Die langen Arme

performance

Mit der Blogosphäre passiert das gleiche wie mit anderen Phänomenen unserer Realität: man versucht uns zu trennen und auseinander zu treiben, dadurch dass man uns dort „regierungsnah“, hier „Söldner“ als Beinamen anzuhängen versucht, ohne sich darüber klar zu sein, dass sich damit der gemeinsame Nenner, der uns alle eint, nicht aus der Welt schaffen lässt: die Lust, sich mitzuteilen. Ich träume von dem Moment, in dem Elaine Díaz in der Bloggerakademie Unterricht geben kann, ohne deshalb ihren Job zu verlieren. Ich träume davon, dass Claudia Cadelo ein Seminar über Twitter in der journalistischen Fakultät gibt, ohne einer organisierten Beschimpfung ausgesetzt zu sein. Ich stelle mir eine Diskussionsrunde vor, die unabhängige Journalisten zusammen mit jenen Mitgliedern der staatlichen Medien veranstalten könnten. Voraussetzung wäre allerdings, dass die Existenz ersterer anerkannt und eine solche Geste für letztere nicht die Entlassung bedeuten würde.

Können Sie sich vorstellen, dass Esteban Morales, der Akademiker, der vor einigen Wochen einen Artikel gegen die Korruption schrieb, mit Oscar Espinosa Chepe darüber diskutiert, wie man eine Lösung für die katastrophale wirtschaftliche Lage Kubas finden könnte? Stellen Sie sich einen Augenblick vor, wie Alfredo Guevara selbst, der eine Konferenz vor Universitätsstudenten hielt, auf einem Diskussionspodium neben Rafael Rojas oder Emilio Ichikawa sitzt. Ich gehe noch weiter und setze Ricardo Alarcón wieder dem jungen Eliécer Ávila gegenüber, um zu hören, welche Fort- oder Rückschritte die Nation seit jenem Tag im Januar 2008 gemacht hat, als beide mit einander redeten. All dies – und jetzt falle ich endgültig ins Delirium – untermalt mit einem Thema von Pablo Milanés und einer Folkloremusik, interpretiert von der warmen Stimme von Albita Rodríguez.

Sie werden mich für eine Träumerin halten, aber ich fühle, dass dieses Stück Land, das wir bewohnen, so viele Aufteilungen nicht verträgt. Raster, Zäune, Parzellen und Fraktionen haben schließlich Raum und Zeit, die uns allen gehören, bestimmt und markiert. Ich weiß nicht, was die anderen erwarten, aber wenigsten Yoani Sánchez hält den Kaffee warm und den Tisch gedeckt, um dieses Gespräch einzuleiten, das irgendwo anfangen muss.

Übers. Iris Wißmüller, iris.wissmueller@gmx.de
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