Die Ära nach Marambio

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Es ist eine Woche her, dass Max Marambio, alias El Guatón, auf diese Insel kommen sollte, um vor einem Gericht auszusagen und sich zu bestimmten Themen zu äußern. Trotzdem blieb der Chef des Joint-Venture-Unternehmens lieber im Schutz seines chilenischen Heimatlandes, da er, wie kein anderer, die unberechenbaren Ergebnisse kennt, wenn man sich in die Hände der kubanischen Justiz begibt. Angeklagt wegen Bestechung, Veruntreuung, Fälschung von Bankunterlagen und Betrug hat der Mann, der früher einmal der bevorzugte Schützling des Máximo Líder war, soeben anstatt eines Schulterklopfens, einen Durchsuchungs- und Haftbefehl erhalten.

Ich vermisse Marambio, auch wenn ich ihn nicht kenne, denn mit seinem Fortgang reduzierte sich auch abrupt die Anzahl der Familien auf dieser Insel, die ein Glas Milch trinken konnten. Kaum, dass er weg war, brach der Schwarzmarkt zusammen, der sich von seinen Warenlagern nährte, und die Untergrundnetzwerke, die seine Produkte vertrieben, endeten durch Austrocknung oder durch Verdoppelung der Preise. Als der Oberstleutnant, der Manager wurde, nach Santiago de Chile flüchtete, wurde uns bewusst, welche Rolle dieser Mann – ausgebildet als ausführendes Organ der Macht – auf unseren Tischen spielte. Es ist klar, dass er dies nicht aus Nächstenliebe tat, aber immerhin hat er Abwechslung in die langweilige, lokale Produktpalette gebracht und schaffte es, dass ein Tetrapack nicht mehr als Sammlerobjekt angesehen wurde.

Marambio häufte dort sein Vermögen an, wo Kubaner normalerweise keinen einzigen Centavo investieren können: in diesen Joint-Venture-Unternehmen, die nur Ausländern offen stehen, jedoch nicht den Einheimischen. Seine persönliche Geschichte war ein Vorgeschmack darauf, was wir erleben werden, eine Prophezeiung dessen, wie die militärischen Ränge sich in Anzüge und Krawatten verwandeln werden, in Unternehmer ohne Ideologie. Auch wenn er sehr flink im Umgang mit den Waffen von gestern war, einer Kalaschnikow, den Parolen und den Marxistischen Dogmen, so werden wir ihn wegen anderer Strategien in Erinnerung behalten, nämlich seinem Umgang mit Bankkonten, dem Austausch von Gefälligkeiten und den Investitionen. Seine früheren Kameraden im revolutionären Kampf werden keine Gnade haben, wenn sie vor Gericht ihr Urteil über ihn sprechen, denn der Guatón machte ihnen Konkurrenz in ihren Geschäften und kannte außerdem zu viele geheime Geschichten über sie.

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7 Gedanken zu „Die Ära nach Marambio

  1. Fidel hat nicht nur eine feine Nase und lange Arme , sondern auch riesige behaarte Ohren, mit denen er alles hört und außerdem ausfahrbare Augen, mit denen er Nachts durch ganz Havanna umherstreunt
    und alles sehen kann. Er ist halt eben nicht nur der Máximo Lider sondern auch das Máximo Monster

  2. Ich kannte Mr. Marambio nicht, muss ich zugeben.

    Die Recherche im Internet ergab folgende Ergebnisse: Er ist chilenischer Staatsbürger. Zu Allende-Zeiten spielte er ganz oben in der Politik seines Landes. Nach den Militärpusch emigrierte er und landete letztendlich auf Kuba, wo er zuvor Agrarwissenschaften studiert hatte. In Kuba studierte er wieder und machte Karriere bei dem Militär. Am Ende gehörte zur Sondereinheit des Militärs. Sein chilenischer Pass ermöglichte ihm, Geschäfte im Ausland zu machen, hinter denen sich die kubanische Elite, spricht Familie Castro, verbarg. Er gilt heute als linker Multimilliardär, man sagt von ihm er sei ein Armer, der eben Kohle hat … In seiner Position als hohes Tier des Militärs (und gleichzeitig als Ausländer!) wurde er Manager bzw.Teilhaber des Combinado Rio Zaza in Sancti Spíritus, des größten Milchverarbeitungsbetriebes des Landes. Nach der Aufdeckung der Korruptionsskandalen in seinem Betrieb, flüchtete er nach Chile. So weit die Fakten.

    Man vermutet, Mr. Marambio ist im Besitz wichtiger Informationen über die Elite des Militärs in Kuba: Der Mann saß an der Quelle und spielte in der ersten Liga der Regierenden. Man vermutet – und das kann ich sehr gut nachvollziehen, dass der Prozess wegen Veruntreuung nur ein Vorwand darstellt, um ihn überhaupt als Person zu beseitigen. Mr. Marambio, der selbst im Inneren des Monstrums lebte und dessen Wesen kennt (Anspielung auf den berühmten Satz von José Martí: „viví en el monstruo y conozco sus entrañas“), bleibt lieber zuhause in Chile. Besser ist es auch.

    Das wäre nicht das erste Mal, dass Fidel so eine Strategie fährt. Mit so einem Prozess schlägt er mindestens drei Fliegen mit einer Klappe: der Mann und die Beweise werden endgültig gelöscht, in den eigenen Reihen wird Ordnung und Respekt vor dem Máximo Tyrann wiederhergestellt, und für das Volk wird nebenbei einen Sündenbock kreiert, der die Misswirtschaft des Landes zu verantworten hat.

    In der Vergangenheit wurden immer diese Prozesse medial inszeniert, daraus wurde ein richtiges Spektakel für den Pöbel gemacht, welches statt der Telenovela, in der besten Sendezeit des kubanischen Fernsehens, ausgestrahlt wurde.

    Fidel hat eine feine Nase, die ihm immer rechtzeitig verrät, wenn es wieder so weit ist: Wenn das Militär Überhand nimmt und er spürt, da formiert sich eine für ihn gefährliche Gruppierung, wenn dazu die Unzufriedenheit der einfachen Menschen mit ihrem Leben das Maß des Normalen übersteigt, dann ist es so weit … Dann muss er Klarschiff in der eigenen Reihen machen, Köpfe rollen lassen und diese dem hungrigen Volk als Trophäe zeigen. Dann ist er wieder der Gute, der nichts davon wusste.

    Ich denke, so einen historischen Moment lebt Kuba zurzeit. Fidels Nase funktioniert wohl wieder!
    Sein Pech ist nur, dass diesmal sein Opfer ein Ausländer ist, der als solche versteckt sich lieber im Ausland. Doch Fidels Arme sind lang. Abwarten.

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