Claria, vom Fluss in die Kloake


Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm von Fabián Archondo und der Stiftung für Neues Lateinamerikanisches Kino

Mein Sohn ist in dem Alter, in dem er die Wände unseres Hauses essen könnte, wenn wir nicht aufpassen würden. Er öffnet und schließt die Tür des Kühlschranks, als glaubte er, dass dieses Haushaltsgerät – ganz von alleine – Essen produzieren könnte. Sein Apettit ist so unersättlich und in Zeiten der Knappheit und der hohen Lebensmittelpreise so schwer zu stillen, dass wir Teo den Spitznamen „Claria“, nach dem gefräßigen Fisch, gegeben haben. Seine Gier erinnert uns an diese Wels-Art, die irgendein schlauer Mensch in unser Land gebracht hat, um die Fischzucht zu steigern, und die heute zu einer Plage in Flüssen und Seen geworden ist. Aber dies ist natürlich nur ein Scherz innerhalb der Familie, denn selbst unser gieriger Sohn könnte nicht all das verschlingen, was im Mund dieses laufenden Fisches verschwindet.

Graublau, mit ausgeprägtem Schnurrbart und der Fähigkeit, bis zu drei Tage außerhalb des Wassers zu überleben, gehören die Claria-Fische zu unserer ländlichen und städtischen Landschaft. Sie sind eine der wenigen Tierarten, die in dem verseuchten Almendares-Fluss überleben und sie haben inzwischen andere, schmackhaftere Exemplare in den Gefrierschränken der Fischhändler ersetzt. Aber weder ihre Fähigkeit, sich anzupassen noch ihre Hässlichkeit sind so alarmierend wie ihr extrem räuberisches Wesen. Sie fressen alles, von Nagetieren und Hühnern bis zu Welpen und alle Arten von Fischen, Fröschen und Vögeln.

Unsere Autoritäten haben diese fremde Spezies als Lösung für die Lebensmittelknappheit in der sogenannten Sonderperiode (período especial) importiert und haben so einen immensen Schaden in unserem Ökosystem ausgelöst. Eine ähnliche Unverantwortlichkeit hatte es schon gegeben, als Tilapias und Schleien eingeführt wurden, aber die Ergebnisse waren unschätzbar dramatischer bei dieser dunklen und schlüpfrigen Kreatur, die heute unsere Gewässer beherrscht. Ihre Verbreitung, ob sie im Matsch liegen, aus einem Gullideckel mitten in der Stadt hervorkommen oder am Straßenrand kriechen, legt die Zerbrechlichkeit der Natur gegenüber den ministerialen Richtlinien offen. Ich habe keine Zweifel daran, dass dieser Fisch noch lange bei uns bleiben wird, selbst wenn die, die ihn ins Land gebracht haben, nur noch eine Erinnerung sein werden, so flüchtig wie ein Krümel im Maul eines Claria-Fisches.

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25 Gedanken zu „Claria, vom Fluss in die Kloake

  1. @Claudia, wie wird das kontrolliert wer dort hingeht oder nicht. Zum Beispiel ruft der Vorgesetzte die Empleados auf sich mit ihm zu treffen und gemeinsam dorthin zu gehen – freiwillig natürlich. Wer bleibt an diesem Morgen im Büro oder Zuhause? Kann derjenige einen akzeptierten Grund vortragen wie Oma oder Kind krank?
    Studenten und Schüler waren massenweise zu sehen, sie eignen sich immer hervorragend den Platz vor dem Redner zu füllen und sie selbst freuen sich über einen verspäteten oder freien Schultag.

    Ja das was du zu der Selbsständigkeit schreibst sehe ich genauso. Wenn man sie nur lassen machen würde, viele Kubaner sind sehr kreativ wie jeder weiss. Die „Berufsliste“ ist ein guter Anfang aber warum überhaupt auf einige wenige Berufe beschränken? Von den genannten muss man auch einen grossen Teil abziehen da nicht alle neu sind wie z.B. der „Feuerzugauffüller“ oder der „Parkwächter“ die neben einer Abgabe an den Staat bereits in die eigene Tasche wirtschaften dürfen. Und auf der Liste stehen auch Dinge wie: „Die Musikgruppe Los Mambises“, das Musiker Duo xy“. Die wurden einfach mit auf die Liste genommen, betrifft aber tatsächlich nur diese Musiker selbst. Was die Praxis taugt wird man sehen. Es sind auch zinsgünstige und unbürokratische Kredite notwendig, wenn man nicht gerade „Nord“verwandtschaft hat, wird es anfangs schweirig sein den fixen monatlichen Steuerbetrag zu zahlen.

