noch von irgendwelchen Initialen begleitet. Gerade bist du in die Hände von „paramilitärischen“ Kubanern gefallen, diesen politischen Polizisten, die nie eine Uniform tragen und die Befugnis haben, alle Gesetze zu brechen, dich einzusperren, ohne dass eine Straftat vorliegt, und dich „spazieren“ zu fahren, während sie dich bedrohen und dir das Knie in den Bauch rammen.

Immer häufiger treten diese Mafiamethoden in den Reihen der Staatssicherheit auf. Ihre Straffreiheit stört sogar die normalen Polizisten, die mit ansehen müssen, wie diese Leute mit Decknamen die Zellen mit Gefangenen füllen, die nicht in den Polizeiakten erfasst werden. Die Praxis, am Rande der Legalität zu arbeiten, ist bei den ruhelosen Burschen der Sektion 21 schon zur Routine geworden. Sie sehen sich als auserwählte Mitglieder einer Körperschaft, die jede beliebige Person von einem Ort abhalten, oder sie zwangsweise im eigenen Haus festhalten darf. Sie sind darin geschult, nicht zuzuhören, sodass es sich nicht lohnt, ihnen in den Ohren zu liegen mit Sätzen wie: „Ich bin ein Bürger und ich habe Rechte“, „Ich will einen Anwalt sprechen…“ oder „Welche Straftat werfen Sie mir vor?“. Für sie sind die Opfer keine Individuen, die durch das Gesetz geschützt sind, sondern bloß „Würmer“, nur „Ungeziefer“… , die ein Despot wie Gaddafi seiner Zeit als „Ratten“ bezeichnete.

Und da bist du nun, in einem Auto, das wie ein schwarzes Loch die Verfassung, die dich schützen sollte, verschluckt, umklammert vom muskulösen Arm von jemandem, der sich Agent Camilo oder Leutnant Moisés nennt. Für den Moment werden sie dich nur erschrecken, aber in Zukunft – wenn du noch mehr wagst – werden sie versucht sein, dir einen Fingernagel auszureißen, deinen Kopf in einen Eimer Wasser zu stecken und mit Strom an deinen Hoden herumzuspielen. Denn wenn eine Regierung Strukturen schafft, die keiner Justiz Rechenschaft schuldig sind, gibt es für diejenigen, die Widerstand leisten, keinerlei Schutz. Diese Paramilitärs von heute könnten die Mörder von morgen sein. Diese Elite-Kräfte, die sich als Verteidiger eines sterbenden Systems sehen, werden vielleicht auch nicht davor zurückschrecken, einen Mord zu begehen. Sie haben bereits den Kick erlebt, auf einer breiten Straße scharf zu bremsen und dich gewaltsam in ein Auto zu ziehen. Das nächste was sie fließen sehen wollen, ist dein Blut.

Übersetzung: Valentina Dudinov, Iris Wißmüller
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3 Gedanken zu „Paramilitär

  1. Ich möchte dir ein Tausch vorschlagen, Yoani:

    Für jeden Namen einer durch die „Paramilitares“ in Kuba ermordenten Person, werde ich dir 100 Namen aus Mexico, Kolumbien oder Brasil nennen.
    Und wenn 100 dir zu wenig sind, bekommst du sogar mehr.

    Zugabe: wenn du mal Englisch lernen möchtest, werde ich dir auch das Wort „waterboarding“ erklären.

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