Familienfoto

foto-blog-moratinos

Das Bild wurde aus dem “Underblog” des Miguel Ángel Moratinos entnommen.

In der Momentaufnahme, die der spanische Außenminister Miguel Ángel Moratinos von seinem Besuch in Kuba machen wird, ist kein Platz für die nicht konformen Verwandten. Vor der Linse werden das angestrengte Lächeln der Minister zu sehen sein, der Glanz der Staatskanzleien und das vorgetäuschte Entgegenkommen der Männer, die die Macht zu Unrecht inne haben. Bei der Bildkomposition sind Leute überflüssig, die „nein“ sagen und Skeptiker werden ausgeschlossen. Vor der Kamera werden nur glückliche Gesichter zugelassen, weil man die Dreckwäsche zu Hause lässt, obwohl die „Waschmaschine“ der öffentlichen Diskussion schon seit Jahrzehnten nicht mehr angeschaltet wurde, noch erlaubt wird, dass man der schlecht riechenden Utopie ein Waschmittel hinzufügt.
Wer sich bewegt, kommt nicht aufs Foto, weil das resultierende Bild politische und wirtschaftliche Hilfe erbitten und nicht Sorge auslösen soll. Daher werden sie die Spinnweben mit Kalk übermalen, die Militäruniformen unter den Anzügen der Etikette verbergen und sich für einen kurzen Moment jünger geben als sie wirklich sind. Heikle Themen wird man meiden. Wozu den Besucher in Verlegenheit bringen? Und sobald er gegangen ist, wird das eine oder andere unartige Kind seine Kopfnuss bekommen, weil es den Gast belästigt hat. Das Familienportrait, das von diesem Besuch bleibt, wird sepiafarben und süßlich sein, da die kontrastreichen Töne der Realität nicht in das Album der Diplomatie passen.
Mit einer dieser dummen kleinen Kameras, mit denen man die immer gleichen Touristenfotos macht , werden die üblichen wiederkehrenden Bilder aufgenommen werden: eine Schule voller Schüler mit frisch gebügelten Schuluniformen, eine Fabrik mit glänzenden neuen Maschinen, ein Ingenieursprojekt kurz vor der Fertigstellung und – das wird sicher nicht fehlen – ein Bad in der gut vorbereiteten Menge, organisiert von oben.
Das Negativ muss makellos bleiben für den späteren Eindruck auf den Seiten der Geschichte. Wenn zufällig irgendein unpassendes Detail übersehen worden sein sollte, so wird man es im Photoshop richten, das Foto der schon getricksten Normalität retouchieren, und die Gesichter der Personen, die nicht lächelten, nachbessern.

Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de

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