  2. scheinbar ist dir doch auch nichts über ausser land gebrachtes geld der kubanischen führung bekannt, das vermutest oder unterstellst du ja „wohl“ auch nur. „etc“ meint dann ua die cdu schwarzgelder oder sind wieder lediglich die kommunisten die bösen? und wieviel rente frau honecker bekommt weiss ich nicht, lebt sie nicht bei ihrer familie dort?

  3. @kolja
    Die „Bewegung der Schweizer Konten“ bezieht sich darauf, dass in der politischen, korrupten Klasse/Elite des Landes das hinterzogene Geld wohl außer Landes gebracht wird (siehe DDR, UdSSR, Rumänien, etc. Oder glaubst du, dass Margot Honecker von der Rentenzahlung der Bundesrepublik lebt?). Das muss natürlich nicht unbedingt die Schweiz sein. Bietet sich aber an, da tummeln sich ja so einige.
    Über Yoani Sanchez Konten ist mir nichts bekannt.

  4. Ich glaube, die Menschen sind auf der ganzen Welt gleich:

    Menschen, die gutes Geld verdienen, bleiben darauf eigentlich nicht unbedingt hocken (sondern nur, wenn hohe Zinserträge locken würden).
    Sie geben es normalerweise auf dem Binnenmarkt aus – auch auf einem sozialistischen Binnenmarkt. Für das schöne Zuhause, das Auto, Friseurin, gutes Essen, die Bildung der Kinder, etc.

    Vielleicht könnte die ein oder andere kubanische Familie ihr Haus erneuern oder gar ein eigenes bauen und Handwerker beauftragen, sie könnten einen Garten anlegen, eine Nähmaschine und Stoffe kaufen, um selbst kreativ zu werden, eine kleine „Marmeladenfabrik“ fantastischer Kreationen ins laufen bringen oder man investiert in die Selbstständigkeit eines anderen. etc. (O je, es geht schon wieder mit mir durch!)

    Alles ohne Zwang oder Ideologie – ganz freiwillig machen Menschen das. Und auch gerne!!! Sie kurbeln von ganz alleine einen Markt an – da braucht der Staat kaum etwas machen. Er würde – wenn er konstruktiv mitmacht – auch gewinnen.

    Nein, dass versteht der Staat nicht. Wehe wenn die „Kinder“ was alleine machen, das macht Angst überflüssig zu werden. Keine Rollen der Super-Papas oder -Mamas mehr, die alles wissen und allen auf die Finger hauen? Wer bin ich dann noch, fragen sie sich???

    Diese Frage hat sich Fidel wohl auch gestellt. Und die Antwort, die er sich vor dem Spiegel stehend gab: ich bin Fidel Castro, der größte Redenschwinger der Welt.
    Und schwupps stand er am Revolutionsmuseum und hat es sich bestätigen lassen.

    @Raúl
    Aber wie registriert der Staat das Fernbleiben einzelner bei einer Massenveranstaltung?

  5. Ernesto, ich meinte nicht diese kommentare – damit musst du dich ja rumplagen – sondern die angekündigten veränderungen bei den privatunternehmen in kuba. noch wurde doch alles, was diese regierung macht, in diesem blog verrissen.
    und war die bloggerin nicht mal in der schweiz oder was meinst du mit den kubanischen schweizer konten in bewegung Claudia?
    auch wenns hier niemand wahr haben will, es gibt kubanerInnen, die in fidel ein vorbild sehen und hören wollen, was er zu sagen hat nicht aus aus angst „zumindest registriert“ zu werden hingehen.

  6. Absolut. Ich glaube auch, dass 2 Dinge passieren müssen damit in Kuba der wirkliche Wandel eintreten kann. Intern ist es eine Frage der Zeit und des biologischen Verfalls und extern müsste der letzte sozialistische Bruder komplett seine Macht verlieren.

    Dass der Benzinpreis steigt kommt auch seltsamerweise mit der Neuregelung zusammen, dass in Zukunft Kubaner ihre Autos vermieten können und mehr Taxilizensen vergeben werden. Das Regime schröpft jetzt richtig ab. Der Schritt mehr Selbstständigkeit zuzulassen ist 100% richtig aber der Staat wird den Erfolg ausbremsen mit zu viel Reglement und finanziellen Schranken für die Selbstständigen. Er wird den Selbstständigen ein Korsett anlegen dass ihnen nur so viel Luft zum atmen reicht damit sie mit ihrem Geschäft überleben, aber ja nicht zu viel Geld anhäufen, denn das gehört nur einer Klasse.

