Die „Rückkehr“ Fidel Castros

fifomontaje

Die Nachricht von der Rückkehr Fidel Castros ins öffentliche Leben nach vier Jahren Abwesenheit hat Phantasien und Beunruhigungen geweckt. Sein Wiedererscheinen fällt nämlich genau auf den Moment, an dem mit wachsender Verzweiflung die Reformen seines Bruders Raúl erwartet werden, dem er seit Juli 2006 alle seine Ämter vererbt hat.

Die Rückkehr berühmter Leute pflegt sich häufig zu wiederholen, sowohl im realen, als auch im fiktiven Leben, sei es Don Quijote oder Casanova, King Kong, Elvis Presley oder Juan Domingo Perón. Doch damit kommt auch oft die Enttäuschung derjenigen, die feststellen, dass all die Dinge, die verschwinden, wie die Schwalben von Bécquer* nicht wiederkehren werden, zumindest nicht so, wie wir sie in Erinnerung haben. Auch das Remake von Fidel Castro schafft nur ein blasses Bild von dem, was er war, und zeigt nur die Verzweiflung eines Menschen, der auf seiner Rückkehr beharrt.

Dieser brabbelnde Greis mit zitternden Händen hat nichts mehr zu tun mit dem kräftigen Kämpfer mit griechischem Profil, der auf dem Platz der Revolution vor einer Million Menschen, die seinen Namen im Chor riefen, Gesetze verkündete, die er mit niemandem abgesprochen hatte, Leben begnadigte, Erschießungen ankündigte oder das Recht der Revolutionäre auf Revolution ausrief. Nur wenig ist geblieben von dem Mann, der stundenlang das Fernsehprogramm füllte und ein ganzes Volk vor den Bildschirmen in Atem hielt.

Anm. d. Ü.
*Der Nebensatz bezieht sich auf ein romantisches Gedicht von Gustavo Adolfo Bécquer (spanischer Dichter, 1836-1870).
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2 Gedanken zu „Die „Rückkehr“ Fidel Castros

  1. Bin grad aus Kuba zurück: das ist mit das Beste was ich bis jetzt über Fidels Wiederauftritt gelesen und gesehen habe. Felicidades!!!

  2. Ich kenne mich im chinesischen Horoskop nicht so gut aus, aber ich glaube, das Pferd gilt dort als ein starkes Tier. Im kubanischen Volksmund kenne ich mich dagegen bestens aus. Bei uns ist das Pferd mit den stärksten Eigenschaften eines Menschen dotiert. Wenn ein Kubaner von sich behauptet „Soy el caballo“ (Ich bin ein Pferd) will er nur damit sagen, dass er einfach genial ist. Ein Pferd zu sein, bedeutet im kubanischen Jargon so viel wie klug, geschickt und stark zu sein, alles zusammen! Diese Redewendung kann man ins Deutsche mit einem Wort kaum übersetzen. Hier muss der Übersetzer beschreiben. Denn es sich hier um einen Ausdruck quasi mythologischer Natur handelt, wo ein ganzes Spektrum kollektiver Vorstellungen eines Volkes zusammen treffen.

    Wenn im Kuba meiner Kindheit vom „El Caballo“ gesprochen wurde, hat man damit nicht irgendein Pferd bzw. irgendeinen klugen oder geschickten Mann aus der Nachbarschaft gemeint, sondern DAS Pferd per Exzellenz, das einzig wahre Pferd unserer Nation: Fidel Castro Ruz, el de los huevos pelus (Fidel Castro Ruz, der mit den behaarten Eiern). Dieser etwas obszöne Satz wurde im Land meiner Kindheit zum geflügelten Wort, welches, versteht sich von selbst, nur die Bewunderer des Pferdes über die Lippen bringen konnten …

    Und da wir im Reich der kubanischen Mythologie gelandet sind, sollte ich vielleicht an dieser Stelle etwas erklären: Das Wort Caballo wird bei uns unweigerlich mit Mut assoziiert, und Mut wiederrum mit großen männlichen Genitalien, mit fetten Eiern, die noch dazu richtig schwarz behaart sein müssen.
    (Es tut mir leid für diese pornografische Abhandlung des Themas, aber das ist eben unsere Mythologie, wir haben keine andere!)

    Wenn ich diesen Artikel von Yoani lese, und dazu mir die Videos vom wiederauferstandenen Fidel in Youtube anschaue, wird mein Gemüt theologisch … Alles vergeht und wer stur das Vergehen der Natur zu ignorieren versucht, muss mit der Strafe Gottes rechnen: Er wird im Theater des Lebens lediglich als seine eigene Karikatur weiter zugelassen, damit er selbst, mit seinem lächerlichen Tun, das Bild in der Erinnerung der Menschen restlos ruinieren kann.

    Was ist von unserem Caballo nach all diesen Jahren übrig geblieben? Kaum zu glauben, dass dieser Greis im karierten Hemd und Sportjacke, mit ungepflegtem irrem Gesicht und gelben Stumpen als Zähne unser Caballo einst war. Ins Maul dieses Pferdes möchte ich allerdings nicht mehr gucken!

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