Vom Kabel eine Faser

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Es nähert sich, aber es kommt nicht an; es wird angekündigt, aber es wird nicht konkret. Es könnte von der Punta de Maisí gesichtet werden und doch erscheint es uns noch sehr weit entfernt. Das Glasfaserkabel zwischen Kuba und Venezuela ist seit mehr als zwei Jahren die Möhre die uns Bewohnern dieser Insel „ohne Anschluss“ vor Augen geführt wird. Die zarten Fasern haben als Argument gedient gegen diejenigen von uns, die es hinnehmen müssen, dass die Zugangsbeschränkungen zum Web eher auf politischen Willen als auf mangelndem Breitbandkabel zurückzuführen ist. Wir haben die langsame Verlegung der Nabelschnur aufmerksam verfolgt, die La Guaira mit Santiago de Cuba verbinden wird, ebenso das Transportboot von Frankreich und die Nachrichten, die besagen, dass sich die Übertragungsgeschwindigkeit von Daten, Bildern und Ton um 3000 multiplizieren werde. Aber irgendetwas sagt uns, dass die Fasern dieses Kabels bereits Namen, Besitzer und Ideologie haben.

Mit einer Kapazität von 640 Gigabytes wird die neue Leitung besonders für institutionelle Projekte, die durch die Regierung überwacht werden, bestimmt sein. Wenn die offizielle Presse ihre Vorzüge erwähnt, dann betont sie, dass „sie die nationale Souveränität und Sicherheit stärken wird“, aber erwähnt mit keinem Wort die Verbesserung im Informationsbereich der Bürger. Mit seinen Kosten von 70 Millionen Dollar erscheint diese Unterwasserverbindung eher dafür bestimmt, uns zu kontrollieren, als uns mit der Welt zu verbinden. Ich vertraue aber darauf, dass wir es schaffen werden, seine ursprünglichen Absichten zu torpedieren. In den momentanen Zeiten, in denen verschiedenen Vorhaben der so genannten Schlacht der Ideen zu Hotels wurden, um Devisen einzunehmen, in denen man davor warnt, dass nicht rentable Betriebe aufgelöst werden, ist es sehr wahrscheinlich, dass viele der digitalen Klicks in die Hände von Leuten gelangen, die sie bezahlen können. Mit Erlaubnis oder ohne, die Stunden am Netz kommen unwiderruflich zum Verkauf in einem Land, in dem das Abzweigen von Ressourcen tägliche Praktik und Überlebensstrategie ist.

Sobald wir mit Venezuela über den Meeresboden verbunden sind, wird es noch unmoralischer sein, die hohen Preise aufrecht zu erhalten, die der Zugang zum weltweiten Netz in Hotels oder anderen öffentlichen Einrichtungen hat. Damit wird auch der Begründung der Boden entzogen, warum es uns Kubanern nicht erlaubt sein soll, einen Vertrag zur privaten Nutzung abzuschließen, mit dem wir uns in den Cyberspace einklicken können. Es wird schwieriger werden, uns davon zu überzeugen, warum wir nicht über Youtube, Facebook und Gmail verfügen dürfen. Die Privatanschlüsse werden steigen, der Schwarzmarkt für Spiel- und Dokumentarfilme wird sich von diesen Megabytes nähren, die unsere insulare Plattform durchlaufen. In den Betrieben mit Internet werden die Angestellten es auch dafür nutzen, sich bei den Losverfahren für Visa einzuschreiben, ausländische Seiten zur Jobvermittlung anzuklicken oder Flirt-Chats. Sie werden nicht verhindern können, das wir dieses Kabel in etwas völlig anderes verwandeln, als wofür die Käufer es vorsahen, die glauben, dass eine Insel geknebelt werden kann, fest verzurrt mit einem einfachen Glasfaserkabel.

1084 Klicks in den letzten 24 Stunden.
Übersetzung: Iris Wißmüller

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5 Gedanken zu „Vom Kabel eine Faser

  1. @heriberto
    Hola nuestro querido Heriberto. Vielen Dank für dein Comeback und für den Buchtipp. Ich kannte diesen Autor nicht, werde mich aber im Internet umschauen. Hört sich interessant an. Dass Raúl Castro seine“ Zuneigung“ hat, weißt jeder Kubaner. Das ist nichts Neues und, nach meiner Meinung nach, auch nichts Schlimmes. Die Exilkubaner lassen andauern macho-Witze darüber fallen, das ist das Thema Nummer eins in den Kommentaren zu Yoanis Blog auf Spanisch. Ich sage dazu nur: Es sei ihm gegönnt, danach soll er nicht gemessen, dafür soll er nicht zur Verantwortung gezogen werden. Sein Spitzname auf Kuba ist „La China“, das sagt schon alles.

