Beschäftigungstherapie

macrame

Manche basteln Figuren aus Papier, andere reihen bunte Perlen zu einer Halskette, die nie fertig wird, oder verarbeiten Stoffquadrate zu einer unendlichen Tagesdecke. Man nennt das Beschäftigungstherapie: die Hände beschäftigt halten, damit das Hirn nicht ausrastet, würde ich sagen. Ab und zu gelingt es einer dieser sich wiederholenden Beschäftigungen, auch mich vom Alltag abzulenken, obwohl ich nicht mit Nadeln oder Klebstoff arbeite, sondern zu Schraubenzieher und Zange greife. Ich zerlege dann Schaltkreise, füge Kabel wieder zusammen, öffne jede Art von elektrischen Haushaltsgeräten, um zu sehen, ob ihr Funktionsaufbau mehr Logik hat, als unsere absurde Realität. Ich beschäftige mich mit der Technik und erfinde sie neu.

Vielleicht gelingt es mir eines Tages, einen Apparat herzustellen, der nicht nur Spannungen abbaut, sondern endlich auch dazu dient, uns mit dem Internet zu verbinden.

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Übersetzung: Iris Wißmüller

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3 Gedanken zu „Beschäftigungstherapie

  1. ja, ja, da ist man auf der Suche nach der guten oder perfekten Welt. Und was begegnet einem: Menschen.
    Und jeder dieser Menschen versucht eine Antwort zu geben auf das was ihn umgibt, was er in sich fühlt – Antwort auf seine Existenz – hier – jetzt.
    Einige Antworten erscheinen nicht annehmbar zu sein und anderen scheint ein Glanz zu umgeben….Letztlich ist die eigene Reaktion auf die Antworten anderen „unsere Antwort“ – und auch sie wird gesehen und ist allen anderen gleich gestellt.

    Die einzige Verantwortung haben wir also für unsere Antwort, deren Wirkung und „unser Urteil“ über die Antworten anderer.
    Coco Farinas Antwort hat ihm einen Preis eingebracht; ob er ihn mit anderen teilt, ihn wie ein Schild vor sich hertragen wird oder ihn wie einen Schatz im geheimen hütet – es ist seiner! Ganz herzlichen Glückwunsch!

    Ich wünsche ihm für seine Antworten, die er noch geben wird, dass sie von Gedanken des Himmels durchzogen sind! Meinen Segen hat er.

  2. Ich habe heute den Film The Social Network gesehen. Dort fand ich bessere Vorbilder für Kuba, und die Rest der Welt auch. Die Politik-Welt betrügt uns alle – in Deutschland wie in Kuba. Die Business-Welt… nur die Dummen.

    Die perfekte Welt wird in Himmel geben 😉

  3. Zu den letzten Tweets von Yoani:

    Gestern erreichte uns in Deutschland die Nachricht, dass Coco Fariñas den diesjährigen Sacharowpreis tatsächlich bekommen hat. Sogar in der Tagesschau hat man kurz darüber berichtet und ein Foto von ihm, abgemagert vom Martyrium, gezeigt. Ja, sogar meine Provinztageszeitung berichtete darüber. Im Innenteil, wahrscheinlich um den Platz zu füllen, platzierten sie ein riesiges Bild des Kubaners. Er sah gut aus auf dem Foto, er guckte freundlich, nicht wie einer, der von einem Ideal besessen und dafür bereit ist zu sterben. Sollche Fotos von ihm kennt die Öffentlichkeit nicht.

    Weiß man darüber in Kuba? Ja, definitiv. Ich bekam gestern eine Mail aus der Heimat, in der die Freude über den gewonnenen Preis eindeutig zu spüren war. Die Freude war sicherlich verschlüsselt, aber sie war unverkennbar, ganz eindeutig. Die Leute erfahren so etwas weder aus der Zeitung noch aus dem offiziellen Fernsehen. Es sind vor allem die zahlreichen Weltempfänger, die die frohe Botschaft auf die Insel bringen. Die Mundpropaganda verbreitet sie dann schnell.

    Fariñas hat uns Kubaner schon sehr viel gegeben, hoffentlich gibt er uns in der Zukunft noch mehr. Mit seinem Mut und seiner Konsequenz hat uns einen Teil, auch wenn nur einen kleinen, vielleicht nur einen Funken, unserer verlorengegangenen Zivilcourage zurückgegeben. Er hat uns allen einen Spiegel vor das Gesicht gehalten und zu uns gesprochen, ohne es öffentlich formulieren zu können: Wenn wir uns dagegen wehren, werden sie nachgeben müssen.

    Ein Land, das am Opportunismus und Konformismus, an Indolenz und Feigheit stirbt, kann viele Fariñas gebrauchen. Abhauen, sich prostituieren oder seine Existenz wie eine kleine Rate täglich zusammenkratzen kann nicht die Lösung sein. Damit retten wir unsere eigene Haut, lösen aber nicht das große nationale Problem. Wir sind alle nur Menschen und als solche brauchen Vorbilder. Gut, dass es nun wenigstens einen Coco Fariñas, bei uns gegeben hat. Es war auch an der Zeit!

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