Die Kunst des Zusammenlebens

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Gestern war der Tag der Landstraße. Zwei Stunden bis nach Pinar del Río und nachts zurück auf der Asphaltstraße, die diese Stadt von dem lärmenden Havanna trennt. Der Wind, der durchs Autofenster hereinkommt und aus meinen Haaren ein Gestrüpp macht. Die Erschütterung im Nacken, jedes Mal wenn das Auto ein Schlagloch trifft, und der Schreck, den die dunkle und nasse Autobahn, die durch Kontrollpunkte der Polizei gesprenkelt ist, einem einjagt. Aber das waren nur vorübergehende Belästigungen, die vergessen sind, sobald ich an den Innenhof von Karina denke voller Mitglieder und Freunde der Zeitschrift Convivencia (Zusammenleben). Gestern Abend wurden die Ergebnisse des Wettbewerbs, der von dieser Publikation organisiert worden ist, veröffentlicht. Dabei wurden Werke aus der Kategorie Essay, audiovisuelles Drehbuch, Dichtung, Erzählung und Fotographie ausgezeichnet.
Reinaldo und ich waren Teil der Jury neben Ángel Santiesteban, Maikel Iglesias und Orlando Luis Pardo. Am Nachmittag beratschlagten wir uns über die Texte und Bilder, die wir jeder für sich über Wochen bewertet hatten und von denen einige unter der griechischen Mythologie entlehnten Pseudonymen daherkamen. Beim Öffnen der Umschläge mit den wirklichen Namen der Wettbewerbsteilnehmer freute es uns zu erfahren, dass unter den Gewinnern nicht nur bekannte, sondern auch junge Autoren waren, die zum ersten Mal ihre Arbeiten zu einem Wettbewerb geschickt hatten. Ungefähr um neun wurden die Gewinner in dem einzigen Teil des Innenhofs bekannt gegeben, den das Wohngesetz der Familie von Karina nicht weggenommen hat. Gegenüber der Mauer, die von der Eingreiftruppe schon vor Monaten errichtet worden war, erklangen Sätze, wie Meißel und Bohrer, die jede Mauer durchdringen. Für einige Stunden war es, als ob die hässliche Mauer aus Backsteinen und Zinkplatten nicht da wäre, als ob wir sie durch Worte eingerissen hätten.
Die Gewinner des Wettbewerbs Convivencia:
Der Preis für das beste Buch mit Erzählungen ging an Francis Sánchez Rodríguez für “La salida” (Der Ausgang).
Der Preis für den besten Essay ging an Dimas Castellanos Martí für “Utopía, retos y dificultades en la Cuba de hoy” (Utopie, Herausforderungen und Schwierigkeiten im Kuba von heute).

Der Preis für den besten Gedichtband ging an Pedro Lázaro Martínez Martínez für “Esto no es un arte poética…” (Das ist keine Dichtkunst).
Der Preis für das beste Film-Drehbuch ging an Henry Constantin Ferreiro für “Cuando termina el otro mundo” (Wenn die andere Welt zu Ende geht).
Der Preis für das beste dreiteilige Foto ging an Ángel Martínez Capote für “Impotencia” (Machtlosigkeit).

Übers: Iris Wißmüller
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