„Wahlen, wozu?“*

pionerita
Foto: Zeit des Glaubens, der Zustimmung und der Betreuung von Wahlurnen

Welch weiten Weg habe ich zurückgelegt, angefangen von der Pionierin, die sich um Wahlurnen kümmerte, bis zur Erwachsenen mit mehreren Jahren der Wahlenthaltung hinter sich. Meine Schwester und ich gingen in unseren Schuluniformen an den Wahlsonntagen hin, um jedes Mal martialisch zu grüßen, wenn jemand den Wahlzettel in den Schlitz schob. Ich erinnere mich an mindestens drei Gründe für meine Teilnahme an jenen Wahlen: wir glaubten noch daran, dass die Macht des Volkes eine Macht war; es war nicht möglich, „nein“ zu sagen, wenn die Lehrerin mit all ihrer Autorität uns dazu aufrief und außerdem wurde an diesen Tagen ein sehr leckeres Käsebrötchen verteilt. Ich versäumte wirklich keinen einzigen dieser Tage, da sie uns mitten in der so strengen Nahrungsrationierung auch einen Fruchtsaft im wachsbeschichteten Becher gaben, den man sonst nie zu probieren bekam.

Mit dem Eintritt der Neunziger Jahre wuchsen viele von uns kindlichen „Wächtern“ der Wahlen zu Jugendlichen heran, die Wahlzettel durch Sätze mit Ausrufungszeichen ungültig machten. Ich erinnere mich noch daran, als ich das erste Mal den Holzkasten betrat, entschlossen das Stück Papier dort zu beschmieren, wo wir unser Kreuz bei „alle wählen“ setzen sollten. Eine Nachbarin warnte mich, ich solle bloß nicht auf die Idee kommen, eine politische Parole zu schreiben, anstatt ein fügsames Kreuz neben die Namen zu setzen, da jeder Wahlzettel eine Identifikationsnummer habe. „Sie werden wissen, dass du es warst“, versicherte sie mir und führte zur Bestätigung einige Geschichten von Leuten an, die gemaßregelt wurden, weil sie etwas Ähnliches getan hatten. Aber es gibt bestimmte Momente im Leben, da spielen Schelte oder Strafe keine Rolle mehr.

Später stellte ich fest, als ich die Zahl der Freunde und Angehörigen, die ihre Wahlzettel ungültig gemacht hatten, zusammenrechnete, dass sie proportional nicht mit den Ziffern im Einklang standen, die im Fernsehen bekannt gegeben wurden. Entweder die Leute logen, die behauptet hatten, ein Graffiti anstelle ihrer Zustimmung abgegeben zu haben, oder die offiziellen Statistiken stimmten nicht mit der Wirklichkeit überein. So wechselte ich zur zweiten Phase der Verdrossenheit, und ich übernahm die Position von Leuten, die das Vertrauen in das Wahlverfahren für einen Kandidaten der Volksversammlung total verloren hatten. Daher kommt es, dass ich jetzt an Wahlsonntagen zu Hause bleibe. Ich weiß nicht, ob sie immer noch Käsebrötchen an die Kinder verteilen, die die Wahlurnen bewachen, aber ich weiß, dass man sie an die Türen der Säumigen klopfen lässt mit der Aufforderung, zur Wahl zu gehen. Vielleicht – wenn alles so bleibt- werden einige von ihnen, 16 Jahre alt, den Rotstift nehmen, um ihren Wahlschein zu bekritzeln, oder sie werden sich -genau wie ich- der Stimmenthaltung als Form des Protestes bedienen.

* Ein Ausspruch Fidels im ersten Jahr der Revolution, mit dem er auf die Forderung nach Präsidentenwahlen im Land reagierte.

