Verboten, aber möglich

fumadores

Der Qualm haftet auf meiner Haut, an meiner Kleidung und die ganze Nacht werde ich den Geruch nach Tabak an mir haben, obwohl ich eine der erwachsenen Kubaner bin, die nie geraucht haben. In der kurzen Zeit hat der Mann am Nebentisch anderthalb mitgebrachte Schachteln „Hollywood“ geraucht, eine leere Bierdose dient ihm als Aschenbecher. An der Wand zeigt ein Hinweis eine mit einer roten Linie durchgestrichene Zigarette und der weiße Hintergrund des Aushangs ist fleckig vom Nikotin. Es lässt sich nicht ändern, ich bin eine Passivraucherin, obwohl in meinem Land im Jahr 2005 eine Verordnung in Kraft getreten ist, die meine Lungen schützen sollte.

Ich habe den ersten gemeinsamen „Zug“ unbeschadet hinter mich gebracht, den die Jugendlichen im Kreis sitzend probieren, um zu beweisen, wie erwachsen sie schon sind. Allerdings wurden 32% meiner Landsleute von diesem jugendlichen Unfug abhängig und geben heute einen großen Teil ihrer persönlichen finanziellen Mittel dafür aus, Creollos, Populares oder H. Upmann zu kaufen. Es handelt sich um eine der höchsten Zahlen der Region, vielleicht vergleichbar mit den hohen Zahlen des Alkoholismus, die offiziell nicht bekannt gegeben werden. Obwohl die Hälfte der Haushalte auf der Insel dem Qualm ausgesetzt ist, sind wir in unserem Haus ein Ex-Raucher, ein Jugendlicher, der sich noch nicht dafür zu interessieren scheint, und diese Haushälterin, die die Zigarettenschachteln ins Wasser tauchte, um ihren Vater von diesem Laster abzubringen.

Die Resolution zum Schutz für uns Nichtraucher ist streng und überaus modern, doch in der Praxis schaffte sie es kaum, ein paar Wochen zu funktionieren. Ich kenne niemanden, der dafür bestraft wurde, dass er an einem öffentlichen Ort oder im Nahverkehr die Antiraucher-Regel gebrochen hat, und in der Nähe der Grund- und Sekundarschulen verkauft man weiterhin Zigaretten verschiedener Marken. Ungeachtet meiner Abstinenz wurde bei mir vor ein paar Monaten ein Lungenemphysem diagnostiziert, und der Arzt zwinkerte mir zu, während er sagte: „Du rauchst, oder?“. Ich hatte Lust, mir ein Dutzend der stärksten Zigarren zu kaufen, lange daran zu ziehen und den Qualm auf das klamme Papier eines Gesetztes zu pusten, das nicht erfüllt wird, den Rauch denen ins Gesicht zu blasen , die aus diesem Regelwerk nichts als wertloses Papier gemacht haben. Aber ich weiß nicht so recht…, ich ahne schon, dass ich dann, wenn ich es tatsächlich täte, einen der wenigen Strafzettel bekäme, die in diesen fünf Jahren ausgeteilt wurden.

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Ein Gedanke zu „Verboten, aber möglich

  1. Zuerst dachte ich: ach ja Sommerzeit – saure Gurkenzeit. Tabak- und Alkoholprobleme – kennt doch die ganze Welt.

    Scheint aber so als ob auch da wieder eine saubere, ordentliche und gesunde Fassade erzeugt werden soll – und dahinter befindet sich haufenweise Giftmüll. Neben dem legalen Drogenkonsum von Tabak und Alkohol, gibt es wohl auch auf Cuba ein Drogenproblem in ganz anderen Kategorien. (Obwohl es mit Androhung der Todesstrafe „in den Griff bekommen werden soll“). Mich würde dieses Drogenthema (Medikamentenmissbrauch, Ecstasy, Amphetamine, etc.) und dessen Ausmaß sehr interessieren. Kann man sich Prostitution und Zuhälterei wirklich ohne Drogeneinfluss vorstellen?

    Und dann noch die Frage, wie das ganze Zeug auf diese Insel kommt? Unterirdische Schleichwege aus Kolumbien und Mexico? Oder werden doch Türen aufgehalten, von denen niemand etwas wissen darf.

    Yoani schildert – aber das kennt auch jedes andere Land der Welt – die Spitze eines Eisberges, der insbesondere dann ein Problem werden könnte, wenn das System plötzlich in sich zusammenbricht und ein Machtvakkum von niederen Interessen gefüllt werden kann.

    Ich kann den Cubanern nur wünschen, dass eine Änderung im System in der Amtszeit von Präsident Obama erfolgt. Das wäre dann schon ein großes Glück.

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