    Eben, am Morgen, hat Fidel am Revolutionsmuseum gesprochen und hat unglaubliche Massen mobilisieren können – ich nehme an, dass diejenigen die diesen Veranstaltungen fern bleiben zumindest registriert werden. Ich glaube Anlass war der 50 jährige Geburtstag des Verteidigungskomitees, des CDR.

  7. Chavez wird seine klebrigen Petrodollars verstärkt in das eigene Land und seine politische Zukunft stecken. Wieviel wird für Cuba bleiben? Jemand in diesem Forum sagte mal: „wenn Venezuela fällt, dann sind wir dran“. Finanziell und wirtschaftlich betrachtet in jedem Fall.
    Chavez wird Cuba keine Rückendeckung mehr geben können. Aber das ist schon lange so.
    Hinter der Entlassung von 500 000 Menschen stecken immer auch viele geplatzte Kredite und die totale Isolation auf dem internationalen Finanzmarkt. Cuba (also der Staat) ist mehr als pleite!!! Cuba hat nirgendwo mehr Kredit, sondern wohl eher einen Haufen Schulden.

    Was mich sehr interessieren würde, sind die Dinge, die hinter den Kulissen ablaufen. Die Bewegungen auf „kubanischen Schweizer Konten“ der polit. Elite, die unterirdischen Aktivitäten der politischen Gruppen – vielleicht künftigen Gewerkschaften + Parteien – auf Kuba, militärische Mobilmachung gegen die eigene Bevölkerung, die Bewaffnung in der kubanischen Bevölkerung, die heißen Telefonate zwischen Castro und Chavez, die gesteigerte, geifende Unruhe in den USA.

    Aber auch das wird irgendwann Geschichte sein. Und jemand wird ein Buch darüber schreiben.

  8. LETZTE TWEETS VON YOANI.
    Hier nochmal die inoffizielle Urlaubsvertretung …

    1) Die kubanische Presse äußert sich vorschichtig und ohne Einzelheiten über das Wahlergebnis in Venezuela.

    2) Es ist merkwürdig, dass am gleichen Tag, als das Wahlergebnis von Venezuela bekannt gebegen wurde, steigt der Preis für Öl und Benzin in Kuba.

  9. Mein lieber Kolja, Yoani Sánchez, die „Blogschreiberin“, wie du diese mutige Frau nennst, kann kein Haar in dieser Suppe finden. Dieser Blog ist auf der Insel gesperrt. Sie kann unsere Kommentare definitiv nicht lesen. Dagegen Du, als Bürger eines demokratischen Landes, kannst sehr wohl ihre kritischen Äußerungen zur kubanischen Diktatur lesen und kommentieren.

  10. da kann man ja nur hoffen, dass die compañeros deiner erträumten reichen oberschicht noch lange auf die finger klopfen. und bei den neuen privatunternehmern genau hinkucken. wundert mich eigentlich, dass die blogschreiberin noch kein haar in dieser suppe gefunden hat, na warten wirs ab.

  11. @Ricardo
    Ich habe keine Ahnung, was für eine Beziehung du zu Kuba pflegst, aber deine Gedanken sind purer Kolonialismus. Darauf reagieren wir Indios und Buschmänner aller Art sehr empfindlich.

    Du nimmst dir die Freiheit, meine Kenntnisse über mein eigenes Land (welches du als Europäer selbstverständlich besser als ich, fauler und schlecht gebildeter Kubaner, kennst) zu bestreiten. Eins für allemal: Ich kenne das Land, wo ich geboren bin und meine Familie lebt, mehr als gut. Auch das Kuba von 2010 kenne ich bestens.

    Ich resümiere deine Logik: Ein faules und noch dazu schlecht gebildetes Volk kann froh sein, dass sie überhaupt was zu fressen bekommt. Schau mal zu Haiti rüber. Das ist Eure Zukunft als faule Nichtskönner, nicht Florida!

    Ich habe auch keine Ahnung, was für Erfahrungen du mit Kubanern gemacht hast, und vor allem mit welchen Kubanern du zu tun hast. Wir sind ja alles andere als eine heterogene Nation. Ja, zum Teil sind wir leider ein faules Volk geworden (!), das nur mit dem Überleben oder mit dem Abhauen beschäftigt ist. Doch Kuba ist mehr als das Kuba von 2010 und auch mehr als das, was die Insel selbst zu bieten hat. Schließlich leben über 2 Millionen Kubaner im Ausland.