Übersetzung: Iris Wißmüller, iris.wissmueller@gmx.de

Advertisements

13 Gedanken zu „„Wahlen, wozu?“*

  1. @Karl Eduard
    Du sprichst mir aus der Seele. Ich habe 30 Jahre im Sozialismus gelebt und auch unter keiner Repression erlitten. Alles andere wäre gelogen. Weder die Repression noch die Mangelwirtschaft waren der Grund für meine Ausreise.
    Auch ich glaubte eine Weile an die Überlegenheit dieses Systems, auf meine Art zu glauben … Als junger Mensch verteidigte ich mit Worten den Sozialismus, auf meiner Art, etwas zu verteidigen … Ich war zufrieden mit dem, was ich hatte. Wahrscheinlich weil ich von Natur aus zur spartanischen Lebensführung tendiere und bin der Überzeugung, Genügsamkeit gehört ganz einfach zur Kultur. Aber ich war nie ein Fundamentalist, und das Reflektieren habe ich mir nie von den Kommunisten verbieten lassen.
    Ich wuchs in einer liebenswerten Familie, die allerdings ideologisch sehr gespaltet war. Mein Vater hat in dieser Revolution, von vorne an, mitgemacht und teileweise relativ oben mitgespielt. Er war und ist ein außerordentlich intelligenter Mann, mit viel Bildung und auch mit viel Leidenschaft! Er war Kommunist, aber kein Fundamentalist. Heute hat er den Mut, die Niederlage des Projektes seiner Jugend, seines Lebens zu akzeptieren.
    Meine Mutter hat den Kommunismus ihres Mannes nie gemocht. Sie bleib Mutter und Hausfrau, und hielt Abstand, so gut sie es konnte, vom politischen Geschehen der Straßen. Meine Lieblingstante dagegen, die einen großen Einfluss auf mich gehabt hat, war nur kurzweilig ein Fan von Fidel. Das muss um 1959 gewesen sein … Sei glaubte an ihn höchstens 6 Monate, danach lernte sie ihn hassen, mit aller Konsequenz ihrer Jungend. Sie blieb in Kuba aus Prinzip, wurde alt im Kommunismus, aber ließ sich nicht den Mund verbieten. Sie hatte auch nichts zu verlieren, denn sie ging nie arbeiten bei IHNEN und war nie Mitglied einer sozialistischen Organisation.
    Ich wuchs zwischen Vater und Tante. Jeder von Ihnen war ein vehementer Vertreter seiner Wahrheit, und ich liebte sie beide. Es gab in meiner Familie kein Familienzusammentreff, der nicht in eine politische Diskussion mündete. Jedesmal flogen die Fetzen in der Luft, zwischen Tante und Vater, und ich dazwischen … Das ist heute auch so, obwohl die Alten nicht mehr so heftig gestikulieren und ihre Stimme heben können. Also, aus mir hätte kein Fundamentalist werden können und das ist gut so. Auf meine Familie bin ich stolz, auf meinen Vater wie auf meine Tante.
    Was mir massiv im Sozialismus gestört hat – und das ist eigentlich das, was ich zu deinem Kommentar schreiben wollte – ist, dass man von mir nur ein klares und lautes JA erwartete. Kein Zweifel, kein „Na ja“, keine Reflexion, keine Relativierung, sondern immer nur ein deutliches JA und noch dazu eine eindeutige Benennung und Verteuflung des Feindes. Dieses Schwarzweiß-Malerei des Sozialismus, diese Simplizität, diese kindliche Vereinfachung der Welt, dieses fehlende Verständnis für Feinheiten, diese ständige Aufforderung auf Fundamentalismus, dieser allgegenwärtige Zwang, in ihren militärischen Übungen oder Demos teilzunehmen, in ihrer Volksverhetzungen mit zu machen, das alles hat mir die Luft zum Atmen genommen. Ich wurde Krank, ich konnte es nicht mehr ertragen. Ich glaube, das ist der wahre Grund, warum ich aus Kuba ausgewandert bin.

  2. @Ernesto

    Ich wollte, der Wunsch Ihrer Schwester würde öfter in Erfüllung gehen. Ich habe im Sozialismus wirklich nichts auszustehen gehabt, wurde weder verfolgt noch sonst bedrängt, mit den Versorgungsengpässen haben wir uns arrangiert, die Luft- und Wasserverschmutzung als großartigen Beweis für den sozialistischen Aufbau hingenommen, die Reden und Rituale waren langweilig und immer gab es den imperialistischen Klassenfeind, der bereit war, uns unsere Mangelwirtschaft wegzunehmen.

