Der kleine Anteil

cangrejo

Nach fünf Jahrzehnten von “uns“, von Verhaltensindoktrinierung im Internat oder in der Truppe äußerte trotzdem ein Jugendlicher heute Morgen im Park: „Ich will eben auch meinen kleinen Anteil haben“. Er sagte es wie jemand, der sich des Vergehens schuldig bekennt, etwas weit Entferntes zu begehren, eine geschmähte Sehnsucht zu befriedigen, wegen der er öffentlich verspottet werden könnte. Während er über seine „Ambitionen“ sprach, gestikulierte er mit seinen Händen und zog seine unsichtbaren Träume zu sich heran, die er auch benannte: „eine Wohnung, ein bescheidenes Einkommen und eine Ausreisegenehmigung“.
Die Kollektivierung hat in uns diese nur allzu menschliche Sehnsucht nach dem eigenen Anteil am Kuchen nicht ausgelöscht. Die erzwungene Gleichschaltung hat das Bedürfnis, uns voneinander zu unterscheiden, nur noch intensiviert.

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9 Gedanken zu „Der kleine Anteil

  1. Tacheles…..das juedische Wort welches in das deutsche Sprachgut aufgenommen wurde ist jetzt angebracht .Es ist Zeit Tacheles zu reden und zu sehen wie alles weitergeht….Ich meine wenn man glaubt dass man „laisser faire“ spielen kann, und ruhig abwartet wie es weitergeht, das ist ein gefaehrlicher Irrtum.Es ist an die Zeit dass der Lebensstil basiert auf den demokratischen und humanistischen Werten in die Offensive geht sonst besteht die Gefahr dass das System ausgehend von Kuba die Oberhand bekommt denn die haben ja einen grossen Vorteil: Opposition gibts dort nicht und reden und falsche Argumente benuetzen koennen sie auch.Hier in Suedamerika ueber Venezuela,Ecuador, Boliviia, teilweise Argentinien: der Einfluss kann nicht geleugnet werden.Sowas macht Schule und unzufriedene gibt es immer.Es ist an der Zeit dass dass die andere Seite anfaengt sich zu bewegen!

  2. @Ernesto
    Eine sehr geradlinige Analyse von dir. Bitter fällt sie aus!
    Was ich das Allerschlimmste finde: die Mächtigen Kubas sagen nicht: Danke an euch Kubaner!
    Nein, sie sagen: es reicht nicht!!! Alles was ihr macht reicht nicht!!! Immer noch nicht!!! Gebt uns mehr Opfer, wir wollen mehr!

    Das ist Vernichtung! Traumatisierte Menschen durch einen ideologischen Krieg, der niemals aufhört!
    Da wird der Alkohol zum Vernebler der ideologischen „Zombies im Kopf“ und der Sex/Prostitution zur Illusion von emotionaler Bindung und Zugehörigkeit. Da kann auch das Geld und Konszm zum „Glücklich-Macher“ werden.

    Ich kann keinen Unterschied erkennen zwischen dem kubanischen Sozialismus und dem Kapitalismus. (Erzähl mir einer noch mal was von Bildung und Gesundheit! Ist wichtig für den Körper und das Denken – mehr nicht. Herzensbildung findet woanders statt.)

  3. @Heriberto

    Así será, aber wann?

    Es wird lange dauern, lieber Heriberto, und weißt du warum? Weil sie in diesen 50 Jahren Misere Zeit hatten, den neuen Mensch zu formen. Und nun ist er endlich da, fix und fertig geformt, das Werk ist vollbracht! Das Ergebnis ist allerdings traurig und kaum wieder gut zu machen: Der neue Mensch ist in Internaten auf dem Lande aufgewachsen, weit weg von der Familie, er ist hart im Nehmen und hat wenig Anspruch, kennt nur selten ein Zuhause im bürgerlichen Sinne und hat so gut wie kaum Manieren, er kann ohne ein schlechtes Gewissen klauen oder sich prostituieren, lebt ganz gut mit der Doppelmoral, hat den Opportunismus mit der Muttermilch mit bekommen, geht kaum auf Konfrontation und ist den ganzen Tag mit dem Überlebenskampf, mit seinen kleinen Besorgungen beschäftigt. Und nicht zu vergessen: Er ist in der ideologischen Monokultur aufgewachsen. Er kennt nur die Angstmacherei von Fidel Castro und die Angeberei von Miami. Zwischen den Extremen ist er ein politisches Nichts.