    Ich kenne sehr viele Kubaner auf der Insel, die gut ausgebildet sind und hier durchaus mithalten würden. Wenn sie eine Chance bekommen, richtiges Geld zu verdienen und so im Leben voran zu kommen, dann entwickeln eine Arbeitsmoral, die wir im Wohlstand nur selten kennen. Ich kenne viele intelligente Kubaner, die unter den Bedingungen in unserem Land frustriert und indolent geworden sind. Viele von ihnen sitzen regungslos zuhause und sehen zu wie ihre Univesitätsabschlüsse an den Wänden Staub sammeln, oder verkaufen billige Dolce&Gabbana-Nachmachungen auf der Candonga (Straßenmarkt). Ich kenne auch viele Kubaner, die im Ausland Fuß gefasst haben und mit Intelligenz und Fleiß hier gute Jobs bekommen haben. Nicht nur in Miami und in Barcelona triffst du solche Kubaner. Nein, auch in Berlin und Hamburg gibt es solche Kubaner. Kuba ist nicht nur das Land der Zigarrenverkäufern und der Jineteras. Wenn wir Kubaner diesen erbärmlichen Eindruck bei dir hinterlassen haben, dann solltest du Kuba dringend in einer anderen Dimension sehen. Lerne andere Kubaner kennen. Sie sind vielleicht weniger nett als die, die den Yumas hinterher rennen, sie sind womöglich von einer unbequemeren Sorte und nicht so niedlich naiv, aber sie können mit euch Europäer in Sachen Arbeit und Durchblick durchaus mithalten. Auch dieses kaputtes und prostituiertes Land hat Leistungsträger und an die musst du dich orientieren. Und sicherlich … aus diesem Holz wird auch neue Oberschicht Kubas geschnitzt. Und sie wird reich und schick sein, davon kannst du schon ausgehen. Was mich betrifft, ich brauche nicht durch Brandenburg zu fahren, um die Ungerechtigkeit der Verteilung nach der Wende zu spüren. Die brandenburgischen Höhen und Tiefen kenne ich mehr als es mir manchmal lieb ist. Und sie erschrecken mich nicht. Ich wusste, schon als junger Mensch, was Kapitalismus bedeutet. Blauäugig war ich nie.

    Und entschuldige für die Härte, ich musste erstmals Luft machen! Du hast mich in meinem Stolz getroffen.

  12. @Claudia
    Ich wollte deinen Kommentar noch vor dem Wochenende kommentieren, komme aber erst heute dazu. Deine Interpretation von Yoanis Artikel über das Monster Claria ist Klasse. Ich glaube zwar nicht, dass Yoani, die in Havanna lebt und das Monster ins Gesicht täglich schaut, es symbolisch gemeint hat, aber trotzdem ist deine Interpretation Klasse. Claria kann überall auftauchen und frisst alles, was sie auf dem Weg findet. Sogar unsere Träume kann sie verschlingen!

    Deine Vision vom Öko-Land Kuba kann ich nur mit Mühe nachvollziehen. Ich werde hier schon als Träumer verschrieben, aber so weit gehe ich mit meinen Träumen nicht, beim besten Willen … Für die Realisierung dieser Vision müssen die Kubaner selbst neu erfunden werden. Ich bin selbst ziemlich öko-spartanisch angehaucht und von meiner Familie und Freunden ernte ich nur Gelächter und blöde Witze. Gib mal einem Kubaner einen frisch gepressten Orangensaft und biete ihm als Alternative eine Blechdose mit dem gleichen Inhalt. Drei Mal darfst du raten, wofür er sich entscheidet. Das wird auch so bleiben in den kommenden 50 Jahren. Die Dritte Welt möchte verdammt nochmal mal Erste Welt spielen können!

    Auch dein Kommentar zum Verhalten der Kubaner in den Geschäften ist treffend. Wir brauchen Jahre, um die Angst, aus den Geschäften rausgeschmissen zu werden, zu überwinden. Wir brauchen Jahre, um unsere Wünsche klar formulieren zu können, ohne Scheu. Wenn Jemand aus meiner Familie mich in D. besucht, beobachte ich Folgendes: Du fragst „Was möchtest du essen?“ und die Antwort lautet automatisch: „Nein, nein ich habe keinen Hunger“ Du fragst „Möchtest du Cola oder Fanta trinken?“ und sie antworten: „Es ist mir egal, irgendetwas, was billiger ist.“ Du willst deinen Gast ein sauberes Glas für Bier geben oder, was weiß ich, einen anderen Teller fürs Dessert überreichen, und sie wehren sich mit Händen und Füssen: „Lass für uns reicht das, nein nein!“ Was habe ich über diese Anspruchslosigkeit meiner Landsleute in der Familie diskutiert, aber es hat keinen Zweck. Kubaner halten sich für einen Niemand, für Menschen dritter Klasse, die keine Ansprüche haben dürfen. Rede mit einer Kuh Französisch!

