Wieder zurück

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Wenige Minuten nach sechs trugen sie die Gottesmutter in ihrem Glaskasten heraus. Alles geschah in derselben Pfarrei an der Straßenecke Manrique/Salud, wohin ich als Mädchen hätte gehen sollen. Nur dass meine Eltern damals vorgaben, Marxisten-Leninisten zu sein, und meine Großmutter sie nicht überzeugen konnte, uns Mädchen beten zu lassen.
Heute bin ich zurückgekehrt in die Menge aus erregten Frauen, gelb gekleideten Kindern, Frauen in Weiß, umgeben von einer Kette von Sicherheitskräften, und Menschen, die sich aus Balkonen reckten, welche kurz vor dem Zusammenbruch schienen. Ein Regen von Blütenblättern fiel in der Reina-Straße auf uns nieder, während mein Mann rief: „Hoch lebe die Jungfrau aller Kubaner!“ Für Momente glaubte ich wirklich, dass eines Tages das, was uns trennt, nichts mehr bedeuten wird… und dass sie zurückkommen wird, um uns unter ihren goldenen Mantel zu nehmen. Wie sie es an diesem Nachmittag mit mir gemacht hat.

Übersetzung: Werner Jäckle

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Fotos: Reinaldo Escobar

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3 Gedanken zu „Wieder zurück

  1. Glaubensfreiheit war und ist im Sozialismus eine eher ungewollte Duldung. Einerseits kann man die Bevölkerung sowieso nicht von Ihrem Glauben abbringen, (egal ob mit oder ohne Gewalt) andererseits schwächt es die Stellung “der Partei”, was man zu verhindern sucht. Die Kirche in der DDR war aber ständig unter der Kontrolle Stasi, was auch aus den Akten der Ermittlungsbehörde hervorgeht. Und ich denke, das es in Kuba genauso sein wird! (Auch wenn die Staatssicherheit dort einen anderen Namen hat.)
    Trotzdem haben die Demos genau diesen Erfolg in der DDR erst ermöglicht, und das lässt die Hoffnungen für Kuba wieder aufleben.
    Macht weiter so!!!

  2. Glaubensfreiheit war und ist im Sozialismus eine eher ungewollte Duldung. Einerseits kann man die Bevölkerung sowieso nicht von Ihrem Glauben abbringen, (egal ob mit oder ohne Gewalt) andererseits schwächt es die Stellung „der Partei“, was man zu verhindern sucht. Die Kirche in der DDR war aber ständig unter der Kontrolle Stasi, was auch aus den Akten der Ermittlungsbehörde hervorgeht. Und ich denke, das es in Kuba genauso sein wird! (Auch wenn die Staatssicherheit dort einen anderen Namen hat.)
    Trotzdem haben die Demos genau diesen Erfolg in der DDR erst ermöglicht, und das lässt die Hoffnungen für Kuba wieder aufleben.
    Macht weiter so!!!

  3. Das erinnert mich an die Situation der Kirche in der DDR, die von der Partei nur eben geduldet wurde. Die Kirche bot zumindest etwas Freiraum für Opposition und man konnte unter religiösem Mantel Präsenz zeigen (z.B. Fronleichnamsprozession). Nicht zuletzt begannen in der Leipziger Nikolaikirche im Anschluss an die Friedensgebete die immer umfangreicher und mächtiger werdenden Montagsdemonstrationen, die das Regime schlussendlich hinwegfegten.

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