    Aber im Vergleich der Systeme schneidet der Sozialismus überaus schlecht ab, schon weil die Luft hier viel freier ist und man Sachen denken und aussprechen kann, die man sich vorher von vornherein verboten hätte. Die Freiheit der Rede und Gedanken, wenn auch schon bedroht, ist etwas, was man sich vorher gar nicht vorstellen konnte. Und das ist etwas, was der Sozialismus nie zulässt und ich an dieser Demokratie so schätze.

  3. @sabbi
    Du hast Recht: die Macht des Geldes hat längst im Sozialismus Einzug gefunden. In Kuba herrscht ein Materialismus, der noch platter, dümmer und grotesker ist, als das, was wir hier im Kapitalismus kennen.
    Die Macht des Geldes ist dort im Alltag deutlich spürbar, und zwar in jeder Hinsicht und in jeder Angelegenheit. Selbst die allerheilige Gesundheit ist keine Ausnahme mehr. Medikamente, sogar einfache Medikamente, kannst du nur über Beziehungen besorgen, und Beziehungen müssen bekanntlich gepflegt werden, leider auch in materieller Hinsicht … Ärzte, gute Ärzte, sind alle in Venezuela oder in Afrika. In den Krankenhäusern laufen nur Medizinstudenten rum. Wenn du wirklich einen Arzt, einen Spezialist brauchst, dann musst du über jemanden, der jemand kennt, an den Arzt, der wirklich ein Arzt ist, ranzukommen. Und der Arzt erwartet natürlich eine Aufmerksamkeit von dir, die wiederrum Geld kostet und Besorgungskünste von dir verlangt. Wenn du alle diese Hürden bewältigt hast, dann sagt dir der Arzt, der wirklich ein Arzt ist, mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit: du brauchst ein Medikament, dass nur im Ausland zu bekommen ist, hast du keine Verwandte im Ausland, die dir es schicken könnten?
    Das ist die wahre, unendliche Geschichte auf Kuba. Sie wiederholt sich täglich im meinem Land, welches eigentlich eine Medizinische Weltmacht (Potencia médica) darstellen möchte. Diese Geschichte habe ich so oft bei Freunden und Verwandten erlebt! Und natürlich besorge ich das Heilmittel für meine Tante X und für Onkel Y … Sonst sterben sie mir alle von lauter Verzweiflung, quasi nach dem Heilmittel bettelnd, in die Luft nach ihm greifend …
    So eine Medikament-Empfehlung eines Arztes, der wirklich ein Arzt ist, finde ich einfach verantwortungslos.

  4. Ich habe ebenfalls beide Seiten erlebt, tauschen möchte ich nicht mehr!
    Was der Sozialismus in der DDR zB. für Familien ermöglicht hat, war lobenswert.
    Aber letzten Endes, wie heute auf Kuba, unbezahlbar!
    Die Nachteile überwogen aber bei weitem. Sei es die freie Meinungsäußerung, die Reisefreiheit, die Möglichkeit eine eigene Firma zu gründen(ohne gleich als Kapitalist abgestempelt zu werden).Die Liste könnte man beliebig verlängern!
    Heutzutage regiert Geld nun einmal die Welt, (im Sozialismus übrigens genauso wie im Kapitalismus)ob wir es wahr habe wollen oder nicht! Seht euch die Nickelminen auf Kuba an.bzw die nähere Umgebung!!! Gesundheit der Bevölkerung ade,Umweltschutz ade, Dollars? Jaaa!
    Wer den Sozialismus nicht mit all seinen falschen Parolen und Versprechungen erlebt hat, kann sich schwer vorstellen was man da so alles erleben kann!
    Heute lebe ich besser als damals, auch wenn ich viele andere Meinungen aus meinem Umfeld höre! Aber das sind eigenartigerweise dieselben, die auch schon zu „Ostzeiten“ gejammert haben!

    Und Konsumrausch kann nur entstehen, wenn auch das Geld dafür da ist.