    Musiktipp: Ich höre gerade die CD von Concha Buika „El último trago“. Grandios im wahrsten Sinne des Wortes. Sie ist eigentlich eine Flamenco-Sängerin aus Mallorca. Sie ist dort aufgewachsen, ihre Eltern kamen aber aus Guinea Ecuatorial. Auf dieser Cd versucht sich die afrikanische Schönheit auf dem Gebiet der mexikanischen Boleros, insbesondere auf dem Repertoire von Chavela Vargas. Am Piano wird sie von Don Chuco Valdés begleitet. Mehr brauche ich nicht dazu zu sagen, oder? Wer sich in Latin Jazz auskennt, kennt auch diesen Gott namens Chucho Valdés. Die CD ist ein Genuss. Sie singt mit Flamenco Feeling alte Lieder, die tausendmal bereits gesungen worden sind, und hol aus diesen trotzdem ganz neue Töne heraus. Man muss aber die ausgesprochen theatralische Interpretation mögen. Flamenco und mexikanische Boleros, Andalusien grüßt Mexiko und Chucho untermalt das Ganze mit kubanischer Sinnlichkeit! Das ist etwas für Genießer, die allerdings die Tragik der Interpretation nicht allzu ernst nehmen.

  2. Ola!Hier in Chile ist Sommer und habe ich einige Tage Ferien gemacht an der Kueste.Als Lektuere las ich das Buch von Roberto Ampuero: Nuestros años verde olivo“ Es ist sicherlich auch ins deutsche uebersetzt und nehme ich an dass dieses manchem Mitleser bekannt ist.Falls nicht so kann ich dieses nur waermstens empfehlen.Fuer Menschen die sich fuer die Problematik „KUBA“ Intersssieren ist es ein MUST. Roberto Ampuero ist ein chilenischer Schriftsrteller in jungen Jahren war er Mitglied der kommunistischen Jugendpartei und durch die Ereignisse kam er in den 70 Jahren nach Ostdeutschland verliebte sich dort in ein kubanische Studentin deren Vater ein hohesTier in Kuba war.Er reiste dan mit dieser Person nach Kuba wo er sich mit ihr verheiratete.er beschreibt sein Leben in Kuba und alles andere was ihm dann passierte,Er beschreibt u.a. die Figur von Raul Castro der es in jenen Jahren besonders auf die Schwulen abgesehen hatte und der diese Umerziehen wollte und ihnen zusetzte…Ampuero lernte perfekt deutsch und das half ihm in Kuba zu ueberleben mit Uebersetzungen fuer die Ostdeutschen Funktionare,Das waers fuer heute.Chao

  3. Jean-Paul Sartre hat es sehr gut formuliert: „Die Hölle – das sind die anderen.“ Und es ist immernoch stimmig! Der gute Jean-Paul….

    Damit hat er keine Wahrheit ausgesprochen, sondern den Kontext benannt, in dem die meisten Menschen leben.
    In diesem Kontext lassen sich hervorragend Machtspiele und Bevormundungen jeglicher Art verwirklichen – so lange der Kontext aufrecht erhalten bleibt. (Jede Ideologie, jede Diktatur lebt von dem Verkauf dieses Kontextes als ABSOLUTE Wahrheit.)

    Stürzt der Kontext ein, d.h. ich suche mir einen neuen Kontext – z.B. „liebet eure Feinde“ oder „soy libre“ – dann sind die Spielchen zuende!
    Erst dann werden wir sehen, wer welches Geisteskind ist….
    …und ob wir weiter machen im alten Kontext mit „die Hölle, das sind die anderen“ – und einfach nur das Vorzeichen (mal wieder) ändern.

  4. Nach meinen Informationen soll der Anschluss im Mai 2011 fertig sein. Das wird die Situation in Kuba verändern. Es handelt sich um mehr, als eine Leitung. Es ist ein Spalt in einer unsichtbaren Mauer, die man nur spürt, weil man nicht hindurch kommt.

  5. Die Uhr tickt….

    Sobald eine Satelitenschüssel im Taschenformat erfunden wird, kommt der Tod des Infomonopols des Staates.

    Die neue Leitung bedeutet zwar kein Web Zugang zu Hause für die Bürger. Gestärkt wird damit die Korruption. Wenn schon ein PCC Sekretär auf dem nivel des municipio das www bekommt, wird er schon wissen, das neue Spielzeug in dinerito umzuwandeln.

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