Danksagung

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Wenn wir eine Werbeagentur oder einen agilen Publizisten beauftragt hätten, die Arbeit der alternativen Blogger zu verbreiten, hätten wir wohl keinen so großen Bekanntheitsgrad innerhalb Kubas erreicht, wie durch die Sendung über den „Cyberkrieg“, die letzten Montag im offiziellen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Das spürbare Ergebnis ist, dass mein Telefon nicht aufhört zu läuten, ich keine Stimme mehr habe vom vielen Reden mit den Leuten, die mir ihre Solidarität bekunden und meine Sonnenbrille, riesig wie Eulenaugen, als Tarnung nicht mehr ausreicht, um unbemerkt in meiner Stadt herumzulaufen. Alle paar Meter treten Leute auf mich zu, sagen mir von Herzen kommende Worte und umarmen mich sogar so fest, dass ich keine Luft mehr bekomme.

Was passiert da auf dieser Insel, dass die durch offizielle Anschuldigungen “Gesteinigten” so anziehend geworden sind? Wo sind jene Zeiten geblieben, als eine Rüge in den staatlichen Medien jahrelanges Scherbengericht und Verteufelung bedeuteten? Wann war das, als sich der spontane Zorn über die Verleumdeten ergoss, der aufrichtig gemeinte Faustschlag auf dem Gesicht des Stigmatisierten landete? Ich schwöre, dass ich darauf nicht vorbereitet war. Ich stellte mir vor, dass 24 Stunden nach dem Lügengewebe, das in diesem Abklatsch von Big Brother ausgebreitet worden war, alle sich abwenden und zu Seite schauen würden, wenn ich vorbeiginge. Es trat jedoch das Gegenteil davon ein: komplizenhaftes Augenzwinkern, anerkennendes Schulterklopfen, Stolz der Nachbarn, die sich wundern, warum diese schweigsame und mickrige kleine Frau aus dem 14. Stock der Staatsfeind Nummer 1 sein soll – zumindest für diese Woche- bis der nächste Gesteinigte auftaucht.

Ich bin nicht die einzige. Fast alle anderen Blogger, die namentlich und mit Bild in der „Telenovela der MINIT*“ erschienen sind, erleben das gleiche. Verkäufer auf dem Bauernmarkt schenken ihnen eine Frucht beim Vorübergehen und Fahrer von Sammeltaxis sagen: „Sie zahlen heute nichts, das geht aufs Haus“. Wenn die Regisseure dieses Fernsehgerichts eine solche Reaktion auf Volksebene vermutet hätten, dann hätten sie, wie ich meine, davon Abstand genommen, unsere Gesichter im Fernsehen zu zeigen. Aber jetzt ist es zu spät. Das Wort „Blog“ ist nun auf immer mit unseren Gesichtern verbunden, klebt an unserer Haut, wird mit unseren Gesten assoziiert, wird mit den Unruhen im Volk zusammengebracht und ist zum Synonym dieses verbotenen Bereichs unserer Lebenswirklichkeit geworden, der täglich größere Anziehungskraft bekommt und mehr bewundert wird.

Anm. d. Ü.
*kubanische Staatssicherheit
Übersetzung: Iris Wißmüller
1254 Klicks in den letzten 24 Stunden.

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4 Gedanken zu „Danksagung

  1. Schade, dass sich Yoani nicht von den kriegerischen Begriffen (Inhalten) kubanischer Ideologie („cyberguerilla“) distanziert.
    Warum akzeptiert sie den Stempel, denn man ihr aufdrückt? Damit geht sie in den Krieg (Che läßt grüssen!). Und den wird sie verlieren. Vielleicht wars das schon…..

    Hoffentlich folgt bald die eigene friedliche Definition. Bürgerrechte haben nichts aber auch gar nichts mit Guerilla zu tun!
    Nur in einem friedlichen Kontext, macht die Arbeit von Yoani Sinn. Jede Verführung zum Krieg ist eine schwerer Gang…..

    Ein Korrektur ist wichtig, liebe Yoani!

  2. Im Granma, gross aufgemacht verlangt die sog-cubanische Justiz 20 Jahre Gefaengniss fuer den chilenischen Buerger Max Marambio.Eine ganz interessante Geschichte.Dieser Herr war bis 1973 ein Bodyguard von dem ehem chil.Praesidenten Salvador Allende.Als die Militaersi ihren Putsch machten floh er nach Cuba und verstand in kurzer Zeit die Sympathie von Fidel zu erwecken.er begann seine komerziellen Faehigkeiten zu benutzen und gruendete einige Unternehmen mit Fruchtsaft und Milchprodukten die sehr gut reussierten, nach dem die Arbeiter ja mit einem Hungerlohn bezahlt werden, Nachdem der Stern v Fidel im Sinken ist, wurde er nun angeklagt u.a.dass er den Leuten etwas extra bezahlte das ist ja dort scheinbar ein Verbrechen ist.Dann haette er auch kommerzielle Dokumente gefaelscht.Zu diesem Moment war er nicht in Cuba, liess aber seinen Vertreter Roberto Baudrand zuueck der so brutal und ohne jeglichen Verteidiger von der dortigen Justiz vernommen wurde dass dieser durch eine Herzschlag starb.Max Marambio bedauerte was geschehen war aber weiter nichts,Er wird natuerlich nicht mehr nach Kuba gehen sonst wuerde es ihm ergehen wie dem Amerikaner Gross dem sie 15 Jahre Gefaengniss verpassten aus Gruenden die in jedem anderen Land im besten Falle eine Ruege nach sich gezogen haette,Die ganzen Urteile haben rein politische Gruende und bestehen auf dem Satz Was gut ist fuer unser System das ist die Gerechtigkeit.Viele Gruesse aus Chile!!

  3. Dies ist keine gute Nachricht für Yoani & Co.
    Wenn der Feind sie zur Schau stellt, anstatt sie zu verschwiegen und verheimlichen, sagt er „ich hab keine Angst von euch“
    Am 1. Mai werden 500 000 für die Regierung und vielleicht 25 dagegen maschieren.

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