Das Zweiland

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Ein Bühnenraum, geteilt durch die Mauer von Berlin und auf der einen Seite – dem aktuellen Kuba so ähnlich – eine Gruppe von Personen in ihrem Kampf um Einkauf, Liebe und Lebensunterhalt. Mittels der Sprache des zeitgenössischen Tanzes konnten wir Habaneros die Geschichte dieser zwei Deutschlands noch einmal sehen, die „wie siamesische Zwillinge verbunden und trotzdem getrennt waren“. Die Kompanie Sascha Waltz & Guests gastierte letzten Freitag im Saal García Lorca des Gran Teatro und entwickelte eine kühne Choreographie um eine Betonmauer herum, die fast vierzig Jahre lang eine Nation geteilte hatte.

Der Gebrauch von Sätzen aus unserem Alltagsleben durch die Tänzer trug zu der starken Kommunikation bei, die sich mit dem anwesenden Publikum entwickelte. Trotzdem glaube ich, dass die blasse und angespannte Atmosphäre ausgereicht hätte, um uns mit dem, was auf der Bühne geschah, zu identifizieren. Die Hartnäckigkeit der Leute erschien mir vertraut, mit der sie trotz des Eisernen Vorhangs ihren Lebensweg fortsetzten, der sie von der anderen Seite trennte. Ihre Tendenz, den bedrohlichen Schatten zu vergessen, sich in die Intimität zu flüchten und sich fast ganz dem Überleben zu widmen. Zwanzig Jahre nach dem Fall dieser willkürlichen Grenze dürsten wir Kubaner noch immer danach, die nicht greifbaren Grenzen, die uns umgeben, einzureißen.

Wenn unsere Mauer wenigstens so aussähe – aus Stein, Zement und Stacheldraht – dann könnten wir einen Hammer oder einen Pickel nehmen, um sie niederzureißen. Wenn man sie berühren und sagen könnte: „Hier beginnt sie, hier hört sie auf“, dann wäre ich mir sicher, dass wir sie schon niedergerissen hätten. Aber die Barriere, die uns von so vielen Dingen trennt, ist – in unserem Fall – unberührbar und wird durch das Meer verstärkt. Wenn diese Mauer aus Kontrollen und Verboten, die uns umgibt, sich für einen Moment materialisieren würde, dann würde es mir Spaß machen, ein riesiges Graffiti darauf zu malen. Ich würde eine Leiter anstellen, um auf die andere Seite zu schauen – so wie es die Tänzer am Freitagabend machten – oder ich würde versuchen, einen Tunnel in den harten Beton zu graben. Wenn nichts davon funktionieren würde, dann würde ich ausgiebig und herausfordernd an ihre kalte Struktur hinpissen.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Iris Wißmüller, Sebastian Landsberger

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