Die unerträgliche Rundung eines Golfballs*

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Wie einen Kuchen, der angeschnitten wird, bevor er überhaupt fertig gebacken ist, weitet die Regierung seit 99 Jahren die Nutzung unseres Bodens durch fremde Investoren aus. Teile dieser Nation werden in den Händen derjenigen landen, die einen ausländischen Pass vorweisen können, während die geschäftstüchtigen Kubaner gerade eben eine Pacht für landwirtschaftliche Nutzung über 10 Jahre bekommen. Die offizielle Presse spricht von „Immobiliengeschäften“, obwohl wir alle wissen, dass der Boden – unser Boden – den Kubanern nicht zur Verfügung steht, nicht einmal denen, die ein kleines Grundstück erwerben wollen, um darauf zu bauen.

Eine weitere Überraschung in diesen Tagen war die Nachricht über die Schaffung neuer Golfplätze auf der Insel. Mit dem Ziel, den hochwertigen Tourismus zu fördern, sollen Grünanlagen und gepflegte Rasenflächen eröffnet werden, die von luxuriösem Service umgeben sind. Als ich mit einer Freundin über das Erscheinen dieser Freizeitanlagen sprach, war das erste, was sie mich fragte, mit welchem Wasser sie das Grün und die Frische des Grases erhalten wollten. Sie wohnt in einem Viertel, in dem sie nur zweimal in der Woche mit Wasser versorgt werden, und die Vorstellung peinigt sie, dass Rasensprenger einen feinen Sprühregen zwischen den Holes verteilen. Meine Freundin wird sich daran gewöhnen müssen, denn die Kluft zwischen den Armen dieses Landes und denjenigen, die mit dicken Brieftaschen von außerhalb kommen, wird sich vergrößern.

Den Rest der Geschichte kann ich mir bereits denken: auf einem dieser Golfplätze zu arbeiten, wird das Privileg der Zuverlässigsten sein; um sie herum werden Männer in Anzügen und Krawatten mit befestigten Mikrofonen postiert, um darüber zu wachen, dass wir Einheimischen keinen Zutritt erhalten und… man wird sehen… auch die führenden und treuesten Parteifunktionäre werden die Chance erhalten, den Ball mit Hilfe des Schlägers ins Ziel zu bringen. So werden sie für die Zukunft trainieren, die sie sich vorstellen, wo sie mit kurzen Hosen auf einem gemähten Golfplatz stehen und wir sie von der anderen Seite des Zaunes beobachten werden.

Anm. d. Ü.
*Die Überschrift erinnert an den Buchtitel: „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ von Milan Kundera
Übersetzung: Valentina Dudinov
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6 Gedanken zu „Die unerträgliche Rundung eines Golfballs*

  1. Spanien hat sich ja von Cuba als Besatzungsmacht verabschiedet, es ist also nicht mehr für die Infrastruktur verantwortlich. Das müssen die Genossen nun selber tun.

    „auf einem dieser Golfplätze zu arbeiten, wird das Privileg der Zuverlässigsten sein; um sie herum werden Männer in Anzügen und Krawatten mit befestigten Mikrofonen postiert, um darüber zu wachen, dass wir Einheimischen keinen Zutritt erhalten und… man wird sehen… auch die führenden und treuesten Parteifunktionäre werden die Chance erhalten, den Ball mit Hilfe des Schlägers ins Ziel zu bringen.“

    Aber die dort Beschäftigten werden Lohn erhalten und diesen wiederum ausgeben. Ist das nichts?

  2. Der Mensch bleibt sich immer gleich. Diejenigen die unten sind wollen nach oben und die, die oben sind wollen das um jeden Preis verhindern. Nix Neues unterm Golfhimmel.

