Eines löst das andere ab

calle-mojada[1]

Dieses Jahr konnten wir uns noch nicht im ersten Mai-Schauer baden. Die Trockenheit hat uns in Havanna diesen Regen vorenthalten, der traditionell im Volk mit Glück verbunden wird. Die Mangos, die an den Zweigen hängen, scheinen auf die Ankunft eines Platzregens zu warten und so bereit zu sein für unsere Gaumen. Risse im Erdreich, die Flamboyan-Bäume haben fast keine Blüten, und dieser klebrige Staub, der nur verschwinden wird, wenn es in Strömen gießt. Wie ich das Trommeln des Regens an die Scheiben vermisse, den Geruch nach Feuchtigkeit, die Tropfen, die auf den Blättern der Bäume nach einem Gewitter zurückbleiben!

Doch das Schlimmste ist die Leere in den Rohren, das stockende Fädchen, das aus den Wasserhähnen tropft, die Nachbarn der Umgebung, die Wasser in Eimern tragen, weil die Trinkwasserleitungen kaum noch Reserven haben, um die Haushalte zu versorgen. Schweißbedeckte Gesichter, stark riechende Hemden, fast leere Wäscheleinen, weil das geschätzte Nass nicht kommt. „Bleib nicht so lange im Bad!“, rufe ich Reinaldo zu, um zu vermeiden, dass der Tank, den wir auf dem Balkon haben, trocken fällt. Inzwischen ist in der Zisterne des Gebäudes nur noch eine traurige Pfütze, deren niedrigen Stand nur ein Saugschlauch noch überwinden kann.

Und zusätzlich zur Trockenheit kommt noch die Überzeugung, dass die landwirtschaftlichen Erträge dieses Jahr noch schlechter ausfallen könnten als im vergangenen, wenn es nicht endlich einmal regnet. Man sieht die Zeitungs-Schlagzeilen schon vor sich, die besagen, dass die Bananenproduktion gesunken ist, dass der Reis der Trockenheit nicht standhielt und dass das Obst am meisten in Mitleidenschaft gezogen wurde. Und dieses Gefühl, dass es immer einen Grund dafür gibt, dass der verfluchte Teller sich nicht füllt und die Löhne nicht steigen. Sei es die schlechte Amtsführung, das Fehlen von materiellen Anreizen für die Bauern oder der widerborstige Regen, der uns heute seinen Segen hartnäckig verweigert.

Übersetzung: Iris Wißmüller
1425 Klicks in den letzten 24 Stunden.

Advertisements

Hinterlassen Sie uns ein Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s