  5. @Karl Eduard
    Meine Schwester, die auf Kuba lebt und ab und zu mich in Deutschland besucht, wird richtig aggressiv, wenn ein Westler IHR versucht, die Vorteile des Sozialismus zu verkaufen und gleichzeitig, sie vor den Grausamkeiten des Konsums zu warnen. Einmal waren wir im KaDeWe „gucken“ und 2 Mexikanerinnen kamen ins Gespräch mit uns. Sie fingen an, sich den Sozialismus zu loben, und diesen Überfluss hier für ekelhaft zu halten. Dabei waren die Damen nicht so sehr abgeneigt, ein paar Schnäppchen im KaDeWe zu machen…
    Meine sonst so liebenswerte Schwester wurde rot vor Wut, fing an Gift zu produzieren und platzte: „Sie haben nicht die Moral, über den Sozialismus zu urteilen“ – hat sie kurz und präzise, wie sie ist, den beiden Damen gesagt.
    Normalerweise mach man in unserem Kulturkreis solche Bemerkungen nicht, man ist diplomatischer, man vermeidet die Konfrontation. Weder ich noch die mexikanischen Damen wussten, wie es weiter gehen soll. Uns war es peinlich. Und es war meine Schwester wieder, die die Situation „rettete“: Fahren Sie nach Kuba und bleiben sie dort ein Jahr ohne Dollars, arbeiten sie wie Kubaner, essen sie wie Kubaner, kleiden Sie sich wie Kubaner, nur ein Jahr! Als ausländische Bürger kommen Sie wieder raus … Die Damen lächelten freundlich, fügten hinzu, sie sein zu alt dafür und hätten Familien in Mexiko zu versorgen, lächelten wieder und verabschiedeten sich.

  6. @Ernesto

    So ist es. Ich kann das Gejammer in westlichen Demokratien nicht nachvollziehen, „der Konsum diktiert unser Leben“. Ich wünschte dann, diese Leute hätten bewußt über lange Zeit in einem sozialistischen Staat leben sollen, um überhaupt einmal die Vielfalt des Konsums schätzen zu lernen, die Möglichkeiten, zu kaufen, was das Herz begehrt, wenn das Geld dazu da ist. Und die Freiheit, seine Meinung laut zu äussern, über die gesellschaftlichen Verhältnisse. Ohne, daß der Zensor im Kopf von vornherein sagt, daß man das besser nicht ausspricht.

  7. @Karl Eduard
    Dass der Konsum unsere Diktatur ist, finde ich auch übertreiben. Einige von uns – ich zähle entscheidend nicht dazu – sind Sklaven des Konsums geworden. Mann muss sich aber nicht unbedingt zum Sklaven machen lassen, man kann sich dagegen währen, eigene Werte pflegen, Kultur trotzdem kultivieren, von der Masse Abstand halten.
    Ich bin kein Freund der oberflächigen Konsumgesellschaft, Spaß und Fun sind für mich Fremdworte. Ich liebe Freude und hasse Spaß. Und ich finde in Deutschland immer wieder Bereiche, wo ich mich mit meinen Ansichten verkriechen und nach meinem Fasson genießen kann. Ich werde hier von RTL, VOX oder Dieter Bohlen nicht gezwungen, ihre Unkultur zu konsumieren, ihre Sprüche nachzuplappern und vor allem – und das ist wichtig! – mich zwingt keiner, das gut zu heißen, das Affentheater zu verherrlichen, zu applaudieren und jubeln, obwohl ich keine Lust dazu hätte …
    In Deutschland habe ich die Chance, das Affentheater der Massen zu ignorieren und in meiner Seifenblase weiter zu leben. In der Diktatur eines Polizeistaates wie Kuba hast du kein Entkommen, es sei denn, du verzichtest völlig auf Anerkennung, an Chancen, an Karriere und findest du dich mit dem Schicksal des Dissidenten ab. Weil ich so bin wie ich bin, weil ich Bohlen nicht ausstehen kann, weil ich ARTE am liebsten gucke und nur Deutschlandradio Kultur im Auto höre, bin ich lange kein Dissident in diesem Land, nur vielleicht ein komischer Vogel … Und man lässt mich fliegen.
    Wer sagt: Diktatur des Proletariats oder des Konsums, Jacke wie Hose, der hat nie in einer Diktatur gelebt, hat selbst Sklavenseele oder ist unglaublich vergesslich …

  8. @Martin Sanchez

    „Unsere Diktatur ist der Konsum, von der gibt es aber keine Befreiung“

    Blödsinn. Niemand wird bei uns eingesperrt, weil er nicht den neuesten I-Pod hat oder keinen Kredit aufnimmt, um sich ein Haus zu kaufen. Jeder darf sich ganz individuell verweigern, ohne daß er vom Geheimdienst überwacht wird.

