Das Eigene beschützen, das Fremde stehlen

rejas
Foto: Sich schützen heißt die Parole, sei es mit Gittern, Hunden oder selbst gebauten Waffen

Des Nachts bewacht er die Reihen der Malangapflanzen und seine Schafherde mit einer selbstgebauten kurzen Flinte. Sie ist das Werk eines behelfsmäßigen Schmieds, der ein Stück schmales Rohr an eine einfache Kammer geschweißt hat, aus der ein unregelmäßiger Schlagbolzen heraus ragt. Schon der Laut beim Laden des erfinderischen Gerätes im frühen Morgengrauen reicht aus, um alle flüchten zu lassen, die die Ernte stehlen wollen. Wenn das Schwein Junge wirft, dann ruft er seinen im Dorf lebenden Bruder und in Begleitung dieses aus der Not geborenen Artefaktes halten sie Wache, bis die Sonne aufgeht.

Viele Bauern benutzen illegale Waffen, die sie irregulär gekauft oder hergestellt haben. Ohne diese könnte die Frucht monatelanger Arbeit in den Händen von „Saaträubern“ enden, aalglatten Gestalten, die sich in der Dunkelheit bewegen. Die Armut hat den Diebstahl auf den kubanischen Feldern verstärkt und die Dorfbewohner gezwungen, ihre Ressourcen selbst zu schützen. Daher verbreiten sich auch aggressive Hunde und selbst gefertigte Flinten immer mehr, besonders auf den Fincas, auf denen es Rinder gibt. Das Pfund Rindfleisch wird für zwei konvertible Pesos auf dem Schwarzmarkt verkauft, der auf Diebstahl und illegalem Schlachten basiert, trotz der langen Haftstrafen, die diese Delikte mit sich bringen.

Für die Beschützer des eigenen Besitzes war die offizielle Ankündigung eine Überraschung, dass „unter Ausnahmecharakter und nur ein einziges Mal (…) hier geborene und legal auf der Insel wohnende Personen, die im Besitz von Feuerwaffen ohne die entsprechende Lizenz sind, eine ordnungsgemäße Registrierung bekommen können“. Es existiert aber auch die stillschweigende Überzeugung, dass derjenige, der öffentlich einen solchen Besitz angibt, die Beschlagnahmung als Antwort erhalten wird. Mit dieser Angst werden nur wenige zugeben, dass sie das kalte Metall irgendwo in ihrem Haus aufbewahren, und sie werden das Risiko, keine Papiere zu besitzen, der Unsicherheit vorziehen, schutzlos zu sein. Zu unserem Entsetzen verwenden diese einfachen Instrumente auch Leute, die weder Finca noch Tiere zu beschützen haben, sondern auf der anderen Seite des Zaunes lauern und sogar gewillt sind zu schießen, nur um sich das zu nehmen, was anderen gehört.

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