  13. @Roy
    Caramelos und diese einfachen Schokoladen, die wir in Kuba Peters nennen, müssten in meinem Land überall und für unsere nationale Währung zu kaufen sein. Ein Peter ist in Kuba immer noch ein Kindertraum und Caramelos gibt in den normalen Bodegas auch nicht. Normale Kinder sterben immer noch für eine Schokolade … Dulce de Guayaba (Guaven-Gelee) machen die Leute selbst und verkaufen das Zeug auf dem Schwarzen Markt. Industriell gefertigtes Dulce de Guayaba, genauso wie die Jugo de Guayaba oder de Mango, bekommst du nur in den Divisen-Läden. Uvas? Meinst du zufällig Weintrauben? Wer sprach darüber? Ich nicht. So ein Wort gehört in unseren aktiven Wortschaft lange nicht mehr.

  14. @ Ernesto

    Klar herrscht in Kuba eine mangelnde Versorgung.

    Aber keine Caramelos für Kinder?
    Mangel an Peters Schokolade aus Baracoa?
    Guaven-Gelee ist sicherlich keine Citro-Marmelade, aber ein wunderbarer Belag für Brot oder Käse.

    Früchte sind nun mal saisonale Erzeugnisse und den Luxus wie uvas aus den USA sind ökologisch auch nicht erstrebenswert.

  15. @Ricarco
    Ich finde, du solltest nicht so schnell aufhören mit dem Träumen.

    Die hochsubventionierte konventionelle Landwirtschaft ist leider ein strukturelles EU-Problem und soll die Preise stabil und weit unten halten; eines von vielen Problemen, welche uns weder als Verbraucher und als Erzeuger noch in unserer Art und Weise mit der Erde umzugehen, wirklich weiterbringen wird, sondern das Neue verlangsamt.
    Dass wir uns in dieses Dilemma gebracht haben, ist schon schlimm genug!
    Dazu noch viel Geld für Aufbewahrung und anschließende Vernichtung von Bergen von Milch, Tomaten, Butter, etc…Auch so ein großes bürokratisches Monster! Claria ist überall!…..und keine großen Subventionen für die Ökologie. Darum auch die Preisunterschiede. (Das ist auf dem Energiesektor nicht anders.)

    Ricarco: es gibt auch in der 1. Welt eine aufgeklärte Form der günstigen Bio-Ernährung – der vielleicht manchmal die großartige kulinarische Abwechslung fehlt, aber günstig und gesund ist und auch schmeckt! (ohne Verzicht auf…äh…eine neue Einbauküche.) Man muss sich nur weitgehend auf das günstige saisonale Gemüse und Obst einlassen können, einiges Wissen haben und es konsequent anwenden, d.h. kochen!

    Wie immer: bei allem hilft Bildung, Neugier, Träume und Mut!

    Warum denn eigentlich nicht träumen? Ich bin mir bewußt, dass ich einem Umfeld lebe, dass mir nicht nur träumen, sondern auch die Realisierung erlaubt. Das nehme ich gerne und reichlich an. Ohne Schuldgefühle; was auch schon mal anders war. (Meine vergangene Last einer westlichen 1. Welt-Geborenen.) Ich will auch keine neue Öko-Ideologie für Cuba erfinden. Ich weiss, dass der Aufbau Cubas in den Händen der Cubaner/innen liegt, obwohl man manchmal denken mag „….nein, nicht schon wieder die gleichen Konsumfehler…Darf ich dazu was sagen?“

    Und weißt du – manchmal träume ich eben einfach laut vor mich hin…..

  16. Gerne würde ich Deine Träume teilen, Claudia.

    Leider ist die ganze Öko-Welle ein Luxusprodukt der 1. Welt. Die Herstellung der Öko-Gemüse und Öko-Obst ist deutlich teuerer. Die Beweise sind an den Preisschildern abzulesen.

    In der 1.Welt kann man sagen „Ich verzichte auf die neue Einbauküche und will das Geld stattdesen auf Öko-Produkte ausgeben“. Diese Wahl ist in der 3.Welt nicht gegeben.

