Ehe ohne Erbe

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Text auf dem Foto: Offizieller Yoruba-Bereich

Zwei meiner Freunde heirateten in den Neunziger Jahren, um die Hochzeitstorte und das Bier kaufen zu können, die dann auf Libreta-Bezugsscheine des rationierten Marktes ausgegeben wurden. Die beiden waren kein Paar und haben nie mehr als eine Umarmung miteinander ausgetauscht, doch der Weiterverkauf der zuckersüßen Torte brachte ihnen genug Geld ein, dass beide, jeder für sich, davon ein paar Monate leben konnte. So wie diese beiden, unterschrieben viele Leute die Hochzeitsurkunde, in Erwartung der heiß ersehnten Produkte und der drei Hotelübernachtungen der Hochzeitsreise, für die auf dem Schwarzmarkt sehr gute Preise gezahlt wurden.

Angesichts dieser Erfahrungen aus meinem Umfeld, fällt es mir schwer, Eheschließungen noch ernst zu nehmen. Ich lebe seit Ewigkeiten in einer unehelichen Partnerschaft, ohne irgendwelche Papiere. Viele meiner Bekannten leben ebenfalls in Partnerschaften zusammen, ohne deswegen je ein Notariat betreten zu haben oder sich ihre Partnerschaft bescheinigen lassen zu haben. Dabei handelt es sich nicht einfach um einen postmodernen oder pietätlosen Trend, sondern um den Verlust des Sinns, eine Ehe zu formalisieren. Einer der Gründe für dieses Verschwinden ist das Fehlen von Familienbesitz, der mit der Unterschrift unter einen Vertrag zu schützen wäre. Welchen Unterschied kann es machen, ob ein Kind Eltern hat, die legalisiert oder nicht legalisiert zusammen leben, wenn diese weder Güter besitzen, die ihm vererben könnten, noch Grundbesitz, der vom Gesetz anerkannt werden müsste.

Wir, die wir heute noch keine vierzig Jahre alt sind, laufen in Liebesbeziehungen ein und bringen und unsere größte Mitgift ist das, was sich unter unserer Haut befindet. Und wenn das Ende der Idylle gekommen ist, passen die Besitztümer – meistens – in einen Koffer. Mit einem Liebesnest, das sich in der Wohnung der Eltern befindet und einem Lohn, der nicht ausreicht, um langlebige oder vererbbare Güter zu erwerben, sind das unterschriebene Papier und der offizielle Stempel, die eine Eheschließung bezeugen, nur noch wenig wert.

• Bis zum 27. November wird jeder Blogeintrag eine Erinnerung an die Online-Abstimmung für die Auszeichnung „The Bobs“ enthalten. Denkt daran, dass Generation Y in drei verschiedenen Kategorien am Wettbewerb teilnimmt: „Best Weblog“ (weltweit), „Best Weblog/Spanisch“ und dem Sonderpreis „Reporter ohne Grenzen Award“. Hier ist der Link:

    THE BOBs

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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