In Abwesenheit und mit lieben Grüßen

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Ich habe vergessen, wann ich das letzte Mal geweint habe, obwohl ich angesichts der Wechselfälle des Lebens nicht besonders stark bin, im Gegenteil, ich halte mich eher für sensibel und leicht am Wasser gebaut. Dennoch habe ich mir vor mehr als einem Jahr vorgenommen, glücklich zu sein, koste es, was es wolle, mir Schlucke von Wohlbefinden zu genehmigen in Erwartung schlimmerer Zeiten. Ich lasse nicht zu, dass man mir das Lächeln austreibt, dass man mich zu einer Paranoikerin macht, die immer über ihre Schulter schaut, um zu sehen, ob ihr jemand folgt.

Meine kindliche Neigung zur Ausgelassenheit hat mir geholfen, die abschlägigen Bescheide zur Reiseerlaubnis zu ertragen, den radioaktiven Ring, mit dem man mich umgeben will, die Anschuldigungen, die Diffamierungskampagnen, die Kontrolle durch die Staatspolizei und sogar die neurotische Vorstellung, bei mir zu Hause könnten Mikrofone versteckt sein. Ich habe versucht, selbst das zu feiern, was man mir genommen hat, wie die Möglichkeit zu reisen, die Möglichkeit den Feierlichkeiten anlässlich meiner verschiedenen Preise beizuwohnen, Generation Y vom kubanischen Netz aus zu erreichen, mit vielen meiner Freunde in Kontakt zu treten, kulturelle Veranstaltungen meines eigenen Landes zu besuchen und bei der Präsentation meiner Bücher dabei zu sein.

Gerade heute bin ich trunken vor Glück, weil diesen Nachmittag in Brasilien eine Sammlung meiner Texte unter dem Titel „De Cuba, com carinho …“ (Von Kuba, mit lieben Grüßen) vorgestellt wird. Unter Berücksichtigung der drei Stunden Zeitunterschied, die mich von Rio de Janeiro trennen, werde ich um fünf Uhr nachmittags die schöne Ausgabe meiner Blogeinträge auf Portugiesisch feiern. Man wird meine Zähne aus mehreren Metern Entfernung sehen, nicht nur, weil sie groß und auseinander stehend sind, sondern wegen des ständigen breiten Grinsens, das ich im Gesicht tragen werde. Ein hämisches Lachen, das die Leute mit den mürrischen Gesichtern nicht verstehen werden, die mich daran hindern wollten, soweit zu kommen; ein Dolchstoß der Freude, der die trifft und durchbohrt, die mit dem unerwarteten Frohlocken des Gefangenen nicht umzugehen wissen.

Übersetzung: Iris Wißmüller /iris.wissmueller@gmx.de

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3 Gedanken zu „In Abwesenheit und mit lieben Grüßen

  1. Mit interesse habe ich die Beitraege gelesen, vielen Dank fuer die Uebersetzungen. Selber lebte ich fuer ein halbes Jahr in Cuba. Die authorin ist ganz offensichtlich keine Sozialismuss hasserin, sie prangert die inhumanen Zustaende der Castro politic an.
    Ich moechte der authorin empfehlen, diese menschenrechts verletzenden praktiken weiterhin zu betonen, aber dabei nicht vergessen, der ameriknische Kapitalismus is zwar nach aussen hin freiher, doch nach innen ein undankbares harsches system. Wer nicht die quoten erfuellt ist entbehrlich geworden.

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