Auf seine Art

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‚Auf Wiedersehen‘ lässt sich schon mit einer kurzen Notiz auf dem Tisch sagen oder einem Telefonanruf, mit dem wir uns endgültig verabschieden. Es gibt Menschen, die bei den Vorbereitungen, das Land zu verlassen, am Ende einer Beziehung oder des Lebens selbst, versuchen, jedes kleinste Detail zu kontrollieren und Grenzen aufzuzeigen, die die Zurückbleibenden verpflichten sollen, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen. Einige gehen, indem sie die Tür hinter sich zu schlagen, andere fordern vor dem Weggang eine große Ehrung, die sie glauben, verdient zu haben. Es gibt Leute, die ihre Besitztümer gerecht verteilen, und auch solche mit so viel Macht, dass sie die Verfassung eines Staates ändern, damit niemand ihr Werk zerstört, wenn sie nicht mehr da sind.

Die Vorbereitungen für den VI. Kongress der Kommunistischen Partei Kubas und die Versammlungen im Kongresspalast waren wie ein großes öffentliches Requiem für Fidel Castro. Das Szenarium seines Abschiedes und die minutiös geplante Zeremonie hatte er verlangt und sein jüngerer Bruder durchgeführt, ohne dabei Kosten zu scheuen. Bereits bei den organisatorischen Exzessen der Militärparade, die am 16. April stattfand, zeigte sich die Absicht „alles zu geben“ für eine finale Ehrung der Person, die auf der Tribüne nicht anwesend sein konnte. Es war klar, dass beim Verlesen der Namen der zukünftigen höchsten Amtsträger der KP Kubas, der Name des Mannes nicht mehr fallen würde, der seit fast 50 Jahren die Richtung dieser Nation bestimmt hat. Dennoch saß er bei der Veranstaltung am Kopf des Tisches, um mit seiner Anwesenheit die Übergabe der Macht an Raúl Castro geltend zu machen. Es war, als würde er – obwohl noch am Leben – zur Verlesung seines eigenen Testamentes gehen.

Danach kamen tosender Beifall, Tränen des einen oder anderen Parteimitglieds beim Konklave und die Phrasen der ewigen Verpflichtung gegenüber dem Alten mit dem fast weißen Bart. Über die Fernsehbildschirme spürten einige von uns fast das Knistern der Trockenblumen oder den Klang der Schaufeln voller Erde. Bleibt abzuwarten, ob der General-Präsident dem schwere Erbe, das er erhalten hat, gewachsen sein wird, oder ob er es unter dem wachsamen Blick seines großen Bruders vorziehen wird, ihm nicht mit weitreichenden Reformen zu widersprechen. Es bleibt noch zu prüfen, wie authentisch dieser Abschied Fidel Castros aus dem politischen Leben ist, und ob sein Nachfolger sich dafür entscheiden wird, uns weiterhin zu enttäuschen oder sich ihm zu widersetzen.

Übersetzung: Valentina Dudinov, Iris Wißmüller
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