Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Video: Man kann sich Yoani mit Perücke auf dem Video als Standbild ansehen (bei 0:45). Am Anfang hört man den Streit zwischen Yoanis Freunden und dem Türsteher, der sie nicht hineinlässt. Danach kommt ein Diskussionsbeitrag und dann folgt Yoanis kleine Rede.

Ich weiß nicht, womit ich beginnen soll, um die Ereignisse bei der gestrigen Diskussion über das Internet zu schildern, die von der Zeitschrift „Temas“ organisiert worden ist. Ohne Zweifel gestattete es mir die blonde Perücke, die ich mir übergestülpt hatte, durch die Kontrollen am Eingang des Kulturzentrums Fresa y Chocolate zu schlüpfen. Dies und die hohen Schuhe, die geschminkten Lippen, die glänzenden Ohrringe und eine riesige Handtasche in greller Farbe bewirkten, dass ich mich in ein ziemlich anderes Wesen verwandelte. Einige Freunde gingen sogar soweit, mir zu sagen, dass ich so besser aussähe, mit dem engen und kurzen Rock, dem erotischem Gang und der Brille mit dem viereckigen Gestell. Es tut mir leid für sie, aber die Rolle, die ich spielte, dauerte nur kurze Zeit und heute bin ich wieder zu meinem ungekämmten, langweiligen Äußeren zurückgekehrt.

Claudia, Reinaldo, Eugenio, Ciro und die anderen Blogger wurden nicht eingelassen. „Die Institution behält sich das Recht vor, Zutritt zu gewähren …“ und meine Cyberspace-Kollegen zeigten die Impertinenz von Leuten, die schon von anderen Orten ausgeschlossen worden sind, aber sich nicht beschämt und schweigend zurückziehen wollen. Drinnen gelang es mir, einen Sitzplatz seitlich neben der Diskussionsrunde zu ergattern. Einige flinke Blicke hatten mich und meine kränkliche Physiognomie schon entdeckt und eine Kamera filmte mich mit der Beharrlichkeit dessen, der ein Protokoll vorbereitet.

Ein junger Schriftsteller verlangte das Wort und beklagte sich darüber, dass so vielen der Zutritt verwehrt worden sei; danach kam jemand und erwähnte Schlagworte wie „Feind“, „Gefahr“, „uns verteidigen“. Als ich endlich aufgerufen wurde, nutzte ich die Gelegenheit, um zu fragen, welche Beziehung zwischen den Beschränkungen der Bandbreite und den vielen für die kubanische Öffentlichkeit zensierten Websites bestehe. Applaus, als ich schloss. Ich schwöre, dass ich mit keinem von ihnen gemeinsame Sache machte. Danach kam eine Universitätsprofessorin, die fragte, warum ich den Ortega-y-Gasset-Preis des Journalismus bekommen hätte. Es ist mir noch nicht gelungen, die Verbindung zwischen meiner Frage und ihrer Analyse herzustellen, aber die Wege der Diffamierung sind so gewunden. Zum Schluss kamen mehrere Leute auf mich zu, um mich zu umarmen, eine Frau beglückwünschte mich mit einem flüchtigen Händedruck. Die Kühle einer Oktobernacht erwartete mich draußen.

Wenn es alle, die keinen Zutritt hatten, geschafft hätten teilzunehmen, dann wäre das wirklich eine echte Diskussion über das Internet gewesen. Das, was dort vor sich ging, kam mir recht traurig und eingeschränkt vor. Nur einer der Konferenzteilnehmer erwähnte Konzepte wie das Web 2.0, soziale Netze und Wikipedia. Der Rest war eine Vorsorgeimpfung gegen das perverse Web und wiederholte Rechtfertigungen, warum wir Kubaner in der Masse darauf keinen Zugriff haben. Ich nahm mein Handy zur Hand und twitterte schnell: „Ich glaube, es wäre das beste, noch eine Diskussion über das Internet zu organisieren, aber ohne den Ballast von Zensur und Ausschluss. Heute Morgen verteilte ich mit Ringen unter den Augen, da ich kaum drei Stunden geschlafen hatte, Handouts mit technischen Hinweisen in der zweiten Seminarsitzung unserer Bloggerakademie. http://itinerarioblogger.com/

Einige der Bilder dieses Videos haben mir freundliche und solidarische Leute zukommen lassen, die im Saal waren.

Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de

Ein Gedanke zu „Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

  1. Ich lebe in Chile und unwillkuerlich erinnert mich das alles an die Situation unter Pinochet Auch wurde damals in einer Universitaet ueber die presse und Pressefreiheit ein Symposium gemacht.Alle sprachen um den Brei herum einige ofizielle sagten etwas aber die wirkliche Situation die Beschraenkung der Pressefreiheit die Unterdrueckung der Menschenrechte wuirde garnicht beruehrt, Wir und einige opositionelle kamen erst garnicht zu Wort und dann war natuerlcih auch die Angst die immer gegenwaertig war.Es ist also bei jeder Diktadur nach Schema F Aber einmal wird die Sache doch nicht klappen, erinnern wir uns an der Fall der Mauer als alles in sich zusammenfiel,Das kommt noch, wie das Amen in der Kirche!!!

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