Versprechen

ofrenda
Foto: Die Gruppe Omni Zona Franca trägt eine Opfergabe für das Wohlergehen der Poesie

Ein Freund schwor mir vor zehn Jahren, dass er nicht mehr zum Strand gehen würde, bis er – unter sich den Sand – ein Bier in nationaler Währung kaufen könnte. Seine schneeweißen Waden bestätigen mir, dass er seit einem Jahrzehnt nicht am Meer war, während er auf ein Cristal wartet, das er mit selbst verdientem Geld bezahlen kann. Die Nachbarin um die Ecke gab ihr Wort, ihre Haare bis zu dem bestimmten Datum nicht zu schneiden, das schon lange von so vielen Kubanern herbeigesehnt wird. Flöhe ließen sie ihr Versprechen Anfang der Neunzigerjahre brechen, als die Mähne ihr schon bis zur Hüfte reichte. Neulich änderte sie ihre Strategie und stellte ein Glas Wasser auf einen Schrank, das sie nur dann entfernen wird, wenn ihre Kinder aus der Verbannung zurückkehren und bei ihr leben können.

Kleine Häuschen aus Holz ruhen auf einem Grab im Friedhof von Havanna. Das ist der stoffliche Ausdruck der Gebete, die die Milagrosa empfängt, damit sie denen zu einer Wohnung verhelfe, die dem Elternhaus oder einer überfüllten Gemeinschaftsunterkunft entkommen möchten. Neben diesen Miniaturhäusern gibt es Spielzeugflugzeuge oder –boote, zur Verwirklichung des Traumes, das Inseldasein in einem solchen Verkehrsmittel normaler Größe zu verlassen. In derselben Nekropole, aber südlich davon, liegt das Pantheon des bekannten Mediums, das den Geist des Tá José verkörperte. Ihm wurde ein Hahn, dem man genau dort den Kopf abgeschlagen hatte, von einem jungen Mann als Opfer dargeboten, der endlich die hoch begehrte Stelle in einer ausländischen Firma bekommen hat.

Andere warten auf das Wunder einer Ausreisegenehmigung, auf die Freilassung eines politischen Gefangenen oder auf die Lizenz, ein kleines Restaurant eröffnen zu dürfen. Dies scheint die Insel der Unmöglichkeiten zu sein, das Land der unerfüllten Versprechen, die Nation der Votivgaben, die solange zurückgehalten werden, bis man das Erwünschte bekommt. Ich selbst habe mir geschworen, dass ich nicht aufhören werde zu schreiben, denn jede einzelne Zeile ist ein Gebet von einer, die nicht mehr kann, die virtuelle Stimme von jemandem, der sich schon die Haare wachsen ließ, der sein Geschenk schon auf einen Marmorstein legte und zusehen musste, wie mehrere Gläser Wasser verdunsteten.

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Ein Gedanke zu „Versprechen

  1. was da in Barcelona passierte ist sehr bedauerlich da war kaum eine Handvoll von Leuten die sich vor dem cub.Konsulat manifestierten und die sog.ofiziellen waren in der Mehrheit.Dabei war dafuer allerhand propaganda gemacht worden man muss die Sache sich durch den Kopf gehen lassen.Ich kann mir einfach nicht vorstellen dass man die Situation in Cuba gewissermassen abge schrieben hat und den Dingen seinen Lauf laesst.Das waere wirklich einnZeichen dass die Sache der Menschenrechte unter den Teppich gekehrt wird.

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