  17. Manchmal erscheinen mir die Menschen auf Cuba wie Menschen, denen immer auf die Hand geschlagen wurde, wenn sie etwas greifen und anfassen wollen.
    Hier sagt man zu Kindern oft – besonders in Geschäften – „Nein, nicht anfassen, nur gucken. Oder: man fragt erst, bevor man etwas anfasst.“
    Kriegt man es zu oft zu hören, versucht man sich erst der Zustimmung der Autorität zu versichern, bevor man etwas anfasst, „in die eigenen Hände nimmt“. Es scheint mir ein psychologisches Muster zu sein, dem nur schwer beizukommen ist.

    Aber wenn man Zeit hat an Visionen zu stricken, dann ist es in jedem Fall eine, in dem man sich vorstellt, dass Cuba vielleicht irgendwann das einzige Land der Erde sein könnte, welches selbstbestimmt kein genmanipuliertes Gemüse, Getreide und Obst herstellt, ein Land in dem der Öko- und Sporttourismus ganz vorne ist, weil die Natur sanft wieder aufgebaut wurde und genau die Menschen anziehen wird, die dies sehen, schmecken und erleben wollen. Und das werden immer mehr werden.
    Eine kleine Insel auf der Musikgrößen dieser Welt eingeladen werden und wohl gerne kommen werden, abgesehen von dem jährlichen Havanna-Marathon und anderen sportlichen Ereignissen, und eben einem Tourismus, der all dies genauso respektvoll behandelt wie die Kubaner/innen sich selbst.

    Respekt und Liebe zu sich und seiner Umwelt wird immer – auch in einer „Marktwirtschaft und Globalisierung“ – bestehen können. Und wenn nicht der pure Luxus erwartet wird, dann ist ein Volk glücklich und beschenkt die Welt. Das Herz dazu haben die Kubaner/innen allemal!!

  18. @Ernesto,
    ay was für ein Träumer du bist! Aber kennst Du wirklich Kuba des Jahres 2010?

    Du schreibst: „Die Kräfte von denen, die dort leben, und von denen, die überall auf der Welt erfolgreich arbeiten, sind gefragt“

    Sind sie nicht, leider. Kubaner können kaum Fremdsprachen, versuche mal dort Englisch auf der Strasse. Das ist Faulheit. Kubanische Abiturienten haben nie eine Wiki oder Google gesehen. Das ist die Politik der Regierung. Schlechte Regierung + faules Volk = Dritte Welt.

    „Warum lassen wir unsere Kokosnüssen auf der Erde vertrocknen?“ Weil die jungen Kubaner nach Miami, oder zumindest nach Havanna wollen, nicht el campo. Es gibt keine Hände auf dem Land.

    Du schreibst auch: „und die Übelkeiten der Konsumgesellschaft, so wie wir sie in den entwickelten Ländern kennen, werden uns nicht so schnell erreichen.“

    Die Übelkeiten sind schon da, leider. Hast du nicht in „shoping“ TV Flatscreens für 5000 CUC gesehen? Und werden sie im Kapitalismus verschwinden? Nein, der Konsumwahn wird nur noch zunehmen. Es werden noch Ferraris nach Kuba kommen. Aus der heutigen CUC-Klasse wird die neue Manager/Aktionärklasse entstehen und den Armen wird nach dem Fall des Sozialismus noch schlechter gehen. Frag mal die ehemalige polnischen Bergleute, ehemalige rumänische Obstbauern, oder fahre mal durch die Brandenburg.

  19. @Ricardo
    Dass es in Kuba keinen Hunger gibt, kann ich nicht ohne Weiteres unterschreiben. Viele Menschen in Kuba hungern ganz einfach. Der Lebensmittelkorb, den sie monatlich mit kubanischen Pesos in den Bodegas kaufen können, reicht vorne und hinten nicht, davon kann kein Mensch leben. Das kann dir auf Kuba jeder bestätigen. Und die Preise für eine „Extraration“ (für CUC) sind für die meisten Menschen auf der Insel exorbitant, es sei denn sie bekommen Hilfe aus dem Ausland. Ich habe Verwandte in Kuba denen es sehr schlecht geht. Du siehst diesen alten Menschen den Hunger im Gesicht geschrieben. Sie leben seit Jahren auf Sparflamme und das hinterlässt Spuren. Der Anblick tut einem weh.

