Der Markt des Schweigens

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Foto: Jugendliche, die wegen Homosexualität im Iran 2005 hingerichtet wurden. Foto:http://www.enkidumagazine.com/

Ich kann immer noch nicht glauben, dass sich die kubanische Delegation in der UN mit ihrer Stimme einer Gruppe von Ländern anschloss, die „Homosexualität in ihrem Rechtssystem als Verbrechen ansehen, wobei fünf von ihnen sogar die Todesstrafe dafür verhängen“. Den in Anführungszeichen gesetzten Satz habe ich nicht erfunden, sondern er stammt aus einer Deklaration der CENEX, in dem Versuch, diese Absurdität zu erklären, das Abscheuliche zu rechtfertigen. Auf einer speziellen Liste, auf der einige große Unterdrücker von individueller Freiheit erscheinen, befindet sich auch diese unsere Insel, auf der bislang im offiziellen Diskurs bekräftigt wurde, dass das Kapitel der Ungerechtigkeiten gegenüber Homosexuellen der Vergangenheit angehört.
Ganz zu schweigen davon, dass niemand uns Kubaner befragt hat, ob in unserem Namen eine Resolution unterschrieben werden soll, die der Todesstrafe aufgrund der sexuellen Orientierung der Opfer freie Hand lässt. Kein Wort erschien darüber in der offiziellen Presse, kein einziger Transvestit konnte auf dem Platz der Revolution oder vor dem Außenministerium als Zeichen seiner Missbilligung dieser Geste politischer Willkür dagegen protestieren. Zu Beginn führte der Auftritt der Delegation aus Benin zu einer Abänderung der Resolution über außergerichtliche standrechtliche oder willkürliche Hinrichtungen in der Welt. Darin steht seit zwei Wochen, dass die UNO nicht mehr darauf achtet, ob der Angeklagte in diese Situation geriet, weil er einen Gleichgeschlechtlichen liebt. Wir verfolgen erschrocken den Lauf des Rades, das die Intoleranten antreiben, die Komplizenschaft von Fanatikern, die bei Menschenrechtsverletzungen, die von anderen begangen werden, den Mund nicht auftun, um sich so deren Schweigen zu erkaufen, wenn sie selbst es brauchen.
Es ist traurig, das eine Institution wie CENESEX, die die Respektierung von der Andersartigkeit fördern wollte, verbale Eiertänze vollführt, nur um die Dinge nicht bei ihrem Namen nennen zu müssen. Mariela Castro* darf sich nicht länger hinter den dürftigen Worten eines Kommuniqués verschanzen, in dem man vergeblich nach einer angemessenen Verurteilung des Fehlers sucht, den unsere Delegation in der UNO begangen hat. Am nächsten Sonntag wird sie in der Sendung „Pasaje a lo desconocido“ im nationalen Fernsehen zu sehen sein, um einen Dokumentarfilm vorzustellen, der sich mit dem Thema Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben beschäftigt. Ich meine, das wäre ein guter Moment, uns zu erklären, warum ihre Antwort nicht energischer war, warum ihr Schweigen uns so heuchlerisch vorkommt.

Anm. d. Ü.

* Raúls Tochter, die bekanntermaßen lesbisch ist und für die Rechte von Lesben und Homosexuellen in Kuba kämpft.
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Übersetzung: Iris Wißmüller

3 Gedanken zu „Der Markt des Schweigens

  1. Öffentlich gelebte Liebe und liebevolle Sexualität ist für viele Menschen und Systeme ein Grund anzugreifen – sogar zu töten.
    Die Menschheit ist weit davon entfernt sich human, friedlich und liebend zu äußern und sich daran zu erfreuen.

    Politisch wiederhole ich meine „Prognose“:

    im Sommer/Herbst 2012 ist Chavez nicht mehr Präsident, Obama hat Guantanamo geschlossen und die „Burg Kuba“ ist vollständig isoliert – kolabiert wirtschaftlich, sozial und politisch – und wird friedlich von den umliegend wohnenden Kubanern eingenommen.

    Möglicherweise entsteht auf dem Anwesen von Chavez eine politisch sozialistische Männer-Wohngemeinschaft mit kubanischen und venezolanischen Mitbewohnern. Nichts sexuelles – nein, nein – rein politisch-geistige Umarmungen….

  2. Frueher sagte man anstatt gay ,ein Schwuler,na ja sie sind ja heute in der Welt geduldet und geben viel an, manchmal ein bischen zuviel, und jetzt sieht man dass aus poliischen Gruenden die angeblich fortschrittlichen kubaner die reaktionaersten Systeme untertuetzen!!Man schreibt seit Jahren sich die Finger wund ueber Kuba und was die alles im Namen des sog.Sozialismus anstellen aber…es geht immer weiter und jetzt haben sie auf dem Festland sich eine Kolonie zugelegt namens Chavez dessen Leibgarde aus Kubanern besteht, und wenn das soweiter geht wird auch dieses Land komplett diesen zufallen….Schon heute wuehlen die in ganz Suedamerika herum suchen nach Schwaechen und Luecken im System , es gibt da ja manches… unterstuetzt von Ecuador und Bolivien.Schoene Aussichten!!Wenn das soweiter geht droht der Menschheit ein neues Mittelalter…

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