Reparaturen

tuberias

In einem Haushalt zu leben, bedeutet, lästige Pflichten erfüllen zu müssen. Der Wasserhahn vom Spülbecken tropft, die Lampe im Wohnzimmer brennt nicht mehr, der Türschüssel macht Probleme und – was für ein schlimmer Tag, entsetzlich – der Kühlschrank ist kaputt. Erschrocken stellen wir fest, dass das Eisfach anfängt zu tropfen und dass das typische Summen des Apparates aufgehört hat. Eine Tragödie dieses Ausmaßes erlebte ein Bekannter von uns letzte Woche.

Früh morgens rief er die nächste Stelle zur Reparatur von Haushaltsgeräten an, aber sie gingen nicht ran oder es ertönte das Besetztzeichen. Er beschloss hinzugehen, am Empfang feilte sich ein Mädchen sorgfältig die Nägel. Tief betrübt erzählte er ihr die Geschichte seines Haushaltsgerätes und beschrieb dessen Symptome. Er war sogar schon kurz davor, eine Diagnose zu wagen, aber in dem Moment unterbrach sie ihn und verkündete, dass es sich sicher um den „Timer“ handele und dass sie dieses Ersatzteil nicht auf Lager hätten. Sie machte ihm klar, dass die Werkstatt eine Warteliste habe, die sich auf mehrere Monate belaufe. Wie ein intelligenter Mann mit Lebenserfahrung formulierte der hilfsbedürftige Kunde die richtige Frage im entsprechenden Tonfall: „Kann man das nicht anders lösen?“ Die Frau beendete ihre Maniküre und rief laut nach einem Mechaniker.

Nachdem man sich über den Preis geeinigt hatte, waren alle zufrieden. Mittags funktionierte der Kühlschrank wieder und der Techniker ging mit einem entsprechenden Entgelt von zwei Monatslöhnen nach Hause. An diesem Abend brachte mein Bekannter, der Barmann in einem 5 Sterne Hotel ist, mehrere Flaschen Rum, die er auf dem Schwarzmarkt gekauft hatte, mit zur Arbeit. Mit ihnen schenkte er die ersten Mojitos und die leckeren Piñas Coladas aus, die die Touristen tranken. Sie vermuteten nicht, dass sie so dabei halfen, das Loch zu stopfen, das durch die Reparatur des Kühlschranks entstanden war, das riesige Schlagloch, das sich im Budget des Barmannes aufgetan hatte.

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5 Gedanken zu „Reparaturen

  1. Hallo „frei“

    Ich hatte meine Ferien jedes Jahr in Polen verbracht, bis die Grenze geschlossen wurde! Meine Tante musste, um uns zu besuchen, eine schriftliche Einladung von uns einreichen, damit sie uns sehen darf.
    Und wenn Sie mit dem Interzonenzug kam, durfte der Aufenthalt nicht länger als 24 Stunden dauern!

    Wenn ich die Berichte über die heutige Generation in Kuba lese, dann glaube ich manchmal, wir hätten all unsere
    Parolen und Sprüche die uns unsere Lehrer beibrachten (und die wir eh nie kapiert hatten)für Kuba aufheben sollen!

    Venceremos ( 1. Klasse in der DDR)

  2. Und: Danke an die Übersetzer und Übersetzerinnen, die es ermöglichen, dass auch jemand, der kein oder nur wenig Spanisch spricht, diesem Blog folgen kann. Schade, dass diese nicht unter dem Artikel genannt werden – oder habe ich da etwas übersehen?

  3. Mein Gott, wenn ich Yoanis Blog lese, fühle ich mich zwanzig Jahre zurückversetzt – in die alte DDR mit ihrer Mangelwirtschaft (die niemals so extreme Züge hatte wie in Cuba), mit den Reisebeschränkungen – wisst ihr noch, dass man eine zeitlang noch nicht einmal in die „befreundeten“ Länder fahren konnte (Polen, CSSR)? – , mit der Überwachung (beim Einstellungsgespräch in der Kaderleitung: „Kennen Sie einen Herrn XY?“ (ein Kommilitone aus dem „kapitalistischen“ Ausland, mit dem ich eine lockere Korrespondenz über die Adresse meiner Großmutter führte). Dazu das Funktionärssprech, das mir auch bei meinem Besuch in Venezuela vor drei Jahren unangenehm aufgefallen ist. Heute, aus der Entfernung, sieht das alles so lächerlich aus. Aber wir Ostdeutschen haben gut lachen, während Cuba in der Zeit stehen geblieben zu sein scheint, während sie in Venezuela geradezu zurückgedreht wird.
    Um so wichtiger ist es, dass die Blogger die demokratischen Grundrechte wie Meinungs- und Pressefreiheit verteidigen. Danke, Yoani!

  4. ich sehe gerade en penultimos dias dass eine Gruppe von Schreiberlingen v Castro die Idiotie hat Yoani als Terroristin gegen Venezuela anzuklagen usw!!!as schlaegt doch dem Fass den Boden aus !!! Die pfeifen aus dem letzten Loch und das ist das einzige Poritive Yoani bitte nimm dich in acht und schreib mal einige Zeit garnichts wir wollen dich nicht auf dem Gewissen haben!!!Etwas abwartenund Tee trinken!!

  5. Heute hoere ich dass in Venezuela grosseManifestaciones stattgefunden haben gegen die fortwaehrenden Beschraenkungen der Pressefreiheit.Vielleicht haben die dort die Moeglichkeit sich von dem herrn Chavez noch in letzter Minute zu befreien, wenn das passiert …s.g.w……dann koennte dann endlich auch in Kuba was passieren…Zu schoen um wahr zu sein !!!

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