Pas de quatre

Der Wirbel, der um das Konzert von Juanes gemacht wurde, ließ uns wichtige Themen unserer Realität nicht erkennen. Auf der Straße hat man kaum die Maßnahmen kommentiert, die von Obama ergriffen wurden, um den Versand und die Reisen auf unsere Insel zu flexibilisieren. Sogar die Verhandlungen, um den direkten Postverkehr zwischen den Vereinigten Staaten und Kuba wiederherzustellen, stießen auf Gleichgültigkeit. Die hell gleißenden Lichter der Showbühne stellte die neue offizielle Regelung in den Schatten, die es – auch wenn sie noch nicht in die Praxis umgesetzt wurde – den kubanischen Postämtern erlaubt, den Internetzugang in konvertibler Währung anzubieten. Man vergaß sogar am letzten Freitag die Vorstellung des siebten Kurzfilmes der Sage von Nicanor unter der Regie von Eduardo del LLano.

Jetzt, da wir zu den verblichenen Farben unseres Alltags zurückgekehrt sind, habe ich den erst kürzlich erschienenen Film „Pas de quatre“ wieder gesehen. Die Geschichte spielt in einem alten Chevrolet, dessen Chauffeur seine Dienste umsonst anbietet. Unter den drei Passagieren, denen es gelingt, in dieses seltsame Taxi einzusteigen, muss einer so schnell wie möglich die Analyse seines Stuhlganges zu einer weit entfernten Polyklinik bringen. Der Fahrer, gespielt von Luis Alberto García, legt seine innovative Philosophie dar über den Schaden, den die Immobilität und die Schwierigkeiten im Transportwesen der Nation bringen. Zum Rhythmus der Räder auf dem Asphalt kommt er zu der Erkenntnis, dass „es keine anarchistischere und subversivere Vorstellung gibt, als die eines kubanischen Touristen“.

Nun ja, sich zu bewegen hat sich wirklich in einen Akt des Protestes verwandelt. Deshalb können Erleichterungen für die Leute bei der Ein- und Ausreise, bei Ortsveränderung oder Standortwechsel unerwartete Veränderungen im nationalen Umfeld entfesseln. Man stelle sich vor, wenn es uns allen in den Sinn käme, zu reisen, die Landstraßen zu benutzen und Verwandte zu besuchen, die wir seit zwanzig Jahren nicht gesehen haben. Wenn ein Reisefieber das Land überraschenderweise erfasste, dann könnte diese Aufregung die Bürokraten anstecken und all die leitenden Männer, die keine Vorstellung von Dynamik haben. Wer weiß, ob dann dieser Anstoß nicht auch diejenigen wieder in Bewegung setzen würde, die heute die Bremsklötze darstellen, die verhindern, dass wir endlich auf dem Weg der Veränderung dahin gleiten.

Übersetzung: Iris Wißmüller /iris.wissmueller@gmx.de

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