Eine zu alte Jugend

valla_piernas
Foto: Nur Beine zum Marschieren, weder Gesichter noch Hände

Die wichtigste Versammlung der Union der Jungen Kommunisten (UJC) ging in Havanna zu Ende, aber ihr großer Bruder, die Partei gibt das Datum, an dem sie ihren sechsten Kongress feiern wird, immer noch nicht bekannt. Raúl Castro behauptete Anfang 2009, dass er in Kürze eine nationale Konferenz der PCC zusammenrufen werde, aber dieser Tage kann sie niemand im Zeitplan ausfindig machen. Die UJC ist ihr dann vorausgeeilt und hat sich im Palast der Konventionen versammelt und Themen diskutiert, die fruchtbare Auseinandersetzungen ermöglicht hätten, wenn sie in einem Rahmen von wechselseitigem Respekt stattgefunden hätte.

Unter dem Motto “Alles für die Revolution” beobachteten Hunderte von jugendlichen Gesichtern den Tisch des Vorsitzes, der gefüllt war mit Funktionären, die schon mehr als sechs Jahrzehnte ihres Lebens vollendet hatten. Die alte Generation befand sich nicht dort, um den Jüngsten zu sagen: „Das Land gehört auch euch, jetzt seid ihr dran, die Richtung zu bestimmen“, sondern sie forderte sie zum Opfer auf, sie ermahnte sie wegen der geringen Kampfeslust und wollte ihnen einen Pakt der Kontinuität und der ewigen Treue abringen. Das ist die Art von Aktionen, die eine politische Partei gegenüber ihrer Basis an den Tag legt, aber im Falle Kubas handelt es sich um die einzige gesetzlich erlaubte Jugendorganisation. Es ist bemerkenswert, dass in einem Alter, in dem wir die unterschiedlichsten Posen einnehmen und die unglaublichsten Fahnen verteidigen, unseren Jugendlichen nur die aktive Mitgliedschaft mit der roten Kennkarte erlaubt ist. Viele von ihnen würden unter freieren Umständen die Reihen in einer ökologischen Gruppe vergrößern, sie würden sich einem Streikposten von Gewerkschaftsaktivisten anschließen oder sie würden sich einreihen, um das Ende des verpflichtenden Militärdienstes zu fordern.

Wer heute einen Teil der UJC bildet, wurde geboren, als die Sonderperiode schon begonnen hatte, sie fanden kein Spielzeug in den Läden der rationierten Produkte vor und sie bekamen Milch auf legale Weise nur bis sieben. Sie wuchsen dank des Schwarzmarktes heran und sie trugen Schuhe, weil ihre Eltern Staatsressourcen abzweigten oder weil sie einen Verwandten im Exil um Hilfe baten, damit sie welche kaufen konnten. Es handelt sich um eine Generation, die mitten in der touristischen Apartheid aufgewachsen ist, welche es den Kubanern verbot, Hotels zu betreten oder bestimmte Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen; Kinder, die mit leeren Parolen in den Schulen aufwuchsen und mit Worten des Überdrusses zu Hause. Trotz ihres Versprechens der Loyalität habe ich den Verdacht, dass sie der Vergeltung zuneigen, dem Moment, wo sie all die Versprechen, die sie den Erwachsenen gegeben haben, brechen werden.

Übersetzung: Iris Wißmüller, iris.wissmueller@gmx.de

Advertisements

Hinterlassen Sie uns ein Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s