Gemeinsame Dinge

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Foto: „Baden im Springbrunnen verboten“

Hilda Molina und ich teilen uns ein paar seltene „Privilegien“: beide wurden wir im Vorwort des Buches Fidel, Bolivien und noch etwas erwähnt und uns beiden wurde – bei mehreren Gelegenheiten – die Erlaubnis zur Ausreise aus Kuba verweigert. In ihrem Fall begründete die Migrationsbehörde den negativen Bescheid mit ihrer Vergangenheit als Wissenschaftlerin. Es wurde das Gerücht gestreut, sie besäße klassifizierte Informationen, die man außerhalb unserer Grenzen nicht wissen durfte. Viele von uns vermuteten jedoch, dass dies nicht das wahre Motiv war, um sie hier zu behalten, sondern die Laune eines Mannes, der forderte, sie zwangsweise festzusetzen.

Mein „Verbrechen“ liegt in der Zukunft, in diesem Teil des Morgen, wo weder der bekannte Verfasser des Vorworts noch die Ausreisebeschränkungen von der Insel mehr existieren werden. Das Zurückhalten meiner Person geht nicht auf das, was ich tat, zurück , sondern auf das, was ich tun könnte; die „Schuld“ fällt auf die Bürgerin zurück, die ich noch nicht bin, aber die sich gerade in diesem Blog entwickelt. Die Strafe war jedenfalls die gleiche für beide, weil ein System, das auf Beschränkungen, Kontrollen und Klausuren basiert, nur mit Einsperren bestrafen kann. Für Hilda ist diese Sanktion gerade zu Ende gegangen; wer aber einmal angeklagt war, kann nie wieder ruhig schlafen angesichts der Furcht davor, wieder in die Zelle zurück zu müssen.

Ich freue mich für ihre Familie und für sie, aber ich bin betrübt wegen der Existenz von Leuten, die entscheiden, wer aus Kuba ausreist und wer nach Kuba einreist. Es tut mir Leid, dass das Wiedersehen von jemandem mit seiner Familie von langen Verhandlungen zwischen Parteien, Regierungen und Präsidenten abhängt. Ich sehe eine alte Frau, die endlich ihre Enkel kennen lernen kann und die niemand entschädigen wird für so viele Jahre Einsamkeit und Leid. Ich kann ihr nur empfehlen, keinen Groll gegenüber ihren Gefängniswärtern zu empfinden, da diese heute Gefangene ihrer Macht sind, ihrer Furcht und der unausweichlichen Nähe ihres Endes.

Übersetzung: Iris Wißmüller
Mail-Adresse: iris.wissmueller@gmx.de

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