  4. Wie sieht denn der ´´Neue Mensch ´´ aus der kein Haus haben darf. sowie keinen Besitz und der auch schoen zu Hause bleiben soll??Du lieber Gott das geht doch vollkommen gegen die Natur der Menschen!!!Die katholische Kirche verbietet den Priestern Geschlechtsverkehr was kommt dabei raus??Das wissen wir leider ja.Der neue kubanische Goetze will aehnliches. sein ganzes Volk soll seine Ideen akzeptieren, aber es klappt nicht, selbst nach 50 haben sie die natuerlicheb Beduerfnisse eines normalen Menschen wie der Mann im Park, und deswegen so lange es auch dauern moege ,wird sich am Ende der gesunde Menschenverstand durchsetzen!!Asi sera!!!(aber wann ???)

  5. @Ricardo
    Mit deinem Realismus hast du wieder Recht: wenn die Carta blanca Geschichte ist, werden Kubaner die gleichen Visumprobleme bekommen wie die Mexikaner oder Dominikaner. Keiner will uns zu Gast haben. Das ist leider so. Aber die Visumprobleme sind heute schon da. Ein Visum für Deutschland zu bekommen ist nicht jedermanns Sache. Meine Familie hat nie Probleme in der Botschaft gehabt, aber sie erzählen, dort ist immer Stimmung!

    Viel interessanter sind die Einreisebeschränkungen für kubanische Staatsbürger, die fehlende Freiheit in der umgekehrten Richtung, wenn wir ins Land einreisen wollen.

    Kubaner, die in den USA leben, berichten, dass sie über eine „Habilitación“ verfügen müssen, um das kubanische Territorium betreten zu dürfen. Es reicht nicht, einen gültigen kubanischen Pass zu besitzen, um einreisen zu dürfen. Nein, die Botschaft behält sich das Recht vor, die Einreise für kubanische Staatsbürger abzulehnen. Kubaner müssen erstmal die Prüfung der Habilitación beeintragen und erst dann, wenn Kuba ein“Okay“ gibt, dürfen sie rein ins Land. Als „deutscher“ Kubaner kenne ich so ein Verfahren nicht, aber mir ist klar, dass ich mich nicht zu weit hinauslehnen darf, wenn ich weiterhin meine Familie besuchen möchte. Wenn ich hier mir meinen richtigen Namen schreiben würde, kann ich meine Eltern für immer vergessen. Die kubanischen Behörden lassen mich nie wieder ins Land. So viel steht fest. Einige von uns sind blauäugig in die Heimat geflogen und durften die erste Maschine zurück nach Europa nehmen. Bei der Passkontrolle erfuhren sie, dass sie keine Habilitación mehr haben und durften nicht mal die Verwandten draußen darüber informieren. Die Familien werden nicht mal von den Behörden benachrichtet, erst wenn sie aus dem Ausland wieder angerufen werden, erfahren sie die ganze Wahrheit.

  6. Kurz mal was anderes.
    Man erzählte mir, dass es neuerdings eine Rassismus-Debatte in Kuba gibt. Angestossen von dem Liedermacher Gerardo Alfonso, der im Fernsehen darüber sprach.
    Ich dachte immer, dass es Rassismus in Kuba nicht gibt! (abgeschafft 1959) Was ist von dieser Debatte zu halten, die er so problemlos „in den Ring werfen“ kann? Kann man bzw. er so etwas tatsächlich ohne Angst sagen? Ist Kuba dafür offen? Ich weiss auch nicht welche Stellung Gerardo Alfonso einnimmt, ob man ihm überhaupt zuhört, bzw. was er damit „riskiert“.
    Oder ist das alles heiße Luft?

  7. „eine Wohnung, ein bescheidenes Einkommen und eine Ausreisegenehmigung“

    Ein Spekulant?

    Wozu braucht er eine Wohnung, wenn er ausreisen will? Und hat er weigenstens ein Tag bei der Wohungsbau gearbeitet?

    Übrigens: nur ein sehr kleines Teil Kubaner darf nicht ausrreisen: Hochschulabsolventen die ersten 5 Jahre, Militärs und die 57 Disidenten.

    An dem Tag, wenn die tarjeta blanca verschwindet, werden Kubaner dieselben Visumsprobleme bekommen, wie heute Mexikaner oder Dominikaner. Wer schon mal versucht hat, einen Dominikaner nach Europa einzuladen, der weiss bescheid.

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