  3. Animal Farm war ja nie reine Fiktion, sondern ein Gleichnis auf die Realität. Deshalb gibt es das Buch sicher nicht in Cuba zu kaufen, genausowenig, wie man es in der DDR bekommen konnte. Das ist halt der normale Sozialismus, und zwar schon von Anfang an. Bei NKWD-Chef Jagoda z. B. wurden 1937 vor seiner Hinrichtung beschlagnahmt:

    * Sowjetisches Geld 22997 Rubel und 59 Kopeken, darunter ein Sparbuch über 6180 Rubel und 59 Kopeke
    * Diverse Weine 1229 Flaschen, meist ausländische Weine der Jahrgänge 1897, 1900 und 1902
    * Sammlung pornographischer Fotos: 3904 Stück
    * Pornographische Filme: 11 Stück
    * Zigaretten, verschiedene ausländische, ägyptische und türkische: 11.075 Stück
    * Herrenmäntel, meist ausländische: 21 Stück
    * Persianermäntel: 2 Stück
    * Herrenanzüge ausländischer Produktion: 22 Stück
    * Stiefel aus Chromleder und Chevreauleder: 19 Paar
    * Ausländische Damenschuhe: 31 Paar
    * Ausländische Damenhüte: 22 Stück
    * Ausländische Seidenstrümpfe bester Qualität: 130 Paar
    * Eichhörnchenfelle: 50
    * Persianerfelle: 43
    * Fischotterpelze: 5 Stück
    * Große Teppiche: 17
    * Ausländische Männerunterhemden aus Seide: 43
    * Ausländische Männeroberhemden aus Seide: 2
    * Ausländische Grammophone: 2
    * Ausländische Schallplatten: 399 Stück
    * Ausländische Handschuhe: 37 Paar
    * Ausländische Damenhandtaschen: 16
    * Ausländische Pyjamas: 17
    * Ausländische Krawatten: 34
    * Ausländische Damenschlüpfer aus Seide: 68
    * Ausländisches Angelgerät: 73 Stück
    * Feldstecher: 7
    * Verschiedene Revolver: 19
    * Jagd- und Kleinkalibergewehre: 12
    * Armeegewehre: 2
    * Alte Dolche: 10
    * Schwerter: 3
    * Goldene Uhren: 5
    * Automobil: 1
    * Fahrräder: 3
    * Sammlung von Pfeifen und Mundstücken aus Elfenbein und Bernstein, die meisten mit pornographischen Motiven: 165
    * Penis aus Gummi: 1
    * Zusammenlegbare Filmleinwand: 1
    * Filmkassetten: 120
    * Antikes Geschirr, 1008 Teile
    * Ausländische Gegenstände: (Heizer, Kühlschränke, Staubsauger, Lampen): 71
    * Ausländisches Parfüm: 95
    * Ausländische Sanitär- und Hygieneartikel (Medizin, Präservative): 115
    * Flügel, Klaviere: 3
    * Schreibmaschine: 1
    * Konterrevolutionäre, trotzkistische, faschistische Literatur: 542

  4. Genau in diese Richtung wollte ich heute kommentieren, lieber Stefan.

    Es ist nichts besonders, wenn ein armes Land dieser Welt „Biotope“ für reiche Ausländer schafft. Golfplätze in einem „Entwicklungsland“ anzulegen, ist womöglich pervers, jedoch aus der Sicht des Kapitalismus absolut legitim. Doch Kuba ist ein sozialistisches Land!

    Wir haben einen extrem hohen Preis für die Verwirklichung der Utopie „Gleichheit“ auf unserer Insel bezahlt. Dafür mussten mehr als 2 Millionen Kubaner das Land verlassen, Familien wurden zerstört und Feindschaft zwischen Havanna und Miami geschürt. Und nun werden die sozialen Unterschiede, die für den gehassten Kapitalismus typisch sind, die Krankheiten und Perversionen der Dekadenz künstlich ins Land eingeführt?

    Ist das das Land der Durchhalter? Dafür haben wir 50 Jahre lang im Ausnahmezustand gelebt, auf jede Normalität verzichtet, die Mittelklasse und die Leistungsträger des Landes ins Exil geschickt und den Rest der Kubaner zwangsproletarisiert? Dafür haben wir unsere Städte in Ruinen verwandelt und die Prostitution unserer Jugend salonfähig gemacht? Dafür haben wir unsere Meinungsfreiheit abgegeben und ein halbes Jahrhundert unter dem Stiefel einer Diktatur gelebt?

    Mein Gott, es ist wirklich wie in der „Animal Farm“ von George Orwell!

  5. wenn die sich wenigstens nicht „sozialistisch“ nennen würden- sollen sie das kind wenigstens beim namen nennen, dann erwartet auch niemend was. aber für ein „sozialistisches“ land ist es einfach eine sauerei und betrug seiner bevölkerung gegenüber!

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