Quijote schreibt man mit „K“

nos_parqueo

Eine neue Nachricht hat einige erfreut und andere verärgert: die Rechtschreibung wird bei den Bewertungen an den kubanischen Schulen wieder eine Rolle spielen. Die Herrschaft der fehlenden Akzente bei Wörtern, die auf der drittletzten Silbe betont werden, und der „s“, die durch „c“ ersetzt werden, steht kurz vor ihrem Ende, wie das Fernsehen vor einigen Wochen berichtete. Ein Schüler wird in einer Prüfung durchfallen können und sogar ein Schuljahr wiederholen müssen, wenn er die Rechtschreibregeln dieser komplexen und schönen Sprache, die das Spanische ist, nicht beherrscht. Wie zu erwarten war, befinden wir Linguisten uns in einem Taumel der Genugtuung.

Schon hatte ich mich daran gewöhnt, seltsame Wörter zu entziffern, die nach dem persönlichen Geschmack vom jeweiligen Verfasser zusammengesetzt waren. Sogar auf den Tafeln, geschrieben von den Lehrern selbst, erschienen die Wörter einer neuen Sprache, die sich weder an Regeln noch Normen hielt. Nicht einmal meine phonetische Sorglosigkeit, die das „h“ immer für unnötig hielt, konnte angesichts von Wörtern mit fünf Buchstaben, die vier Fehler enthielten, ruhig bleiben. Ich übertreibe nicht; einmal korrigierte ich eine Geschichtsprüfung, in der jemand „síbir“ anstelle von „civil“ schrieb. Klar, in diesem Fall versteht man es, da das Konzept, das hinter diesem Wort steht, in dieser Gesellschaft wenig bekannt ist, wo die Bürger Soldaten und keine Wesen mit Rechten sind.

Den größten Schrecken erlebte ich jedoch, als ich eines Tages den vergnügten Schülern einer weiterführenden Schule in der Zanja Straße ein Diktat gab. Es kam mir der Gedanke, in die Liste der Wörter den Titel des größten Klassikers der spanischen Literatur einzufügen. Es war eine Form, ihnen die Figur von Cervantes noch einmal vor Augen zu führen und die Prüfung nicht mit komplizierten Wörtern zu belasten, wie „escaseces“ (dt. Mangel) oder „proposición“ (dt. Vorschlag). Die Wahrheit ist, dass ich beim Durchsehen der Ergebnisbögen jenes Tages mindestens ein paar Schüler fand, die „Quijote“ mit „K“ geschrieben hatten. Ich konnte nicht glauben, dass jemand einen Buchstaben mit so geringer Präsenz in den spanischen Wörterbüchern benutzen könnte, um das Symbol unserer Hispanität niederzuschreiben.

Seit diesem Tag habe ich begriffen, dass die Rechtschreibung der Ausdruck einer allgemeinen kulturellen Bildung ist, die ihre Basis in der Lektüre und in den Büchern hat. Wie soll man von ihnen fordern, dass sie die richtigen Konsonanten benutzen, wenn sie nicht einmal die Bedeutung oder den geschichtlichen Hintergrund von bestimmten Wörtern kennen. Das begriffen auch die Funktionäre des Erziehungsministeriums und verringerten deswegen die Bedeutung der Rechtschreibung bei den Bewertungen. Deshalb wurde aus Sancho „Zancho“ und Rocinante … ja …wer wagt es schon auszusprechen, in was Rocinante verwandelt wurde.

Übersetzung: Iris Wißmüller / iris.wissmueller@gmx.de

Advertisements

Hinterlassen Sie uns ein Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s