Wenn die Erde bebt

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Eine Insel, die schon eine Menge von Tragödien, Invasionen und Diktatoren erleben musste, zeigt heute die Überreste des Desasters, die Spuren eines Bebens, das trotz seines natürlichen Ursprungs genauso abscheulich ist. Das Unglück ist für Haiti, das uns Carpentier in seinem Buch „Das Königreich dieser Welt“ vor Augen führte, und das durch die neuesten Nachrichten unser aller Mitleid erregte, zu etwas Chronischem geworden und Wehklagen wurde dort zu normalem Sprachgebrauch. Zusätzlich zu dem Erdbeben wird die Heimat von Jacques Roumain noch durch das Ungemach ins Wanken gebracht, dass es über ein Land herfällt mit sozialer Instabilität, Wirtschaftskrise und Verzweiflung. Für jede Nation würde so etwas ein großes Unglück bedeuten, für Haiti ist es die totale Apokalypse.
Es ist jetzt nicht der Moment, um Politik mit dem Schmerz zu machen, noch vor die Mikrophone zu treten und Hilfe zu versprechen, sondern ohne Vorbedingungen zu Hilfe zu eilen, ohne auf Anerkennung und Dank zu spekulieren. Mich erschreckt besonders, dass in drei Monaten das Leid wohl nicht mehr auf den Titelseiten der Zeitungen stehen wird und dass die haitianische Tragödie den Leuten dann nicht mehr dringend erscheint. Ich fürchte, dass wir uns an das Unglück gewöhnen und dass sich unsere Herzen angesichts der Tragödie verhärten, dass wir uns wieder auf unsere eigenen Probleme konzentrieren werden, ohne die Schreie der anderen dort drüben zu bemerken.
Der Seismograph mag anzeigen, dass es keine neuen Erdstöße geben wird, aber das Zählwerk des Lebens steht auf Rot. Es ist Zeit zu helfen und man muss es sofort tun.

Momentan suchen mehrere Blogger von uns neben anderen Personen der kubanischen Zivilgesellschaft einen Weg, um den Geschädigten unseren kleinen Beitrag an Hilfe zu leisten. Wir haben vor, Kleidung, Medikamente und Hygieneartikel zu sammeln und sie zur Caritasvertretung in Havanna zu bringen.

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Ein Gedanke zu „Wenn die Erde bebt

  1. Was mich so erschreckt ist, dass uns vermittelt wird, wie das Desaster in Haiti erst mit dem Erdbeben kam. Es wird schnell vergessen, dass das Land vor der Katastrophe extrem arm und die Menschen in Not lebten. Welche Infrastruktur soll man den wieder aufbauen, welche vorher mehr schlecht als recht funktionierte. Z.B. waren die Spitäler schon vorher in einem sehr schlechten Zustand und die Versorgung schlecht, wenn nicht gerade Hilfsorganisationen dort arbeiteten.
    Ich hoffe nun ,dass die Haitianer/innen die Chance auf ein besseres Leben bekommen und auch nützen sich ein besseres Leben zu machen, obwohl dies x Jahre dauern wird.

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