Die Kulisse der Unterwerfung

Zum Video:
Die Frau, offensichtlich eine ehemalige Inhaftierte eines Frauengefängnisses auf Kuba, erzählt von einer Mitgefangenen. Diese sei zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt worden, nur weil sie Einkaufstaschen aus Plastik schwarz verkauft habe. Die Mutter von zwei Kindern habe die furchtbare Situation im Gefängnis nicht ausgehalten und sich die Pulsadern aufgeschnitten. Halbtot sei sie in eine Einzelzelle geschleppt worden, wo sie sich noch zusätzlich in die Brust gestochen habe und gestorben sei.

Für Dania Virgen García

Die Kulisse der Unterwerfung war einst ein altes Gefängnis mit dicken Mauern, etwa in der Form der Festung La Cabaña an der Bucht von Havanna, ein Gefängnis, das früher eine Kaserne war. Die Soldaten leiden nämlich unter ähnlichen Einschränkungen wie die Gefangenen, sie können sich ebenso wenig wie freie Wesen benehmen. Beide sind mit einer Fußfessel angekettet, mag diese nun aus einer strafrechtlichen Sanktion bestehen oder aus der Macht ihrer Unteroffiziere und Kommandeure. José Martí schrieb „General, man gründet nicht ein Volk so, wie man ein Feldlager führt“, doch genauso gut hätte er den Vergleich mit einem Gefängnis ziehen können, wo der Bürger von der Gnade seiner Wärter abhängig ist und im Schatten ihrer Wachhunde leben muss.
Nun haben auch wir moderne Gefängnisse, sie sehen zwar wie Internate auf dem Lande aus, aber in ihren Methoden der Unterwerfung sind sie genauso archaisch. Sie haben keine dicken Gitterstäbe, wohl aber Leutnants, die das Selbstwertgefühl herabsetzen, Ärzte, die nicht da sind, wenn man sie braucht, und den Druck einer Doktrin, nach der dem Schuldigen zur Last gelegt wird, dass er sich nicht zu einem „Neuen Menschen“ formen ließ. In vielen kubanischen Gefängnissen versucht man, dem Menschen die Selbstachtung zu nehmen. So müssen sie mit ihren Exkrementen und denen ihrer Zellengenossen leben. Im Frauengefängnis im Manto Negro, zum Beispiel, sind die Wände befleckt mit Tränen, Blut, anderen Körperflüssigkeiten und Speichel; und es gibt auch Namen und Daten, Zaubersprüche, Drohungen und Versprechungen.
Die Ziegelsteine des einen, wie des anderen Gefängnisses -des alten wie des modernen- sind so angeordnet, dass die Freiheit nicht durch sie hindurchsickern kann, dass kein Quäntchen Optimismus durch einen Spalt Einlass findet. Die Erbauer haben sie aufgrund ihrer eigenen Phobien errichtet, und dabei alles potenziert, was ihnen selbst Angst machen würde. Das Elend eines Gefängnisses ist das pervertierte Gesicht der Gerechtigkeit, und die Leute, die in unserem Land gewisse düstere Gefängnisse gebaut haben und sie unterhalten, bekennen dadurch, dass sie das menschliche Wesen fürchten.

2 Gedanken zu „Die Kulisse der Unterwerfung

  1. Also wenn ich das im Video richtig verstanden habe wurde die Frau von der hier gesprochen wird nicht zu 10 Jahren sondern zu 10 Monaten Gefängniss verurteilt. Dies ist ohnehin tragisch genug, um so mehr als dass dies letztendlich zum Tod der Frau geführt hat. Was soll man dazu sagen?

  2. Wegen illegalen Verkauf von Plastiktaschen zu 10 Jahren Gefängniss verurteilt zu werden ist schon Irrsinn genug.
    Dabei hält sich ein ganzes Volk durch derartige Geschäfte am Überleben und das System kann doch nicht das ganze Volk einsperren (Abgesehen davon das aus Kuba ein Gefängniss gemacht wurde).
    Demzufolge handelt es sich bei allen Betroffenen um Solche denen ein Exempel statuiert werden soll.Sie waren einfach zur falschen Zeit am falschen Ort.

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