Reggaetón

isa
Das Foto wurde während des „Streiks“ der Studenten des ISA aufgenommen: Mami, was ist Fleisch? – Ein Traum.

Ein sinnlicher, extrovertierter Rhythmus überflutet seit mehr als fünf Jahren alle Diskotheken und Orte im Land, an denen getanzt wird. Er kam in Begleitung einer lässigen Gestik, die offen ihre Lust auf Vergnügen, Sex und gutem Leben zum Ausdruck bringt. Zahlreiche Salsa-Orchester passten ihre Musik an und begannen, neue Songtexte zum Takt des Reggaetón zu schreiben. Die Lieder spielen offen auf erotische Situationen an und beschreiben zugleich ungeschminkt und ohne Schönfärberei einen Bereich der kubanischen Realität. Im Ostteil des Landes verbreitete sich, ausgehend von diesem Musikrhythmus ein härterer und direkterer Stil, der unter seinen Anhängern als Perreo bekannt ist.

Auf der ganzen Insel lässt sich kaum ein Fahrradtaxi oder ein Oldtimer-Taxi finden, das nicht auf höchster Lautstärke den einprägsamen Ausdruck einer Musikgattung darbietet, die keinerlei Anzeichen macht zu verschwinden. Einer der interessantesten Aspekte der Langlebigkeit des Reggaetón bei uns ist, wie wenig er der Musik mit sozialem Inhalt gleicht, die man so oft in den Sechziger und Siebziger Jahren hörte. Während das neue Lied von damals ständig auf ein selbstloses Wesen anspielte, das eifrig am sozialen Prozess mitwirken wollte, so zeigen die aktuellen Melodien ein Individuum, das vom Materiellen angezogen wird und darauf konzentriert ist, seine unmittelbaren Sehnsüchte zu befriedigen. Das musikalische Schaffen offenbart schließlich einen Prozess des sozialen Wandels, der viel komplexer ist, als ein paar Akkorde oder irgendwelche neuartigen Tanzschritte.

Wenn auf der Bühne eine Gruppe von Jungs “Mami, genieß es!“ bis zum Umfallen wiederholt, dann wackelt das Publikum mit den Hüften und schwitzt unter den bunten Lichtern. Es fehlt nicht an Leuten, die öffentlich die Verbreitung dieser neuen Rhythmen kritisiert haben, indem sie sie mit Strömungen aus dem Ausland und Konsumtendenzen in Verbindung brachten. Das beeindruckt die Anhänger des Reggaetón nicht, da für sie ein volltönender Refrain, der zum Genuss aufruft, der neue Hymnus dieser Tage ist, ob es uns nun gefällt oder nicht.

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Ein Gedanke zu „Reggaetón

  1. „….ob es uns gefällt oder nicht.“ Wohl auch eine Frage des Alters. Um es nüchtern genießen zu können, sollte man die 30 vermutlich noch nicht überschritten haben. Ich bin weit davon entfernt und wundere mich stets aufs Neue…

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