Schattenwesen

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Bild: „Schlagen Sie mich nicht, ich bin nur ein Blogger!“

Nach den Ereignissen des vergangenen Freitags habe ich beschlossen, eine Reihe von Fotos von Personen zu veröffentlichen, die mich bewachen und drangsalieren.
Meine Verbindung zum Kino war immer die einer Zuschauerin auf einem Sessel im Halbdunkel eines Saales, wo man das Geräusch eines alten Projektors hörte. Das blieb so, bis ich anfing, meinen eigenen Film zu erleben, eine Art Thriller von Verfolgern und Verfolgten, wo es an mir ist, zu entkommen und mich zu verstecken. Das Motiv für den so plötzlichen Wechsel vom Zuschauer zum Protagonisten war dieser Blog, beheimatet in dem weiten Raum, der das Internet ist und von dem so wenig auf Zelluloid zu sehen ist. Vor zwei Jahren erwachte in mir die Lust, das wahre Drehbuch meines täglichen Lebens zu schreiben und nicht die rosa Komödie, die die offiziellen Zeitungen zeigten. Damals ging ich dazu über, anstatt einer Zuschauerin eine Interpretin von Filmen zu werden.
Ich habe meine Zweifel, ob ich eines Tages sehen werde, wie sich der Vorhang senkt, und ich dann lebend das Kino verlassen kann. Der lange Film, den wir seit mehreren Dekaden in Kuba erleben, ist anscheinend noch weit entfernt von dem Moment, in dem man den Nachspann zeigt und die Leinwand dunkel wird. Die Zuschauer sind jedoch nicht mehr so sehr an dem endlosen Filmstreifen interessiert, den ihnen die autorisierten Filmvorführer zeigen. Sie scheinen eher von der Vision derer gefesselt, die einen Blog oder ein weißes Blatt Papier nehmen und darauf die Fragen, Frustrationen oder Freuden der Bürger niederschreiben.
Nach dem Vorbild von Kubrick oder Tarantino habe ich begonnen, Zeugnis abzulegen über diese Kreaturen, die uns bewachen und drangsalieren. Schattenwesen, die wie Vampire sich von unserer menschlichen Fröhlichkeit ernähren, uns Furcht einflößen durch Schläge, Drohungen und Erpressung. Individuen, die darin ausgebildet sind, Druck auszuüben, die nicht damit rechnen konnten, sich in gejagte Jäger verwandelt zu sehen, in Gesichter, die von der Kamera erwischt wurden, vom Handy oder von den neugierigen Augen eines Bürgers. Gewohnt daran, Beweise zu sammeln für das Protokoll, das über uns alle in irgendeiner Schublade steckt, in irgendeinem Büro, überrascht es diese jetzt, dass nun wir eine Bestandsaufnahme ihrer Gesten und Augen machen, eine akribische Aufstellung ihrer Schikanen.

Übersetzung: © Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de

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Aufgenommen von Reinaldo, während ich meine Verfolger verfolgte.

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Postiert vor dem Erdgeschoß meines Hauses, legt sich ein „radioaktiver“ Ring um mich.

cara_tapada
Sie bedeckt sich das Gesicht … vielleicht weil sie die Zukunft fürchtet.

cazador_cazado
„Bist du verrückt?“, fragt er, als ich von der Gejagten zur Jägerin wurde.

cazadores_cazados
Sie haben uns Jahrzehnte lang überwacht, jetzt überwachen wir sie.

vigilantes
Ob ihre Familien wissen, dass sie sich mit Unterdrückung und Überwachung beschäftigen?

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6 Gedanken zu „Schattenwesen

  1. Bien hecho. Un espía Chivato, para nada más. Son viscosos gusanos, hay que aplastarlos. No nos dejéis intimidar !
    Buena suerte para el futuro .
    Saludo del Capitan, de Alemania.
    (PS. Por favor, perdone mi gramática )

  2. nada mas que con toda la fuerza y tu/vuestra inteligencia para adelante y convertirte/os en cazadora/es; es lo mejor que podias hacer. Estos lobos hay que inyectar la conciencia principal humana. Cada vez mas absurdo que el aparato mafioso cubano se esta vendiendo sus ideales a su propio egomanismo, y volviendo a la escalvitud cerebral y real.
    Que podemos esperar de un aparato negando el potencial de su pueblo y negando cada respiro su lucha de sobreviviencia?
    Que esperamos de respuestas violentas?

  3. Mi solidaridad con usted a la distancia. Cómo deseamos todos que las cosas cambien para bien incluso en su hermoso país y que haya más libertad para expresar libremente lo que uno piensa.

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