    Du hast Recht: Kuba sei ein besseres Haiti. Zurzeit ist es wirklich so. So weit hat man dieses Land heruntergewirtschaftet! Vor der Revolution spielte Kuba in einer anderen Liga als Haiti oder die Dominikanische Republik. Heute wäre ich mir nicht mehr so sicher. Kuba kann aber nicht als eine „schlechtere DDR“ gesehen werden. Nicht mal in den goldenen 80ern konnte man Kuba mit der DDR in irgendeiner Beziehung vergleichen. Die DDR war das Paradies und wir ein Land der Dritten Welt. Heute ist dieser Vergleich schlichtweg widersinnig. Darüber will ich nicht schreiben.

    Dass Kuba nie Florida wird, wissen kluge Kubaner. Es geht uns auch nicht darum, künftig ein Florida zu werden. Vielmehr geht es uns darum, die Potenziale unseres Landes im Rahmen des Möglichen zu entfalten. Kuba kann mehr als ein rudimentäres Leben für alle zu sichern. Wir Kubaner waren immer ein tüchtiges Völkchen und dank dieser Revolution sind wir heute ein für die Dritte Welt qualifiziertes Volk. Wenn wir Kubaner als Nation es wollen, werden wir unser Land nach vorne bringen, aus diesem feudalen Land ein halbwegs modernes Land machen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten. Die Kräfte von denen, die dort leben, und von denen, die überall auf der Welt erfolgreich arbeiten, sind gefragt. Wir sollen uns bloß von Paradigmen nicht erschrecken lassen. Weder Florida noch Haiti können unsere Zukunft sein. Und die Übelkeiten der Konsumgesellschaft, so wie wir sie in den entwickelten Ländern kennen, werden uns nicht so schnell erreichen. Wir können den Kopf nicht länger in den stecken. Wir müssen ein ineffizientes und repressives System ablehnen und anfangen, unsere Heimat wieder aufzubauen. In Rahmen unserer Möglichkeiten.

    Ich möchte an dieser Stelle nicht oberflächlich werden, aber ich muss einfach ein paar wahllose Beispiele nennen, um meine Gedanken zu illustrieren. Warum kann Kuba seine Bevölkerung nicht mit einheimischen Früchten ausreichend versorgen? Warum gibt es in Kuba keine Marmelade zu kaufen? Warum lassen wir unsere Kokosnüssen auf der Erde vertrocknen? Warum gibt es in Kuba so gut wie keine Fischerei? Warum können unsere Kinder keine Bonbons essen? Warum muss in meinem Land eine Tafel Schokolade ein Luxus kosmischer Dimension sein?

    Diese Verschwendung von unseren Ressourcen müssen wir zuerst beseitigen, auch wenn der Weg, der dahin führt, schmerzhaft ist und leider ein Zickzackkurs beschreibt. Dieser Weg wird an die „Marktwirtschaft“ und „Globalisierung“ nicht vorbei führen können, leider.

  20. Ich will keine gepantschten Lebensmittel.
    Ich bin sehr zufrieden damit, mir meine Lebensmittel selbst aussuchen zu können. Ich fahre aufs Land oder der Bio-Bauer kommt zu mir auf den Wochenmarkt und ich kaufe im persönlichen Kontakt, zu fairen Preisen.
    Und wenn ich meine Küche auf saisonales Gemüse und Obst abstimme und wirklich nur das esse, was mein Körper braucht, bin ich gut versorgt – auch mit wenig Geld, dafür konsumiere ich andere Sachen weniger oder weniger oft (Handy, süsse Getränke, Süssigkeiten, etc.).
    Ich finde, dass jedes politische System eine gute Ernährungsversorgung sicher stellen kann, wenn sich nicht die Gier einschleicht bzw. ständig jemand dazwischen steht. (Ein Land wie Kuba braucht den Reis und anderes nun wirklich nicht importieren – oder hat es riesige Überschwemmungen gegeben?)

    Und darum handelt auch der Artikel von Yoani, meines Erachtens. Er schließt an den vorhergehend nahtlos an.

    Es geht um die Gier, die sich wie ein gefrässiges Fisch-Monster (= Staat, Bürokratie, Chef) entwickeln kann. Darum, dass es tagelang unerkannt – im Schlamm – bleibt, um dann zuzuschlagen; darum dass es durch die dunkle Kanalisation kriecht und auch unterirdisch tätig ist. Dass es vor keiner anderen Kreatur zurückzuschrecken scheint. Sie sogar verspeist, und um sich herum alles vernichtet. Ein Monster ohne natürlichen Feind.

