Dank und Bitte

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Ich will nicht die Tage verstreichen lassen und weiterhin so undankbar sein, dass ich nicht mit den „selbstlosen Genossen“ rede, die den Eingang meines Hauses bewachen. Sie, mit ihrer grenzenlosen Aufopferung, haben es erreicht, dass in den letzten Wochen nicht mehr so viele Akte von Vandalismus geschahen, wie sonst so häufig in diesen 14 Stockwerken. Niemandem wurde die Wäsche von der Leine gestohlen, auf den Treppen fanden wir keine menschlichen Hinterlassenschaften, die die Ecken schmückten, kein Exhibitionist hat sein Glied einer erschreckten Heranwachsenden gezeigt; die Dominorunde, die so lautes Geschrei auslöst, ist bis auf weiteres suspendiert worden und sogar die streunenden Hunde haben es vermieden, ihr Geschäft dort unten zu machen. Das alles dank der wechselnden Schichten, die die disziplinierten Angehörigen des Innenministeriums in der Lobby meines Betonblocks ableisten, um mich zu bewachen.

Neben meinem unendlichen Dank, wollte ich sie nur bitten, ein Auge zuzudrücken bei den illegalen Händlern. Wir verbringen die gleiche Anzahl von Tagen, ohne dass irgendeiner – nicht einmal ein Kammerjäger gegen die Schaben – seine Ware in unseren Gängen ausruft. Ich fühle mich schuldig an dem Warenengpass, dem die anderen 143 Appartements unterworfen sind, und muss etwas tun, um ihnen Erleichterung zu verschaffen. So bitte ich sie – die lauernden Soldaten des Innenministeriums – zur anderen Seite zu schauen, wenn es ums Essen geht. Das muss nicht die Belagerung von Lissabon* werden!

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* Die erfolgreiche Belagerung von Lissabon im Jahr 1147 durch ein Kreuzritterheer sicherte Alfonso Henrique I. die Grundlage für die Herrschaft über ganz Portugal. Die Nahrungsversorgung in Lissabon war völlig unzureichend (aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Belagerung_von_Lissabon).

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Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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