Was sie uns versprachen

bloqueo[1]
Foto: 5 Stunden Blockade entsprechen den Dialysebehandlungen eines Jahres für alle betreffenden Patienten unseres Landes

Ich trug eine weiß-rote Uniform, war zehn Jahre alt und das Thema der Blockade wurde in den ideologisierten Büchern, die man mir in der Schule aushändigte, kaum erwähnt. Es waren die Zeiten des Optimismus und wir glaubten, dass die F1- Kühe genug Milch geben würden, um alle Straßen des Landes damit zu überschwemmen. Die Zukunft hatte diesen goldenen Schimmer, der sich in unserer fadenscheinigen Realität nicht zeigte, aber wir waren einfach zu farbenblind, um ihn wahrzunehmen. Wir glaubten, die Formel gefunden zu haben, um zu den wohlhabendsten Ländern der Erde zu gehören, so dass unsere Kinder ein Land mit günstigen Bedingungen für alle bewohnen würden.
Am Anfang meiner Jugendzeit beherrschte das Thema der Handelsbeschränkungen fast alle Werbetafeln des Landes. Bei den politischen Aufmärschen schrie man nicht mehr „Kuba ja, Yankees nein“, sondern man skandierte eine neue Parole mit einem schwierigen Rhythmus: „Nieder mit der Blockade“. Ich sah auf meinen fast leeren Teller und konnte nicht begreifen, wie sie es geschafft haben sollten, unsere Kartoffeln, Orangensaft, Bananen und Zitronen zu blockieren. Ich durchlief meine Ausbildung im Widerwillen gegen die Blockade, nicht weil ich die Mär vom Land, das wir sein könnten und woran sie uns hinderten, einfach geschluckt hätte, sondern weil man alles, was nicht funktionierte, mit dem Hinweis darauf zu erklären versuchte.
Wenn meine Freunde in Massen das Land verließen, war es wegen der Feindpropaganda der Vereinigten Staaten. Wenn in der Geburtsklinik die Schaben über die Wände liefen, hatten die Nordamerikaner daran Schuld. Sogar wenn ein kritischer Kollege bei einer Versammlung aus der Universität ausgeschlossen wurde, erklärte man uns, dass dieser sich ideologisch vom Feind habe beeinflussen lassen. Heute beginnt und endet alles mit der Blockade. Niemand scheint sich noch an jene Zeiten zu erinnern, als man uns das Paradies versprach, als man uns sagte, dass nichts, nicht einmal die wirtschaftlichen Sanktionen, uns daran hindern würden, die Unterentwicklung hinter uns zu lassen.

Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de

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5 Gedanken zu „Was sie uns versprachen

  1. Ihr Kubaner seid auf die finazielle Unterstuetzung aus dem Ausland angewiesen? o.k. Ihr koennt aber auch freiwillig auf viele Waren die ihr auf Chavito-Basis kauft verzichten. Natuerlich macht es Spass, Softdrinks, Kuchen……viele schoene Sachen zu kaufen und zu konsumieren.

    Damit unterstuetzt ihr direkt das System, das euch versklavt

    Was trinkst DU lieber? Tucola als Sklave, oder einen selbstgemachten koestlichen Fruchtdrink als freier Kubaner?
    Meine Botschaft an alle Exilkubaner: Schickt weniger Geld nach Kuba!

  2. Deutlich aber wahr!!!
    Allerdings glaube ich nicht an einen schnellen Erfolg, denn die Unterstützung der eigenen Familien und Bekannten
    hat einen so großes Ausmaß angenommen, das es für sie sehr schwer wird ohne Devisen auszukommen!

  3. An alle Kubaner
    Ich fuehle mich Cuba sehr verbunden, da meine Frau aus Habana kommt. Wir leben in Spanien und geniessen jeden Tag. Jedes Mal, wenn ich in Cuba bin, hoere ich das Maerchen vom Bloqueo. Ich habe ihn aber lustigerweise auch am eigenen Leib erfahren, als ich cubanische Zigarren in ebay verkaufen wollte und mir ebay dann schrieb, dass es ein amerikanisches Unternehmen sei und deshalb diese Zigarren unter den Bloqueo fallen wuerden.
    Der Bloqueo hat den Sinn, das kubanische Regime finanziell auszuhungern. Er richtet sich nicht gegen das kubanische Volk.
    Leider wird er jeden Tag umgangen, indem Exilkubaner Millionen von € und Millionen von $ nach Cuba bringen, oder schicken.
    Natuerlich hilft das im Moment der Familie besser zu leben, es sichert aber auch das Ueberleben des Regimes.
    Wie wir alle wissen, schoepft das Regime mit Hilfe von ueberteuerten Waren den Grossteil dieser Devisen ab. Das Geld verschwindet dann in den Taschen der korrupten Politiker und Militaers.
    Ich bitte alle Kubaner: Gebt weniger Geld in Chavitos aus! Kauft moeglichst viele Sachen, die Ihr in Pesos bezahlen koennt!
    Meine Botschaft an alle Exilkubaner: Schickt weniger Geld nach Cuba!
    Solange Ihr das Regime finanziell unterstuetzt, wird es nicht fallen und Ihr werdet Euer Cuba nicht mehr frei erleben.
    Schickt kein oder wenig Geld und Cuba wird bald frei sein!

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