Volljährigkeit

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Ins Kino gehen, um Filme für Erwachsene zu sehen, in einer Bar ein Bier bestellen oder einen Arbeitsvertrag als Angestellter bekommen, das sind Hinweise darauf, dass man in der Erwachsenenwelt angekommen ist. Wenn man 14 oder 15 Jahre ist, bringt einen jeder Tag dem Moment des offiziellen Erwachsenseins näher, den wir so sehr ersehnen. Wir nähern uns einem Zeitpunkt, mit dem wir uns vor unseren Freunden brüsten, während wir unsere Eltern daran erinnern, dass wir nicht mehr so klein sind, dass sie uns wie Kinder behandeln dürfen. Die Gefühle, die man hat, wenn man selbst 16 wird, unterscheiden sich stark von denen, die man empfindet, wenn unsere Kinder das Alter der rechtlichen Eigenverantwortung erreichen. Genau dann werden wir uns nämlich darüber klar, wie wenig reif sie körperlich und geistig sind, um so eine große Verpflichtung zu schultern.

Ich stelle diese Überlegungen an, weil mein Sohn im kommenden August volljährig wird. Er ist dann nach dem Gesetz so weit, alkoholische Getränke zu kaufen, zum Militärdienst eingezogen zu werden oder ins Gefängnis zu gehen. Ab diesem Zeitpunkt wird kein Schaden, der ihm zugefügt wird, nach dem Strafgesetzbuch als Tat gegen einen Minderjährigen behandelt werden. Er könnte sogar in einer kriegerischen Auseinandersetzung sterben oder jemanden töten, eine Möglichkeit, die im aktuellen Kuba keineswegs abwegig ist. Alle Jugendlichen, die in dem schwierigen Jahr 1995 geboren sind, werden 2011 die Grenze zwischen Kindheit und Erwachsensein überschreiten. Und ich sage ohne übertriebene Muttergefühle, dass sie zu jung sind, zu zerbrechlich, um sich der schweren Aufgabe zu stellen, vor einer Gesetzgebung als erwachsen zu gelten, die mit den internationalen Normen nicht übereinstimmt.

Vor einigen Wochen forderten die Vereinten Nationen die kubanische Führung dazu auf, die Volljährigkeit auf 18 Jahre zu erhöhen. Aber es gibt wenig Hoffnung, dass diese Forderung umgesetzt wird. Unter diesen Umständen würden all die Mädchen zwischen 16 und 17 Jahren, die ihren Körper an Touristen verkaufen, minderjährig und fielen plötzlich unter die Kinderprostitution. Wenn man das Kindesalter hinausschieben würde, dann fehlte der Regierung eine hohe Zahl von leicht zu manipulierenden Wählern bei den Kommunalwahlen. Und es würde natürlich die Vormundschaft der Eltern über ihre Kinder zeitlich verlängert zum Nachteil für den Staat bezüglich dieser jungen Bürger.

Jetzt, da ich mehr als das Doppelte an Jahren vollendet habe, die nötig sind, um den Kinderpass gegen einen Personalausweis einzutauschen, wird mir bewusst, dass man mir ein paar Jahre geraubt hat; dass eine falsche Gesetzgebung eine Verantwortung auf meine Schultern gelegt hat, für die ich nicht das nötige Urteilsvermögen besaß, um sie zu tragen. Damals genoss ich es wie eine Eintrittskarte zur Freiheit, aber jetzt sehe ich es als den Verlust des gesetzlichen Schutzes, der mir zustand.

Übersetzung: Iris Wißmüller
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