  9. Lieber Martin Sánchez, ich gebe dir überwiegend Recht. Ich bin auch keiner, der die kapitalistische Demokratie vergöttern möchte, und ich weiß sehr wohl, dass wir im Westen in einer Diktatur des Konsums leben, die allerdings uns die Freiheit zu konsumieren einräumt, oder dich vom Konsum zu fern zu halten und als Aussteiger in Ruhe weiter leben. Das ist andererseits der Sarkasmus des Kapitalismus: das System setzt voraus, dass wir uns frei fühlen, dass wir Entscheidungen treffen können. Und einige von uns nehmen ihm dieses „Freiheitgefühl“ für wahre Münze.
    Doch ich habe es satt, dass Kuba immer und immer wieder mit anderen Ländern verglichen wird, wo den Menschen noch schlechter gehen soll. Es heißt jedes Mal, ja ja, aber schau nach Afrika, nach Lateinamerika oder schau, was die Industrienationen mit uns allen machen …
    Warum kann man über die Sache an sich nicht reden, ohne gleich eine Abweichungsmanöver zu unternehmen? Ich als Kubaner klage, weil in meinem Land seit 50 Jahre eine Regierung herrscht, die für alle denkt und uns verurteilt, wenn wir anders denken wollen. Ich klage, weil in meinem Land seit 50 Jahre nur Mistwirtschaft und Unproduktivität herrscht. Ich klage weil man uns seit 50 Jahre von der „bösen“ Welt fern hält, weil sie sich das Recht nehmen, uns zu bevormunden und uns nicht freiwillig entscheiden lässt, was wir gut finden oder verabscheuen, wo wir leben wollen. Ich klage, weil mein Land seit 50 Jahre unter der Bedrohung eines angeblichen Krieges lebt und nicht weiter macht, als sich auszurüsten, Volksverhetzung zu treiben und den Amerikaner anzubrüllen. Ich rede nicht darüber, ob die westliche Demokratie die Lösung wäre, ob Angela Merkel und Co. das Richtige für uns wäre. Ich will auch keine grundsätzliche Diskussion über Demokratie und Konsumgesellschaft führen. Ich rede lediglich über die Militärdiktatur auf meinen Land. Wenn du die Politik Kuba trotzdem tausend mal besser findest, und glaubst, wir sind hier nur ein Jammervolk, dann kann ich dir nur empfehlen: beschäftige dich mit meinem Land, lerne vielleicht Spanisch, damit du weißt, was wir wirklich 50 Jahre mitmachen. Ich bitte um Respekt für mein Land. Deine Oberflächigkeit tut weh.