    Es geht darum dass diese Gier überall ist, auch wo man sie/ihn vielleicht nicht vermutet und dass sie ein Fremdkörper ist, der Ökosysteme und die Natürlichkeit des Lebens, des Landes (zer-)stört. Claria gehört dahin, wo es natürliche Feinde hat und sich mit ihnen messen müßte – wenn man seiner habhaft werden könnte.

  21. Sojaverdrossenheit, Claria-Abneigung….
    Ernesto, bist du nicht froh, dass es in Kuba keinen Hunger gibt?

    Kuba wird nie Florida, weder im Sozialismus, noch im Kapitalismus. Heute ist Kuba ein besseres Haiti, oder ein schlechteres DDR. Leider vergleichen sich die Kubaner immer mit den USA = Zeitverschwendung.

  22. LETZTE TWEETS VON YOANI
    Hier nochmal die inoffizielle Urlaubsvertretung …

    1) Guillermo Faniñas wurde für den Sacharow-Preis nominiert. Wer, wenn nicht er, hätte das besser verdient? Ich hoffe, wir werden es feiern!
    2) Die Blogger Katja, Sonia und Ricardo wurden heute um 14.00 Uhr zur Polizeistation, Straße Infanta Ecke Amenidad, zitiert.

  23. Kubaner sind oft fischbeschädigt. Noch vor der Sonderperiode (período especial) mussten wir merkwürdige, dunkelhäutige Fische aus Russland essen, die meistens im ranzigen Öl eingelegt waren. In den Schulinternaten wurde diese Sorte Fisch täglich aufgetischt. Wir Kinder konnten nicht mehr den Geruch von diesen Dingen mit Flossen ertragen. Bei mir hat es in Deutschland Jahre gedauert, bis ein Stück Aal in den Mund nehmen könnte – Es erinnerte mich zu sehr an die russischen Fische meiner Jugend. Aber das ist lange her. Die Russen schicken uns eh keine Fische mehr.

    Nach der Perestroika (spricht während der Sonderperiode) mussten wir uns etwas einfallen lassen und so wurden diese exotischen Süßwassertiere ins Land gebracht. Ehrlich gesagt, ich kenne das Monster namens Claria nicht. Es ist nicht mehr meine Zeit und als Tourist hat man keinen Kontakt zu den einheimischen Viechern. Vor ca. 3 Jahren habe ich das erste Mal von ihrer Existenz erfahren. Eine Tante erzählte mir von diesen ekelhalfen Amphibien, die im Schlamm leben, alles, sogar Ratten, verschlingen und auf der Erde tagelang kriechen können. Meine gute Tante regte sich vor Ekel und versuchte, mir mit Händen und Füßen zu schildern, wie hässlich und unchristlich diese Kreaturen eigentlich sind. Man munkelt sogar, mit ihrem wahllosen Essverhalten übertragen sie Krankheiten, die in den Ratten vorkommen …

    Diesen Sommer hatte ich Freunde aus Kuba zu Gast. Wir kochten für ihnen ein Fischgericht, das sie nur mit großer Vorsicht aßen, und das nur nachdem, sie sich absolut sicher waren, dass auf dem Teller keine Claria, Tenca oder Tilapia lag. Sie entschuldigten sich vielmals für ihre Skepsis und erzählten, dass in Kuba keine Fischkroketten oder Kochwurst mehr essen kannst: überall können Claria oder Tenca darunter gemischt sein. Vor ca. 10 Jahren haben unsere Volksernährungsexperte angefangen, dass Hackfleisch und den Yoghurt mit Soja zu strecken. Viele konnten die Eiweißzufuhr körperlich nicht vertragen, anderen wurde es allein vom Geruch übel. Soja für Kubaner, pfui Teufel! Damals ahnte aber keiner, was wir Kubaner noch essen werden. Die Sojaverdrossenheit der Kubaner ist nichts gegen ihre Claria-Abneigung von heute. Hilft es aber nichts: Wer auf die Lebensmittelkarte oder auf die Betriebskantine angewiesen ist, hat gegen den Katzenfisch* keine Chance. Claria kann überall hinein kriechen, unerwartet auftauchen oder sich tarnen. Die zentrale Versorgung entscheidet darüber, was der Bevölkerung gut tut und was sie demzufolge zu essen hat. Lebensmittelgesetze kennen wir nicht. Diskussionen in den Medien, undenkbar. Proteste wegen manipulierten Lebensmitteln, fehl am Platze. Nur Hungerstreik gibt es bei uns hin und wieder.

    *Claria ist ein mit dem Katzenfisch verwandt und soll eine gewisse Ähnlichkeit mit ihm haben.

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