Sache der Maurer

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Es ist so leicht im Gefängnis zu landen, so kurz ist der Weg, der in die Zelle führt, dass wir alle mögliche Angeklagte sind, die die Strafanstalten umkreisen. Ein Stück Rindfleisch, gekauft auf dem Schwarzmarkt, ein paar Säcke Zement, erworben von einem Verkäufer ohne Lizenz, ein Blatt Papier, bedruckt und verteilt unter einer Gruppe von Freunden oder eine heimliche Versammlung, um über die Zukunft zu sprechen, könnten uns zu diesen Kerkern mit niedrigen Dächern, Säulen aus Beton und Fotos von Martyrern im Speisesaal führen. Die Freiheit stellt man sich gewöhnlich als ein abstraktes Konzept vor, von schwieriger Darstellung oder Definition, eine Sache von Philosophen; das Gefängnis dagegen ist die Sache von Maurern, Gießern und Schlossern. Es ist relativ einfach, einen Kerker zu bauen, schwierig ist es, die Konturen der Freiheit zu umreißen.

PS: Hier sind einige Fotos von den Mauern, die das Gefängnis von Canaleta in Ciego de Àvila umgeben. Dort habe ich einige Freunde, in ihrer Mehrzahl unabhängige Journalisten, die seit dem Schwarzen Frühling 2003* eingesperrt sind. Einige von ihnen diktieren uns, verschiedenen Bloggern, wie Claudia Cadelo*, Iván García*, Reinaldo Escobar* und mir, übers Telefon Nachrichten, damit wir sie ins Internet stellen. Das bestärkt mich in meinem Glauben, dass es keine Gitter gibt, die die freie Meinung einsperren können und dass der Cyberspace die Fähigkeit besitzt, sogar durch die Backsteine und den Beton dieser unheilvollen Orte zu durchdringen.

Anmerkung der Übersetzerin:
*Schwarzer Frühling 2003: Metapher für die Repressionskampagne im Frühjahr 2003
Bericht von Amnesty International zur Menschenrechtslage in Kuba:
http://www.amnesty.de/laenderbericht/kuba
*Claudia Cadelo: http://www.octavocerco.blogspot.com/
*Iván García: http://vocescubanas.com/desdelahabana/
* ReinaldoEscobar: http://www.desdecuba.com/reinaldoescobar/

Übersetzung: Iris Wißmüller /iris.wissmueller@gmx.de

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Ein Gedanke zu „Sache der Maurer

  1. Liebe Yoani,
    hier spricht ein anderes Y, Rudy.
    Aus einem Land, wo Deine Beiträge als mutig gefeiert werden. Dem freien Deutschland, im freien Europa. Wo wir Deine Probleme als richtige Probleme präsentiert bekommen und wo Dein Dagegenanschreiben als zivilcouragiert gilt.
    Ich bin nicht sicher, ob ich Bilder von dem Gefängnis, in dem ich im Augenblick nicht sitze, weil meine Kinder mich baten und es sinnlos kostbare Lebenszeit kostet, machen kann.
    Es ist eine gute Idee, aber Terroristen oder Kriminelle könnten ja die Bilder nutzen, um Fluchwege zu erkundschaften… Ich erwarte Personalienfeststellung, zeitweilige Inhaftierung und Beschlagnahme der Kamera, wenn ich es versuche. Das Gefängnis für Bonn liegt außerhalb und heißt “Rheinbach”. Ich tue jedenfalls gut daran, mich nicht erwischen zu lassen.
    Ich wünsche uns Glück, Rudy

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