Stühlerücken auf dem Olymp

Das „nicht zu stoppende“ Gefährt des politischen Wandels
Bild: Das „nicht zu stoppende“ Gefährt des politischen Wandels

Gestern, als ich gerade beim Mittagessen saß, rief mich ein Freund an, um zu fragen, ob ich die 13-Uhr-Nachrichten gesehen hätte. Nein, ich esse nie während dieser Art von Sendung, das bekommt meiner Verdauung überhaupt nicht. Rote Bohnen mit der Bekanntgabe zu kombinieren, dass verschiedenen Posten in Staatsrat und Ministerrat neu besetzt wurden, hätte ein Gemenge mit unvorhersagbaren Konsequenzen zur Folge gehabt. Trotzdem ärgert es mich, die Nachrichten versäumt zu haben und mich nur stückweise über die Veränderungen informieren zu können.

Die in der Granma* veröffentlichte „amtliche Mitteilung“ ist lang und trieft vor gähnend langweiliger Amtssprache. Sie lässt sich so zusammenfassen, dass verschiedene Minister und Mitglieder des Staatsrates ersetzt wurden, obwohl das Gerücht, dass sie in Ungnade gefallen waren, bereits seit einigen Monaten im Umlauf war. Es überrascht mich nicht mal, dass einer der Geschassten, Carlos Valenciaga**, gar nicht erst erwähnt wird und dass die Uniformierten stärker in unserem höchsten Verwaltungsorgan präsent sind.

Die Leute würden gern in diesem Durcheinander die Tiefgründigkeit und Weisheit einer Schachpartie erkennen, aber mir scheint es nur ein „Blindekuh-Spiel“ zu sein. Ich glaube nicht, dass die so ersehnten und nötigen Reformen zu ihrer Umsetzung neuer Minister bedurft hätten. Wenn der Wille da gewesen wäre, Maßnahmen zur Öffnungspolitik anzustoßen, hätte kein einem Ministerium vorstehender Beamter diesen stoppen können. Die Absicht war jedoch, die Veränderungen hinauszuzögern, sie einschlafen zu lassen, im politischen Spiel Zeit zu gewinnen, während wir Monat um Monat unserer Lebenszeit verlieren.

Wer wird wohl Marquitos, der schon GPS hat, um die Meerenge nach Florida zu überqueren, überzeugen können, dass die neuen Minister den Weg ebnen werden, damit er seine Träume im eigenen Land erfüllen kann. Die Bekanntmachung von gestern wird nicht zu einer kürzeren Schlange derjenigen führen, die vor der spanischen Botschaft anstehen, um eine neue Staatsbürgerschaft zu bekommen, noch wird die Zahl junger Frauen sinken, die ihren Körper hingeben, damit man sie von hier wegbringt. Hieße der neue Kanzler Bruno statt Felipe, so hätte das wenig Einfluss auf das Ausmaß der Verzweiflung. Die Instrumente auszuwechseln bedeutet wenig, solange die Interpretation der Symphonie und der alte Dirigent des Orchesters dieselben bleiben.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:
* Die Granma ist die offizielle Zeitung der Kommunistischen Partei Kubas, benannt nach dem Boot Granma, mit dem Fidel Castro, Che Guevara und 80 weitere Rebellen 1956 in Kuba anlandeten, um die langjährige Diktatur von Fulgencio Batista zu beenden (siehe: Wikipedia).
** Carlos Valenciaga: Fidels Privatsekretär, repräsentierte, laut Castro, unter anderen die junge Generation auf Kuba (siehe: Politik und Kultur).

Übersetzung: Bettina Hoyer, Iris Wißmüller, Sebastian Landsberger

Advertisements

Ein Gedanke zu „Stühlerücken auf dem Olymp

  1. Nach beruehmten Muster mussten 2 juengere Minister zuruecktreten .Aber das genuegte natuerlich den herren nicht.Nachdem diese einige Jahrzehnte treu dienen mussten und alle Drehungen und Wendungen getreulich mitmachten wurden sie auch noch dazu gezwungen sich zu erniedrigen und der grosse Fidel gab auch noch ein paar Fusstritte dazu. Man erinnert sich an die beruehmten Moskauer Prozesse von den Dreissiger Jahre als die alte Garde von Stalin gezwungen wurde die unmoeglichsten Vergehen einzugestehen und dann auch noch erschossen wurden.Das war der Dank fuer jahrelange Aufopferung.Auch diese Minister haben sich beschmutzen muessen, aber wenigstens muessen sie dies nicht mit ihrem Leben bezahlen.Also doch ein Fortschritt…..Jetzt wurden sie durch alte Generaele ersetzt,Scheinbar will die Jugend nicht mehr mitmachen.Menos mal

Hinterlassen Sie uns ein Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s