Instantlehrer und Schnellausbildung

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Das Treffen war nüchtern und es nahmen mehrere Repräsentanten der städtischen Vertretung des Erziehungsministeriums daran teil. Ein Murmeln verbreitete sich unter den Eltern, die auf denselben Plastikstühlen saßen, die vormittags immer ihre Kinder benutzen. Da das Datum nicht mehr weit entfernt war, an dem angekündigt wird, wer das Studium auf der mittleren Oberstufe fortsetzen darf, hatte es den Anschein, man würde uns bei jenem Treffen die Zahl der studienvorbereitenden Kollegs oder technische Schulen nennen, die unserer Schule zugewiesen sind. Die Nachricht von der Abschaffung der „ Allroundlehrer für alles“ kam dann für uns überraschend, da wir inzwischen zu der Meinung gelangt waren, dass ihre Existenz sich bis zur Pubertät unserer Urenkel hinziehen würde.

Junge Leute in Schnellkursen dafür auszubilden, später einen Unterricht zu geben, der von der Grammatik bis zur Mathematik reicht, hat sich als kategorischer Fehlschlag erwiesen. Nicht wegen ihrer Jugend, die in jedem Beruf immer willkommen ist, sondern wegen der Schnelligkeit der Lehramtsausbildung und des geringen Interesses, das viele von ihnen für so eine noble Tätigkeit zeigten. Angesichts der Abwanderung der Profis aus dem Erziehungswesen in andere Bereiche mit attraktiveren Verdienstmöglichkeiten entstand das Programm der Instantlehrer und damit lag die bereits eingeschränkte Qualität der kubanischen Bildung endgültig am Boden. Die Kinder kamen nach Hause und sagten, dass Kuba 1895 „einen Bürgerkrieg“ erlebt habe und dass die geometrischen Figuren etwas hätten, was „voldes“ genannt werde, was wir Eltern mit „bordes“ (Kanten) übersetzten. Ich erinnere mich besonders an einen dieser Instanterzieher, der seinen Schülern am ersten Tag des Unterrichts gestand „lernt fleißig, damit es euch nicht so ergeht wie mir, der ich Lehrer wurde, weil ich keine guten Noten hatte.“

Dazu kam noch der Teleunterricht, der einen sehr hohen Prozentsatz des Schulstundenplans mit der Gleichgültigkeit eines Bildschirmes einnahm, mit dem man nicht interagieren kann. Die Idee dahinter war, mit diesen durch das Fernsehen übertragenen Unterrichtsstunden die mangelhafte Vorbereitung derer zu unterstützen, die vor den Schülern standen. Der Telelehrer ersetzte in vielen Schulen den aus Fleisch und Blut, während der Verdienst des Lehrpersonals symbolisch angehoben wurde, wobei er nie höher war als 30 Dollar im Monat. Das Unterrichten ist weniger zu einem Priesteramt als zu einem Opfergang geworden. Deshalb tauchten vor der Tafel Leute auf, die weder die Rechtschreibung noch die Geschichte ihres eigenen Landes beherrschten. Es waren junge Menschen, die einen Vertrag unterschrieben hatten, um Lehrer zu werden, was sie bereits nach der ersten Arbeitswoche bereuten. Diese Vorfälle und Verwerfungen im Erziehungswesen, die diese Vorgehensweise mit sich brachte, stehen im verborgenen Buch der gescheiterten revolutionären Pläne und der lächerlichen Produktionsankündigungen, die sich nie erfüllten. Nur dass wir in diesem Fall weder von Tonnen Zucker noch von Zentnern Bohnen reden, sondern von der Ausbildung unserer Kinder.

Ich atme erleichtert auf, weil das lange Experiment der Erziehung durch Instantlehrer beendet ist. Ich möchte den Tag wohl nicht erleben, an dem all diese Leute mit einer Lehrerausbildung das Steuer ihres Taxis verlassen, die Theke einer Bar oder ihre langweilige Hausarbeit, um in die Klassenräume zurückzukehren. Wenigstens würde ich mich ruhiger fühlen, wenn Teo anstelle von einem Fernsehbildschirm all seinen Unterricht von einem richtigen Lehrer bekommen könnte, der auch noch seinen Stoff beherrscht. Ich glaube dafür müssen wir auf die Urenkel warten.

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