Die Kunst zu reden, ohne etwas zu sagen

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Wenn man mit dem Entschlüsseln jeder einzelnen Zeile in den Zeitungen aufgewachsen ist, gelingt es einem, inmitten der Rhetorik das Körnchen der zugrunde liegenden Information und die Prise Neuigkeit zu finden, die sich darin verbirgt. Deswegen sind wir Kubaner Spürhunde des nicht Ausgesprochenen, Experten darin, das Geschwätz beiseite zu lassen und ganz tief nach den wahren Gründen zu suchen, die dahinter stecken. Das Programm zum VI. Parteitag der Kommunistischen Partei ist eine gute Übung für die Schärfung unserer Sinne, ein klassisches Beispiel, um die Anwendung dieser Art des Redens, ohne etwas zu sagen, richtig einzuschätzen zu können, die sich hier bei uns in den offiziellen Reden etabliert hat.

Auf seinen mehr als dreißig Seiten enthält der Text nur Vorschläge wirtschaftlicher Art, eher für das Finanzministerium geeignet, als für die Richtungsanzeige einer politischen Partei. Es ist richtig, dass die Sprache der Barrikade fehlt, die alles mithilfe von Slogans löst. Dennoch bleibt der Entwurf eine beschönigte Auflistung von all dem, was alles erreicht werden könnte, wenn das System funktionieren würde. Wer glaubt, dass ich mit meiner Skepsis übertreibe, soll einen Blick auf die Punkte des letzten Parteitags werfen und überprüfen, wie wenig davon tatsächlich verwirklicht wurde.

Wenn man die Spreu vom Weizen trennt, ist positiv zu bewerten, dass die staatlichen Großbetriebe und Behörden, die mich, dich und uns alle wie ein riesiger Blutegel aussaugen, an Gewicht verlieren sollen. Den Arbeitssektor der Selbstständigen zu erweitern, wirkt sich auch belebend aus, aber immer wenn ich jemanden frage, ob er sich eine Lizenz holen wird, bekomme ich als Antwort, dass er nicht vorhat „anzubeißen“ und Steuern zu zahlen. Es ist schwer, das Misstrauen zu überwinden. Wenn nämlich eine Regierung die Wirtschaft eines Staates mit ihrem Prinzip von freiwilliger Arbeit und unsinnigen Programmen zerstört hat, findet sie kaum Glaubwürdigkeit, wenn sie verkündet, die Wirtschaft retten zu wollen. Es ist enttäuschend, dass keine einzige Zeile sich auf die Ausweitung der Bürgerrechte bezieht, darunter auch die Beseitigung der Reisebeschränkungen, unter denen wir Kubaner leiden, wenn es darum geht, unser eigenes Land zu betreten oder zu verlassen. Es wurde auch kein einziges Wort über die Versammlungs- oder die Meinungsfreiheit verloren, ohne die die Machthabenden sich weiterhin benehmen können wie herrische Vorarbeiter einer Fabrik und nicht wie die Repräsentanten ihres Volkes.

Die Kommunistische Partei Kubas wird sich im April versammeln, ein paar Gesetze verabschieden, die denen des Entwurfes sehr ähneln werden, und nach ein oder zwei Jahren werden wir uns fragen, was mit der ganzen Tinte auf dem Papier geschehen ist. Was ist mit jenem Programm passiert, in dem ankündigt wurde, weiterzuentwickeln und zu verbessern, anstatt zu verändern oder zu beenden?

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2 Gedanken zu „Die Kunst zu reden, ohne etwas zu sagen

  1. Wenn man das liest merkt man sofort dass die vor allen Dingen Zeit gewonnen wollen.Das Resultat wie immer .viel Bla Bla und sonst garnichts vielleicht gibst noch ein paar Leute die denen noch immer glauben….Aber noch haben sie viel Einfluss siehe Nicaragua bestimmt mischen die dort mit…So entwickelt sich eine Art Wettrennen von zwei Systemen…Die Leitwaehrung der westlichen Welt ist im Wackeln.. die anderen sind Pleite…. Wie sagte man frueher: Hoffen wir das Beste lieber Leser!! (Fortsetzung folgt)

  2. Drei Fragen an die Regierung Kubas:
    1. Wann wird mann Schönheitschirurgie als Freiberufler ausüben dürfen?
    2. Wann werden Privatpersonen Autos kaufen dürfen?
    3. Wann wird ein Fischer ein Boot importieren dürfen?

    Und eine Frage an die Kubaner:
    1. Wann werdet ihr aufhören zu betrügen, zu lügen und zu klauen?

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