Das Ende der Subventionen

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Die Langeweile zum Ende dieses Jahres brachte mich dazu, mir die eintönige Vorstellung unserer Abgeordneten bei ihrer letzten Sitzung des Jahres 2008 anzusehen. Die Redeweise, Probleme darzulegen, ohne dabei deren wirkliche Ursachen aufzuzeigen, kehrte – in diesem Dezember – wieder in den Saal des Kongresszentrums des Palacio de las Convenciones zurück. Immer derselbe Sprachstil, der – mit einer einführenden Ehrbezeugung – mehr oder weniger so beginnt: „Unsere Revolution hat viel getan, um den Einzelhandel zu verbessern, trotzdem bestehen weiterhin Probleme …“ Ohne diesen unverzichtbaren Kniefall könnte man in einen nicht erlaubten Wagemut verfallen oder als überkritisch und undankbar bezichtigt werden.

Die abschließende, von Raúl Castro gehaltene Rede bestärkte den Ansatz, die Subventionen einzustellen. Wenn man diesen Satz hört, ist man geneigt, nur an die Beendigung der Lebensmittelzuteilungen zu denken, die wir Kubaner erhalten. Aber der Aufruf, symbolische Preise und unnötige Gratisleistungen abzuschaffen, ist ein zweischneidiges Schwert, das schließlich denjenigen verletzen kann, der es in der Hand hält. Wären wir beim Ausmerzen des Paternalismus konsequent, dann müsste man eigentlich damit beginnen, die Last zu verringern, die der Unterhalt dieser überbordenden staatlichen Infrastruktur bedeutet, die wir aus unseren Taschen ernähren. Ein Arbeiter, der Stahl, Nickel, Rum, Zigarren herstellt oder in einer Hotelbar beschäftigt ist, erhält einen winzigen Anteil vom Verkauf dessen, was er produziert oder der tatsächlichen Kosten seiner Dienstleistungen. Der Rest geht direkt in die Subvention eines unersättlichen Staates.

Angesichts des symbolischen Preises für eine Libra* Reis aus der Zuteilung und der enormen „Scheibe“ von unseren Löhnen, die sich diejenigen nehmen, die uns regieren, sind wir eher die Geber als die Empfänger von Subventionen. Diese abzuschaffen, sollte eigentlich unser Wahlspruch sein, nicht der ihre.

Anmerkungen der ÜbersetzerInnen:

* 1 Libra = 454 Gramm

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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