Der Fleischwolf

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Wenn ihr diesen Eintrag lest, dann werde ich im Wartesaal der Oficina de Inmigración y Extranjería* des Bezirks Plaza sitzen. Zwischen Militäruniformen wartet mein Pass auf eine Reiseerlaubnis, die mir schon zwei Mal verweigert worden ist. Während des letzten Jahres haben mir die gehorsamen Soldaten, die mit der Aufgabe betraut sind, unsere Bewegungsfreiheit zu beschränken, nicht gestattet Auslandseinladungen anzunehmen. In ihren Datenbanken und neben meinem Namen muss es wohl ein Zeichen geben, das mich zum Zwangsaufenthalt auf der Insel verdammt. Als Strafe für das Schreiben eines Blogs, um mich an den Ohren zu ziehen, weil ich mich für einen freien Menschen gehalten habe, sieht es die Besitz ergreifende Logik von unserem Papa Staat als normal an, dass ich die „tarjeta blanca“** nicht bekomme.

Was ich mir an diesem Freitag voller Bürokratie und Erwartungen am wenigsten wünsche, ist, dass mir am Ende jemand die Hand auf die Schulter legt, um zu sagen „Wir haben uns in dir geirrt, du kannst ausreisen“. Ich glaube nicht, dass sie „den Irrtum“, mich am Reisen zu hindern, berichtigen, ich habe noch nicht einmal die geringste Hoffnung, am 29. März in ein Flugzeug zu steigen. Ich werde mich in der überfüllten Diele des Blocks Ecke 17 und K nur aus zwei Gründen hinsetzen: Um „ihnen“ mit meiner Sturheit auf die Nerven zu gehen und um meine Rechte einzufordern. „Ihnen“ meine Visa vorweisen, die mir Eintritt in viele Teile der Welt verschaffen, während „sie“ mein Fortkommen bremsen. Ich werde dort sein, in der Gewissheit, dass es eines Tages diese ganze Maschinerie zur Profitmache und zur Sicherstellung der Linientreue – wozu sich die Ausreiseerlaubnis gewandelt hat – nicht mehr geben wird.

Ich bekenne, dass ich nicht möchte, dass man mir zu reisen erlaubt, als sei dies eine Gabe, ich erträume mir eher, dass – noch heute – während ich auf das dritte „Nein“ warte, jemand herauskommt und verkündet, dass diese schändliche Regelung gerade abgeschafft worden ist. Ich sehe es kommen, dass ich dann aus Kuba ausreisen werde, wenn alle es ungehindert tun können. Aber bis dahin werde ich „ihnen“ hart zusetzen mit meinen Forderungen, meinen Blogeinträgen und meinen Fragen.

Hier überlasse ich euch den Vordruck, den ich beim Stellen des Ausreiseantrags ausfüllen musste. Blatt 1 und Blatt 2***.

Nachtrag vom Freitag, dem 20. um 14:15 Uhr:
Ergebnis der behördlichen Maßnahme: Abermals heißt die Antwort „Nein“

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* Das Büros für Einwanderung und Auslandsangelegenheiten
** „Weiße Karte“: Gemeint ist die Ausreiseerlaubnis (permiso de salida).
*** Die deutsche Übersetzung ist hier zu finden.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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