Zwischen zwei Mauern

jaiku

Endlich setze ich mich auf einen Stuhl eines Hotels, öffne den Laptop und schaue mich um. Als er mich sieht, murmelt der Sicherheitsmann ein kurzes „sie ist gerade angekommen“ in das Mikrophon, das an sein Revers geheftet ist. Dann werden einige Touristen auftauchen, während mein Finger die Maus mit höchster Geschwindigkeit betätigt, um die wenigen Minuten Zuganges zum Internet best möglichst zu nutzen. Es ist das erste Mal in zehn Tagen, dass es mir gelingt, mich in das große weltweite Spinnennetz zu stürzen. Eine Liste von Proxys hilft mir bei den zensierten Seiten. Die Titelseite von Generation Y werde ich von einem anonymen Server aus sehen, eine Brücke zu verbotenen Websites. In drei Jahren bin ich eine Spezialistin für die langsamen, behinderten und überwachten Verbindungen in den öffentlichen Cybercafes geworden. Im Blindflug verwalte ich ein Blog, gebe Tweets heraus, deren Antworten ich nicht sehen kann, führe ein Emailregister, das fast zusammengebrochen ist.

Nachdem man uns die Einschränkungen beim Zugang zum Cyberspace auferlegt hat, merken wir Kubaner, dass uns die Zensur von zwei verschiedenen Seiten in die Zange nimmt. Eine Seite besteht aus dem mangelnden politischen Willen unserer Regierung, den Massenzugang zum Netz der Netze auf dieser Insel zuzulassen. Er offenbart sich in gesperrten Blogs und Portalen und in den geradezu verbotenen Preisen für eine Stunde Herumsurfens im WWW. Die andere Seite, ebenso schmerzhaft, besteht aus den Diensten, die die Bewohner unseres Landes ausschließen mit der Rechtfertigung der anachronistischen Blockade / des Embargos. Naiv sind Leute, die glauben, dass die Begrenzung der Funktion von Jaiku, Google, Gears und Appstore für meine Landsleute irgendeine Auswirkung auf die Autoritäten meines Landes habe. Sie sollen wissen, dass die regierende Klasse zu Hause Satellitenantennen haben, Breitband, volles Internet, iPhones voller Apps, während wir, die Bürger, auf einen Bildschirm treffen, der uns sagt „dieser Service ist in Ihrem Land nicht verfügbar“.

So wie wir die Restriktionen hier im Land umgehen, so schleichen wir uns auch durch die geschlossenen Zäune derjenigen, die uns von der Außenwelt ausschließen. Für jedes Schloss, das sie uns anlegen, gibt es einen trickreichen Dietrich, der es öffnet. Nachdem ich alle Sicherheitsposten im Untergeschoß meines Wohnhauses umgangen, für eine Stunde Internet ein Drittel eines Monatsgehalts gezahlt und den alarmierten Blick in den Gesichtern des Wachpersonals des Hotels registriert habe, frustriert es mich dennoch jedes Mal wieder festzustellen, dass Revolico, Cubaencuentro, Cubanet und DesdeCuba immer noch der lang anhaltenden Dunkelheit zensierter Websites unterworfen sind. Ich gehe raus und tippe als lindernde Zauberformel eine Internetadresse ein, aber anstatt dass sie sich öffnet, erscheint die Mauer vor mir, die sie auf der anderen Seite errichtet haben.

Übers: Iris Wißmüller
1174 clicks in den letzten 24 Stunden

Advertisements

Ein Gedanke zu „Zwischen zwei Mauern

  1. Ariel Sigle Amaya. After been in Castro’s prison. Now at the hospital in Miami. Human Rights NOW for Cuba!… Please copy this sddress in yuor browser.

    —–http://www.wolfmatch.com/——-

Hinterlassen Sie uns ein Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s