Im Krebsgang: ein Schritt vor, zwei zurück

matadero_aves

Ein paar Tage war ich ohne Zugang zum Internet, weil ein neues Hindernis auf dem Weg der alternativen Blogger aufgetaucht ist. Verschiedene Hotels des Landes verlangen für den Zugang zum Netz den Nachweis, dass man an einem Ort außerhalb des kubanischen Archipels wohnt. Die Angestellten am Empfang sagen mir, obwohl sie – genau wie ich -Einheimische sind, dass dieser bläuliche Ausweis mich nicht dazu berechtigt, ins große weltweite Spinnennetz zu springen. „Das ist eine Anordnung von oben“, erklärt mir eine Frau, als ob eine solche Entscheidung auf einer anderen als der Regierungsebene gefällt worden sein könnte.

Es scheint mir schwierig, mich über Nacht in eine Ausländerin zu verwandeln. So bleibt mir nur, gegen ein derartiges Verbot zu protestieren und die Existenz einer neuen Apartheid öffentlich zu machen. Ich werde wieder auf die Verkleidung als Touristin zurückgreifen müssen, obwohl ich dieses Mal eine so komplizierte Sprache wie das Ungarische lernen sollte, um diejenigen zu täuschen, die Karten für den Zugang ins Netz verkaufen. Vielleicht muss ich mich in den Hotels herumdrücken, bereit, die Ausländer darum zu bitten, dass sie für mich diesen Zugangsschlüssel kaufen, der mir verboten ist, diesen Passierschein, für den ich „keine Kubanerin“ sein darf.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Iris Wißmüller, Sebastian Landsberger

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6 Gedanken zu „Im Krebsgang: ein Schritt vor, zwei zurück

  1. Ich danke für die Aufklärung. Habe auch das Video gesehen über den Versuch ins Internet zu kommen.
    Leider wurde im Bericht auf Hispñolanews keine Quelle genannt. Meine Frage nach Zensur war wohl ein wenig provokativ.

    Grüße

  2. Wer Cuba kennt (vielleicht gar von Herz und Seele liebt, wie ich) kennt die bigotte Weise, „kontrollierte Freiheit“ vor dem Ausland zu „dokumentieren.
    „Rufmord“, begleitet mit vermeintlichen „Kommentaren“ ist leicht verstreut. Wie war noch das Beispiel, der aus dem Federkissen verstreuten Flusen, welche der Wortschänder dann hätte einsammeln sollen??
    Yoani ist integer, zukunftssicher und von einer Zivilcourage geleitet, die wir „freien“ (und den Wert dieser freiheit längst vergessen habenden) Menschen hoffentlich nie mehr entwickeln müssen.
    Wer Cuba kennt, liebt und auch künftig die Liebe erklärt (wie ich kleiner Strassenköter) weiss wohl, wie leicht man in einem perfiden System dem „Ausland“ vermeintlich vorführt, was man Glauben machen möchte.
    Es erinnert an die Parabel des Spatzen, der beim Flug den Helm eines Motorradfahrers traf:
    Der Motorradler spürte den Schlag, stoppte und fuhr zurück. Suchte am Ort nach und fand einen bewusstlosen Sperling.
    Er nahm den Spatzen zu sich nach Hause, bettete den Bewusstlosen in seinem grossen Vogelkäfig, liess ihm eine grossen Becher mit Wasser und ein grosses Stück Brot, wenn er wieder bewusst würde. Dann fuhr er seinen Weg weiter.
    Der Sperling erwachte:
    Sah die Gitter des Käfigs, das Brot und das Wasser. „Oh weh, Herr, offenbar habe ich den Motarradfahrer mit meinem Einschlag getötet, und nun bin ich im Kerker gelandet!!“
    Kunst, lieber Peter und alle anderen Lieben liegt wie immer…im Auge und Herz und Seele des Betrachters

  3. Peter, da Du offenbar spanisch kannst, schau Dir doch mal „www.desdecuba.com/sinEVAsion“ an, den Eintrag vom 8. Mai. Daraus geht hervor, dass die Beschränkungen beim Internetzugang (noch) nur in einigen Hotels, darunter die beiden der Melià-Gruppe, gelten. Die andere Story, die vom Hotel Parque Central kursiert in etlichen Variationen und teilweise mit garstigen Ausschmückungen im Netz (zB Kaosenlared), aber alle sind letztlich vom Bericht in „La República“ abgschrieben. Es ist ja so einfach, sowas zu behaupten, wenn man’s nicht beweisen muss; und bedenke bitte: ein Rufmord ist schnell begangen, aber nie wieder rückgängig zu machen.
    Und noch eins: WER bitte sollte WARUM Deinen Kommentar zensieren?

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