  10. Lieber Martin Sanchez,
    als jemand der sich oft in der alternativen Szene bewegt ist mir so manches an unserer Problematik bewußt und kenne auch viele Argumente die dort von Einigen zu Gunsten des kubanischen Systems fällt.
    Und ich kann mir auch Schöneres vorstellen als eine Wirtschaftsmacht die stark die Politik unseres Landes bestimmt.
    Ich kam erst heute früh mit dem Sonderzug von einer gestrigen Menschenkette gegen die Atomenergie.
    Da bin ich wieder mal damit konfrontiert welchen Einfluß hierzulande wenige Energiekonzerne auf den Strommarkt haben-Aber auch damit das Menschenketten überhaupt möglich sind und die Polizei uns zu Nutzen ist indem die Strasse für den Verkehr gesperrt wird. Davon können Andere-Wie Yoani-nur träumen.
    Auch konnte ich mich,wie viele Andere,dafür entscheiden Ökostrom zu beziehen.Niemand mus sich mehr der Atomstrommacht ausliefern.
    Genausogut anstelle Auto mit den öffentlichen Verkehr fahren-In Kubas Transportmisere kommt es aber nicht auf eigene Wahl an um irgendwo hin zu gelangen.
    Und was die Wahl betrifft-Es fehlt einfach bisher eine wirklich starke Alternative,die etwa die Utopie einer direkten Wahl,stärkere Bürgerbeteiligung u. sonstiges bietet.
    Womöglich werden statt Parteien,Verbände wie Attac,Greenpeace ect. ein größeres Potential zu Veränderungen bringen und da hat das kubanische Volk,das noch nie Demokratie erlebte,einen längeren Weg vor sich.
    Die Mitarbeit in einem Wahllokal,mit Wahlscheinentgegennahme,Herausgabe und Einsammeln von Stimmzetteln mit anschließender Auszählung ist ja hierzulande kein ungewöhnliches Verfahren und das hatte ich auch mal mitgemacht(War ja freiwillig,von kubanischer Art mit mehr o.Weniger sanften Druck weit weg).
    Gerade deshalb finde ich die Vorstellung-mag es auch gute Gründe für die Wahlverdrossenheit geben-auch noch durch´s Viertel zu ziehen,an den Haustüren von Leuten zu klingeln die bisher nicht im Wahllokal erschienen und zu fragen ob sie vielleicht nicht doch noch ihr Kreuzerl machen wollen absurd-klar,als ob es nichts Besseres zu tun gäbe.
    Aber welche Macht sollte uns dafür auch das Recht geben?Und warum ist es auf Kuba so?
    Der Unterschied zu Kuba zeigt sich doch allein schon durch diesen Blog und solange in dieser und anderer Form Meinungsaustausch stattfindet haben wir auch bessere Chancen auf gesellschaftliche Veränderungen.

  11. Es ist echt erstaunlich welchen Anglang dieses ewigen Gejammeres von diesem Blog findet.
    TOLL, wir waehlen hier alle 4 Jahre, und was bringt das, oder habt Ihr das Gefuehl die Volksmacht zu sein.
    Mit nichten, das Kapital bestimmt die Politik und die Politiker sind Pueppchen der Fasade, und mit unserem Konsum werden wir ruhig gehalten.
    Was hat sich denn getan nach unserer schoenen freien Wahl, Steuergeschenke fuer Holetiers und Arbeitslosen wird spaetroemische Dekandez vorgeworfen.
    Die Nichtwaehler sind mit 55% die Mehrheit in D, also solange wir MP3, Laptop, Flatscreen, Handy haben, ist uns es auch egal.
    Unsere Diktatur ist der Konsum, von der gibt es aber keine Befreiung

    Es gibt nu reine Kritik die ich haltlos teile, wenn ein Land sein Volk einsperrt ist dies eine Kapitulationserklaerung vor sich selbst.

  12. Zu meinen Seiten, in den 80ger, hat man an der Tür deines Hauses bzw. deiner Wohnung ein Zettel mit 4 Nägeln befestigt, ohne dich zu fragen, willst du das oder nicht, ganz egal wie alt oder neu deine Holztür war. Darauf stand, wie viel Menschen aus dieser Familienzelle (núcleo familiar) zur Wahl gehen müssen.

    Am Tag der Wahl wurdest du von den lauten Wahl-Kindern geweckt. Ihre Freulichkeit, ihr Temperament wurde instrumentalisiert.Wenn du nicht raus kammst, dann kam der Präsident des CDR (Comité de defensa de la revolución) persönlich, dann gab es wirklich kein Entkommen mehr.

    Da möchte ich die anarchistischen Linken des Westens, die sich den Sozialismus a la Ché so loben, dabei sehen. Ob sie diese Bevormundung, dieser massiver Eingriff in die Persönlichkeit, diese aufdringliche Art der Diktatur des Proletariats auch gut finden würden? Ich bin mir sicher, heute ist nicht viel anders. Yoani berichtet darüber und wir schreiben mittlerweile 2010!

Hinterlassen Sie uns ein Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s